Stammzellen Forschungszentrum empfiehlt Rücknahme umstrittener Studie

Durch ein einfaches Säurebad könnten Mauszellen in den Embryonalzustand zurückversetzt werden, berichteten Forscher im Januar. Eine Sensation. Doch jetzt zeigt sich: Die Studie enthält deutliche Fehler. Forderungen nach dem Rückzug der Arbeit häufen sich.

Mausembryo: Auf der Stammzellforschung ruhen große Hoffnungen
DPA/ Riken

Mausembryo: Auf der Stammzellforschung ruhen große Hoffnungen


Nach erheblichen Zweifeln an einer als wegweisend gelobten Forschungsarbeit zur Stammzellenforschung hat sich nun auch das renommierte japanische Riken-Zentrum für die Rücknahme der Studie ausgesprochen. Der Chef des Zentrums für Entwicklungsbiologie in Kobe, Chemie-Nobelpreisträger Ryoji Noyori, empfahl nach einer ersten Überprüfung, die Studie zurückzunehmen. Zugleich warnte er vor einem schweren Vertrauensverlust in die Forschung.

Die Kritik an der Studie zielt in erster Linie auf den Umgang mit den Studiendaten. Zur Gültigkeit der Ergebnisse macht das Institut keine Angaben.

Wissenschaftler unter Führung von Haruko Obokata hatten Anfang des Jahres in dem britischen Fachblatt "Nature" unter anderem einen Weg beschrieben, wie mithilfe von Zitronensäure Körperzellen von Mäusen in quasi-embryonale Zellen zurückversetzt werden können. Aus diesen Zellen lasse sich Material für jeden Zelltyp und daraus künstliches Gewebe züchten, hieß es.

Nimmt "Nature" die Studie zurück, gilt sie nicht mehr als anerkannte Forschungsarbeit - und kann nicht als Grundlage für weitere Untersuchungen genutzt werden. Auf der Stammzellenforschung ruhen große Hoffnungen im Kampf gegen Krankheiten wie Krebs, Alzheimer und andere oft tödliche Leiden.

Rücknahme nur mit Einverständnis der Forscher

Auf einer Pressekonferenz entschuldigte sich Noyori für die Publikation der Studie. Der Vorgang könne der "Glaubwürdigkeit der Wissenschaftsgemeinschaft schaden", sagte der Wissenschaftler. Die Auswertung der "enormen Mengen an Forschungsdaten" sei von den Forschern mit "Schlampigkeit" erfolgt. Ein Vorwurf lautete, dass die Wissenschaftler zweifelhafte Fotos als wichtige Belege für die Studienergebnisse benutzt hätten. Die Bilder ähnelten denen, die Obokata bereits 2011 in ihrer Doktorarbeit genutzt hätte.

Das Riken-Institut, dessen Überprüfung der Arbeit andauert, kann die Studie nicht einseitig zurückziehen. Der Chef der Abteilung für Entwicklungsbiologie am Riken-Zentrum, Masatoshi Takeichi, räumte ein, dass ein solcher Schritt vom "Nature"-Magazin unter Zustimmung aller Mitautoren vollzogen werden müsse. Die Studie sollte seiner Meinung nach jedoch zurückgezogen und die Forschungsarbeit wiederholt werden.

Japanischen Medienberichten vom Freitag zufolge willigte Obokata bereits in die Rücknahme ein. In einer mit zwei Co-Autoren gemeinsam unterzeichneten Erklärung der Wissenschaftlerin hieß es dann aber lediglich, das Trio "erwäge eine mögliche Rücknahme". Ein anderer Co-Autor, Teruhiko Wakayama, von der Yamanashi Universität hatte sich Anfang der Woche bereits für einen Rückzug ausgesprochen, während Kollege Charles Vacanti, Gewebespezialist an der Havard Medical School, in einem Interview mit dem "Wall Street Journal" dagegen war. "Nature" leitete eine eigene Untersuchung ein.

jme/AFP

insgesamt 2 Beiträge
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kuac 14.03.2014
1. Unklar
Zitat von sysopDPA/ RikenDurch ein einfaches Säurebad könnten Mauszellen in den Embryonalzustand zurück versetzt werden, berichteten Forscher im Januar. Eine Sensation. Doch jetzt zeigt sich: Die Studie enthält deutliche Fehler. Forderungen nach dem Rückzug der Arbeit häufen sich. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/riken-zentrum-empfiehlt-ruecknahme-umstrittener-stammzell-studie-a-958703.html
Die ungeklärte Frage bisher ist, ob die Schlussfolgerungen falsch sind oder ob nur bei den Beweisen aufgehuebscht wurde. Man kann eigentlich nicht davon ausgehen, dass jemand so eine einfache aber falsche Methode publiziert. Weil sie leicht nachzumachen und zu validieren wäre. Möglich ist es aber auch, dass die Autoren nach der Säurebehandlung nur die bereits existierende und überlebende Stammzellen isoliert hatten.
tylerdurdenvolland 14.03.2014
2. Japan, Image und Wahrheit.....
Wer in Japan lebt, der lernt früher oder später vieles, das man in einem Land, das sich gern zur ersten Welt zählt niemals für möglich gehalten hätte. Zuerst wird man wegen der Zugehörigkeit zur obersten Kaste zum Experten ernannt, und dann folgen solche Publikation. Diese in Frage zu stellen, widerspräche dem guten Ton in Japan, ein Land in dem Formalitäten ALLES sind. Da hat natürlich auch die Wissenschaft hintanzustehen. Die einzige Grenze die es zu beachten gäbe, das wäre solche international wichtige Themen die ausserhalb Japans Interesse erwecken. Innerhalb Japans gelten japanische Traditionen als höchste Werte, die man im Westen irrtümlicherweise für Kultur hält. Wer das alles mal verstanden hat, der versteht auf einmal auch ganz problemlos das Benehmen eines Abe, oder auch warum so einer überhaupt gewählt werden kann. Warum Fukushima passieren konnte, und warum auch drei Jahre später alles noch ganz genauso läuft und die AKWs selbstverständlich wieder angeworfen werden.... Wer in Japan lebt kann regelmässig in den TV Nachrichten solche Fachleute dabei beobachten wie sie irgendwas wieder zurücknehmen müssen und sich dafür vor laufender Kamera entschuldigen. Dabei bleibt es dann. Die Opfer von all dem, von Zugunglücken, über Lebensmittelvergiftungen bis zu AKW Explosionen, die müssen mit ihrem Schaden alleine fertig werden. Wer das nicht schafft ist kein richtiger Japaner.
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