Rauchen Nikotin-Entwöhnung auch ohne Hilfsmittel erfolgversprechend

Wer von der Zigarette loskommen will, braucht einen eisernen Willen - aber nicht unbedingt teure Medikamente oder psychologische Hilfe. Australische Forscher glauben, dass Pharmafirmen Raucher-Entwöhnungsmittel im eigenen Interesse wichtiger machen als sie sind.
Zigarettenkippen: Mit dem Rauchen aufzuhören fällt vielen schwer

Zigarettenkippen: Mit dem Rauchen aufzuhören fällt vielen schwer

Foto: Stephan Jansen/ dpa

San Francisco - Dass Rauchen gesundheitsschädlich ist, steht außer Frage - und ebenso, dass es ungemein schwer ist, damit aufzuhören. Forscher der University of Sydney berichten nun, dass die Rolle von Hilfsmitteln bei der Entwöhnung von der Zigarette dramatisch überschätzt wird. Die meisten Nikotin-Aussteiger gewöhnen sich ihr Laster nämlich ganz allein und ohne Unterstützung ab.

Die Forscher um Simon Chapman hatten 511 Studien aus den Jahren 2007 und 2008 ausgewertet. Sie stammten allesamt aus dem englischsprachigen Raum - und belegen, dass zwei Drittel bis drei Viertel der erfolgreichen Ex-Raucher ohne Ersatzmittel oder psychologische Hilfe von ihrem Laster loskommen konnten. Die Betroffenen hätten entweder von einem Tag auf den anderen aufgehört, oder hätten langsam die Anzahl ihrer Zigaretten reduziert. Wer erfolgreich mit dem Rauchen aufgehört habe, beurteile die Entwöhnung als weniger schwierig als erwartet, schreiben die Forscher im Fachjournal "PLoS Medicine" .

Gesundheitsbehörden sollten diese Tatsache eigentlich mehr betonen und nicht so stark auf Nikotinmittel oder professionelle Hilfe hinweisen, argumentieren die Wissenschaftler. Der Öffentlichkeit werde aber zunehmend das Bild vermittelt, dass Nikotinersatztherapien zum erfolgreichen Rauch-Stopp nötig seien. Viele Anti-Raucher-Kampagnen würden Werbung für Produkte zum Tabakersatz machen.

Die Forscher sehen die Gefahr, dass Raucher nicht mehr daran glauben, ohne Hilfsmittel von der Zigarette loskommen zu können. Das wäre vermutlich durchaus im Sinne der Pharmaindustrie, die ohnehin eine Vielzahl der Studien zur Rauchentwöhnung finanziert.

Eine von Chapman und seinen Kollegen zitierte Metastudie scheint zu belegen, wohin das führt: Demnach wird bei etwa jeder zweiten von der Industrie bezahlten Untersuchung ein entscheidender Effekt der Tabakersatztherapien bei der Rauchentwöhnung bejaht. Bei anderweitig finanzierten Studien seien es hingegen nur 22 Prozent. Und noch ein Argument für die problematische Rolle der Industrie führen die Wissenschaftler an: In den USA würden pro Monat dreimal so viele Informationen zum Nikotin-Stopp von der Industrie verbreitet wie von der Regierung oder Nichtregierungsorganisationen.

chs/dpa