Risiko Übergewicht Mediziner zweifeln an Aussagekraft des Body-Mass-Index

Der Taillenumfang spielt eine wesentlich größere Rolle für die Gesundheit als der bislang häufig genutzte Body-Mass-Index. Über das Risiko für Herzkrankheiten entscheidet nicht die Menge des Fetts, sondern seine Verteilung im Körper.
Personenwaage: Gutes und böses Fett werden nicht unterschieden

Personenwaage: Gutes und böses Fett werden nicht unterschieden

Foto: A3528 Armin Weigel/ dpa

München - Der Body-Mass-Index gilt in Gewichtsfragen als das Maß aller Dinge. Die oft genutzte BMI-Formel "Gewicht durch Körpergröße in Metern zum Quadrat" entscheidet darüber, wer als fettleibig oder untergewichtig gilt. Doch für die Abschätzung von Krankheitsgefahren tauge das Maß nicht, behaupten nun deutsche Mediziner und bestätigen damit frühere Studien. "Der BMI spielt keine Rolle für das Schlaganfall-, Herzinfarkt- oder Todesrisiko eines Menschen", sagte Harald Schneider von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU).

Anders als man es beim BMI unterstelle, sei Fett nicht gleich Fett, erläutert Schneider. Es gebe "gutes Fett" an Hüften, Oberschenkeln und Gesäß, das nicht das Risiko für Herz- Kreislauferkrankungen erhöhe. Es kann sogar schützen, wie Mediziner erst im Januar berichtet hatten. Das "böse Fett" um den Bauch könne dagegen schädliche Fettsäuren und andere Stoffe in den Körper abgeben, die unter Umständen Entzündungen hervorriefen.

Für ihre Studie beobachteten die LMU-Forscher knapp 11.000 Probanden bis zu acht Jahre lang. Neben dem BMI wurden noch weitere Werte gemessen: Das Verhältnis von Hüft- zu Taillenumfang und die Zahl, die sich ergibt, wenn man den Taillenumfang durch die Körpergröße teilt, kurz WHtR genannt.

"Je höher der WHtR, desto größer das Risiko", beobachteten Schneider und seine Kollegen mit Blick auf Herzinfarkt und Schlaganfall. Das Verhältnis von Hüft- zu Taillenumfang habe diesbezüglich kaum eine und der BMI gar keine Aussagekraft gehabt. Die Studie wird im "Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism"  (April 2010) veröffentlicht. Daran beteiligt waren auch Forscher der Universitäten Greifswald, Dresden und Lübeck.

Zweifel an der Aussagekraft des Body-Mass-Index sind nicht neu. Der BMI erlaubt zum Beispiel auch keine Rückschlüsse auf das Verhältnis von Muskel- zu Fettmasse. Um dieses zu messen, benötigt man eine spezielle Waage mit Körperfettbestimmung. Auch die Statur bleibt beim BMI unberücksichtigt. Breiter gebaute Menschen haben zwangsläufig einen höheren BMI, ohne jedoch dicker zu sein.

hda/dpa
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