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Schockbilder: Anti-Tabak-Kampf in den USA

Foto: AFP/ FDA

Raucher-Abschreckung USA bringen Schockbilder auf Zigarettenschachteln

Die USA verschärfen den Kampf gegen das Rauchen: Auf Zigarettenpackungen sollen künftig drastische Fotos von faulen Zähnen, zerstörten Lungen und Leichen zu sehen sein. In Deutschland werden ähnliche Pläne erst mal verschoben - dabei befürworten Wissenschaftler solche Ekelbilder.

Belgier, Briten, Rumänen oder Letten kennen das bereits: Kauft man eine Schachtel Zigaretten, hat man beste Chancen, ekelhafte Bilder von Nikotin-Opfern zu sehen. Faulige Zähne, faustgroße Tumoren, geschwärzte Lungen gehören zu den Schockmotiven, die Raucher von ihrem Tun abbringen sollen.

Demnächst werden auch Amerikaner mit diesem Anblick leben müssen. Die Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde FDA darf seit Juni 2009 den Tabakkonsum in den USA regulieren - und macht nun auf spektakuläre Art von ihrem Recht Gebrauch. Die Bundesbehörde hat 36 Bilder veröffentlicht , die Kandidaten für den Aufdruck auf Zigarettenschachteln sind. Im Juni 2011 werde entschieden, welche genau zum Einsatz kommen, teilte die FDA jetzt mit. Zuvor werde man die Wirkung der Bilder in einer Studie mit 18.000 Teilnehmern erforschen sowie die Reaktionen der Öffentlichkeit und wissenschaftliche Literatur auswerten.

Den Zigarettenherstellern bleiben anschließend 15 Monate, um die neuen Warnhinweise auf die Verpackungen zu bringen - und die sollen nicht zu übersehen sein. Nach den Plänen der FDA sollen die Etiketten jeweils die Hälfte der Vorder- und Rückseite einer Zigarettenpackung bedecken. Spätestens ab Oktober 2012 soll es in den USA keine Schachteln ohne Warnbilder mehr geben.

Nach Zahlen der FDA sterben jedes Jahr rund 443.000 Amerikaner an den Folgen des Tabakkonsums. Zwar hat der Anteil der Raucher in der Gesamtbevölkerung in den vergangenen 40 Jahren stark abgenommen, doch zuletzt war kein weiterer Rückgang mehr zu verzeichnen. Derzeit rauchen rund 46 Millionen Erwachsene in den USA, was einem Bevölkerungsanteil von knapp 21 Prozent entspricht. Unter Schülern liegt der Raucheranteil bei fast 20 Prozent.

Mit den Schockbildern unternehme die FDA "einen wichtigen Schritt zur Reduktion der enormen Zahl der Krankheits- und Todesfälle durch Tabakkonsum", sagte Behördenchefin Margaret Hamburg. "Die gesundheitlichen Konsequenzen des Rauchens werden jedes Mal offensichtlich sein, wenn jemand eine Schachtel Zigaretten in die Hand nimmt."

In Deutschland ist die Frage wieder offen

Auch in Deutschland wird das Thema seit längerem debattiert. Eigentlich sollten Ekelbilder schon heute auf Zigarettenschachteln zu sehen sein. Im Mai 2009 hatte die damalige Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) angekündigt, die abschreckenden Fotos spätestens 2010 einzuführen. Doch diese Pläne sind inzwischen Makulatur, wie das Büro der jetzigen Drogenbeauftragten Mechthild Dyckmans (FDP) auf Anfrage mitteilte.

Die Europäische Kommission sei derzeit damit beschäftigt, sowohl die Text- als auch die Bildwarnungen zu überarbeiten. Die EU-Staaten könnten dann nach Vorlage der geplanten Bilder entscheiden, ob sie diese einführen wollen oder nicht. Spielraum für eigene Ideen gibt es nicht: Die Mitgliedstaaten können entweder das EU-Material benutzen oder gänzlich auf die Schockbilder verzichten.

Bätzing hatte die Einführung der Schockbilder klar befürwortet - doch von diesem Standpunkt ist die Bundesregierung inzwischen wieder abgerückt. Man habe sich in der Angelegenheit noch nicht festgelegt, sagt nun ein Mitarbeiter der Drogenbeauftragten. Eine Entscheidung werde erst fallen, wenn die EU-Kommission die neuen Bilder vorgelegt habe.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Frage dagegen längst geklärt: Eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums  hatte 2009 ergeben, dass schockierende Bilder auf Zigarettenpackungen eine deutliche Wirkung haben. "Die zumeist drastischen Darstellungen der Folgekrankheiten des Rauchens lösen häufig negative Emotionen aus", sagte Martina Pötschke-Langer, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention des Zentrums. Die Wahrscheinlichkeit, dass Raucher ihren Konsum reduzierten oder gänzlich aufgäben, werde durch die Bilder erhöht. Außerdem erreichten die Bildwarnhinweise auch Leute, die kaum oder gar nicht lesen können, sowie Raucher, die der Landessprache nicht mächtig sind.

mbe/AP