Ratten-Experiment Nanopartikel-Gel könnte Potenzpillen ersetzen

Eine Salbe mit Nanopartikeln könnte eines Tages die heute gebräuchlichen Tabletten zur Behandlung von Erektionsstörungen ablösen. Die Partikel sollen den Wirkstoff durch die Haut zu den Blutgefäßen transportieren. Experimente mit Ratten verliefen vielversprechend.


San Diego - Das Medikament wirkt, aber mögliche Nebenwirkungen machen Ärzten und Patienten Sorgen. Dies gilt auch für Viagra und verwandte Präparate, welche zur Behandlung von Erektionsstörungen eingesetzt werden. Forscher vom Albert-Einstein-College für Medizin in New York wollen die Nebenwirkungen, etwa Herzprobleme, minimieren, indem sie die Substanz nicht mehr in Pillenform verabreichen, sondern als Salbe. Diese wird direkt auf den Penis aufgetragen, winzige in der Salbe enthaltene Nanopartikel schleusen den Wirkstoff durch die Haut.

Erste Tests einer solchen lokalen Anwendung verschiedener Substanzen mit Ratten waren bereits sehr erfolgreich: Bei fast 90 Prozent der Tiere habe sich die Erektionsfähigkeit bereits innerhalb weniger Minuten verbessert, berichten George Han und seine Kollegen im Fachblatt "Journal of Sexual Medicine".

Potenzmittel wie Sildenafil oder die verwandten Wirkstoffe Tadalafil und Vardenafil sorgen für die Erweiterung der Blutgefäße im Penis und erleichtern damit die Entstehung einer Erektion. Meist werden diese Medikamente in Tablettenform eingenommen, so dass sie den gesamten Organismus passieren müssen, ehe sie ihre Wirkung entfalten können.

Das führt zum einen dazu, dass die Wirkung erst nach einer halben bis einer Stunde eintritt. Zum anderen beeinflussen die Wirkstoffe nicht nur die Blutgefäße im Penis, sondern auch andere Gefäßsysteme. Aus diesem Grund dürfen etwa Patienten, die bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten oder unter anderen Herz-Kreislauf-Problemen leiden, die Medikamente nur unter strenger ärztlicher Kontrolle oder gar nicht einnehmen.

Anwendung beim Menschen noch nicht untersucht

Mit einer lokal angewandten Creme oder Salbe ließen sich diese Einschränkungen umgehen, schreiben Han und seine Kollegen. In ihrer Studie testeten sie daher, ob sich eine solche Creme mit Hilfe von Nanopartikeln realisieren lässt, die, wie bereits frühere Studien gezeigt hatten, die Haut durchdringen können. Schon länger versuchen Mediziner, Medikamente huckepack mit Nanopartikeln direkt in die Zellen zu transportieren, wo sie hinsollen.

Die US-Forscher beluden die Nanopartikel mit verschiedenen Kombinationen von Stickstoffmonoxid - einem Molekül, das Blutgefäße erweitern kann -, dem experimentellen Wirkstoff Sialorphin und dem bereits erhältlichen Tadalafil. Das Ergebnis sei beeindruckend gewesen, berichten die Wissenschaftler: 16 von 18 Ratten, denen diese beladenen Nanoteilchen in einem Gel verabreicht worden waren, zeigten nach weniger als zwei Minuten bereits eine deutliche Verbesserung ihrer Erektionsfähigkeit. Nebenwirkungen seien nicht aufgetreten.

Ob sich diese Wirkung jedoch auch beim Menschen erzielen lasse, sei bisher noch vollkommen unklar, geben die Forscher zu bedenken. Zudem dürfe man nicht mit einer schnellen Markteinführung rechnen: Selbst nach dem Nachweis eines Wirkprinzips dauere es meist einige Jahre, bis die klinischen Studien beim Menschen überhaupt beginnen könnten.

hda/ddp



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