Erstes Corona-Medikament Remdesivir in Europa zugelassen

Es ist das erste Medikament gegen Covid-19: In Europa kommt Remdesivir auf den Markt. Vorgesehen ist das Mittel für die Therapie von Patienten mit einer schweren Lungenentzündung.
Ampulle mit Remdesivir, das Mittel wird über eine Infusion verabreicht

Ampulle mit Remdesivir, das Mittel wird über eine Infusion verabreicht

Foto: REUTERS

In Europa gibt es ein erstes Medikament zur Behandlung von Covid-19. Die Europäische Kommission hat am Freitag der Zulassung von Remdesivir zugestimmt. "Die heutige Zulassung eines ersten Medikaments zur Behandlung von Covid-19 ist ein wichtiger Fortschritt im Kampf gegen das Virus", erklärte Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides. Die Zulassung sei im Schnellverfahren weniger als einen Monat nach dem Antrag ergangen.

Zuvor hatte die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) empfohlen , das Medikament unter Auflagen für die Therapie von Corona-Patienten zugänglich zu machen. Vorgesehen ist das Mittel demnach für die Behandlung von erwachsenen Covid-19-Patienten, die unter einer Lungenentzündung leiden und mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt werden müssen. Das Medikament darf zunächst nur rund ein Jahr lang in der EU vertrieben werden, bis weitere Daten zu seiner Wirkung und möglichen Nebenwirkungen vorliegen.

Studie: Manche Patienten mit Remdesivir schneller gesund

Ärzte sehen Remdesivir nicht als Allheilmittel, wohl aber als Lichtblick für manche Corona-Patienten. Die Empfehlung der Europäischen Arzneimittelagentur beruht vor allem auf einer Studie mit mehr als 1000 Patienten, die Ende Mai im "New England Journal of Medicine" veröffentlicht wurde . Demnach verkürzte das Medikament die Zeit, bis sich der Zustand eines Patienten im Krankenhaus deutlich verbesserte, im Vergleich zu einem Placebo im Schnitt von 15 auf 11 Tage.

Die Effekte waren bei Patienten am stärksten, die Sauerstoff benötigten, aber noch nicht künstlich beatmet werden mussten. In den anderen Gruppen (Patienten, die ohne Sauerstoff auskamen, sowie Patienten, die bereits künstlich beatmet wurden) konnten die Forscher keinen statistisch eindeutigen Nutzen des Medikaments nachweisen. Allerdings waren die dafür untersuchten Patientengruppen vergleichsweise klein. Um einen möglichen Vorteil auch für diese Patienten beziffern zu können, braucht es weitere Studien.

Remdesivir wird per Infusion verabreicht, die Therapie dauert zwischen fünf und zehn Tagen. Voraussetzung für die Behandlung ist, dass die Patienten am Monitor eng überwacht werden können. Ärzte sollten vor, während und nach der Behandlung unter anderem Leber- und Nierenwerte im Blick behalten, fordert die EMA.

Die USA hatten bereits Anfang Mai eine Ausnahmegenehmigung für den begrenzten Einsatz des Wirkstoffes in Krankenhäusern erteilt. Auch in Deutschland war das Mittel bislang schon innerhalb eines Härtefallprogramms zugänglich und wurde in klinischen Studien getestet.

Streit um Hamsterkäufe

Wie schon bei einem möglichen Impfstoff führte auch die Verteilung von Remdesivir bereits vor der Zulassung zu Empörung: Laut mehreren Berichten sollen sich die USA seit Monaten den Bestand des Medikaments gesichert haben. Das US-Gesundheitsministerium bestätigte, dass mit dem Hersteller der Kauf von Wirkstoffdosen für mehr als 500.000 Behandlungen vereinbart wurde. Das entspreche 100 Prozent der geplanten Produktionsmenge für Juli sowie jeweils 90 Prozent für August und September. Hergestellt wird Remdesivir vom Pharmakonzern Gilead.

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Gilead müsse trotz der Großeinkäufe der USA weiterhin lieferfähig bleiben, forderte Gesundheitsminister Jens Spahn. Er erwarte von der Pharmafirma, "dass Deutschland und Europa versorgt werden, wenn es um ein solches Medikament geht", sagte der CDU-Politiker am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin". Den Bedarf für die kommenden Wochen sieht Spahn gesichert. In der Zentralapotheke des Bundes gebe es entsprechende Reserven. Die EU-Kommission verhandelt ebenfalls mit dem Hersteller, um sich ausreichende Mengen des Wirkstoffs zu sichern.

Bedingung für die Zulassung in Europa sei, dass der Hersteller auch nach Europa liefere, erklärte der CDU-Europapolitiker Peter Liese. Eine mögliche Lösung für Engpässe wäre, dass Gilead seine Kenntnisse mit anderen Herstellern teile und diese das Medikament gegen Lizenzgebühren produzieren lasse. Auch damit könne Gilead sehr viel Geld verdienen, sagte Liese am Freitag.

Remdesivir wurde ursprünglich für die Behandlung von Ebola entwickelt, konnte den Patienten aber kaum helfen. Das Medikament soll verhindern, dass Viren die menschlichen Zellen dafür nutzen, ihr Erbgut nachzubauen. Ohne Hilfe der Zellen können sich die Erreger nicht vermehren.

irb/dpa
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