PIP-Anwalt Gefährliche Brustimplantate waren nicht genehmigt

Gepanscht und von minderwertiger Qualität: Vor den Brustimplantaten der französischen Firma PIP hatte die US-Aufsichtsbehörde FDA bereits vor gut zehn Jahren gewarnt. Über einen Anwalt gibt der Gründer des Unternehmens jetzt zudem zu, dass der größte Teil der Silikonkissen gar nicht genehmigt war.
Silikonkissen der Firma PIP: Fehlte eine Genehmigung?

Silikonkissen der Firma PIP: Fehlte eine Genehmigung?

Foto: ERIC GAILLARD/ REUTERS

Hamburg/Paris - Der Medizinskandal um die gefährlichen Silikonimplantate geht in die nächste Runde - und der beschuldigte Franzose Jean-Claude Mas in die Offensive: Über seinen Anwalt gab der Gründer des Unternehmens PIP zu, dass er für die Produktion von Prothesen nicht zugelassenes Silikon verwenden ließ. Dagegen sei ein besseres und teureres Produkt den Ämtern vorgelegt und für den Vertrieb freigegeben worden. Die mangelhafte Silikon-Füllung ist damit fast ein Jahrzehnt lang im Verkauf gewesen.

Von dem eingesetzten Kunststoff gehe allerdings keine besondere Gefahr für die Gesundheit aus, ließ Mas erklären. Alle Silikongele könnten im Körper zu Irritationen führen, sagte Verteidiger Yves Haddad der französischen Nachrichtenagentur AFP. Vorwürfe über eine hohe Reißanfälligkeit der Implantate seien nicht belegt.

Als Grund für die Verwendung von nicht zugelassenem Billig-Silikon nannte Mas-Anwalt Haddad das Gewinnstreben seines Mandanten. "Das ist vielleicht erbärmlich, aber so ist es nun einmal", erklärte er in einem Gespräch mit der französischen Tageszeitung "Libération". "Wir leben in einer kapitalistischen Welt." Mas werde sich vor der Justiz verantworten. Er sei zu Hause in Frankreich und erhole sich von einer Operation.

Zuvor hatte es Gerüchte gegeben, dass Mas untergetaucht sein könnte. Wegen Trunkenheit am Steuer in Costa Rica steht der 72-Jährige seit Monaten auf der Fahndungsliste von Interpol. Der französischen Justiz liegen zudem mehr als 2000 Anzeigen von Frauen mit PIP-Implantaten vor. Die Strafverfolgungsbehörden ermitteln wegen schweren Betrugs und fahrlässiger Tötung. Das Unternehmen PIP wurde 2010 aufgelöst.

Probleme bei der Qualitätssicherung

Wie nun auch bekannt wurde, haben US-Behörden bereits vor mehr als zehn Jahren vor der Firma PIP gewarnt: Die US-Aufsichtsbehörde für Lebens- und Arzneimittel (FDA) schrieb nach einer Inspektion der Firma im Juni 2000, die damals noch mit einer Kochsalzfüllung hergestellten Kissen seien "gepanscht" gewesen. In dem Brief, der der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag vorlag, listete die FDA eine Reihe von Problemen bei der Qualitätssicherung auf. Diese könnten auf generelle Schwierigkeiten bei der Produktion hindeuten, hieß es darin.

Der Brief sei damals öffentlich zugänglich gewesen, sagte eine FDA-Sprecherin. Ob die französischen Behörden darüber informiert gewesen seien, könne sie aber nicht sagen.

Das Unternehmen PIP ging im Frühjahr 2010 pleite, nachdem Risse in den Implantaten und in diesem Zusammenhang auch die Verwendung von industriellen Kunststoffen aufgefallen war. Weltweit sind bis zu 300.000 Frauen von dem Skandal betroffen, viele davon leben in Lateinamerika. Auch Frauen in den Niederlanden wurden die Brustimplantate eingepflanzt. Kritiker gehen davon aus, dass das minderwertige Silikon bei einzelnen Patientinnen Krebs ausgelöst hat, ein wissenschaftlicher Nachweis dafür fehlt jedoch.

Wie viele Frauen in Deutschland die schadhaften Implantate erhalten haben, ist unklar. Seit 2004 wurden jedoch 19 Fälle von gerissenen PIP-Implantaten bekannt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat betroffenen deutschen Frauen geraten, zur individuellen Risikoabwägung mit ihrem Arzt zu sprechen.

cib/AFP/Reuters/dpa