RKI-Präsident zur Corona-Lage »Covid-19 ist eine vermeidbare Erkrankung«

Noch immer infizieren sich in Deutschland zu viele Menschen mit dem Coronavirus, warnt RKI-Präsident Lothar Wieler. Gesundheitsämter seien erschöpft, es gebe immer mehr Ausbrüche in Altersheimen. Dies müsse nicht sein.
RKI-Präsident Lothar Wieler bei einer Pressekonferenz (Archivbild)

RKI-Präsident Lothar Wieler bei einer Pressekonferenz (Archivbild)

Foto: Christian Marquardt / EPA-EFE / Shutterstock

Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, bewertet die Corona-Lage in Deutschland als »weiter angespannt«. Es sei durch die Maßnahmen zwar gelungen, den Anstieg der Fallzahlen in Deutschland zu stoppen, dies sei ein Erfolg. »Es infizieren sich aber immer noch zu viele Menschen mit Sars-CoV-2«, sagte er bei einer Pressekonferenz.

Die Gesundheitsämter in Deutschland seien zunehmend erschöpft, so der RKI-Präsident weiter. Nur noch selten sei es möglich, nachzuverfolgen, wo sich Menschen mit dem Virus infiziert haben. Außerdem gebe es immer mehr Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen. »Es gelingt uns immer seltener, das Virus da rauszuhalten«, so Wieler. Dies bereite ihm große Sorgen. Krankenhäuser gerieten in einigen Regionen an ihre Belastungsgrenzen.

Die Folgen zeigen sich in den Zahlen der Menschen, die mit Covid-19 ins Krankenhaus kommen und sterben. Diese sind in den letzten Wochen weiter angestiegen. Diese Entwicklung sei nicht überraschend, sagte Wieler. Er erwarte viele weitere Todesfälle in Deutschland. »Die Zahl der Neuinfektionen muss noch deutlich gesenkt werden.« Er hoffe sehr, dass die Trendwende noch gelinge.

Die Mittel, um dies zu erreichen, seien klar: »Covid-19 ist eine vermeidbare Erkrankung. Wir können viele Infektionen verhindern«, sagte er. »Diese Pandemie lebt nur von unserem Verhalten. Dieses Virus springt nur über, wenn wir ihm die Chance geben.« Dies sei jedoch auch eine Tatsache, aus der er Optimismus ziehe.

Bis die Pandemie beendet sei, müssten alle die geltenden Regeln beachten, Abstand halten, Alltagsmasken tragen und auf Hygiene achten. Dies gelte auch zu Hause, etwa wenn der Nachbar mal kurz vorbeikomme. »Sie schützen sich selbst, und Sie schützen aber auch andere, und Sie tun es auch für Oma und Opa«, so Wieler.

Deutschland: Knapp 500 Todesfälle innerhalb eines Tages

Die Gesundheitsämter in Deutschland hatten dem Robert Koch-Institut (RKI) zuletzt 22.046 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden gemeldet. Damit liegt der Wert knapp unter den 22.268 Fällen der Vorwoche, wie aus den RKI-Zahlen vom Donnerstagmorgen hervorgeht. Mit 479 neuen Todesfällen binnen einem Tag meldeten die Gesundheitsämter außerdem den zweithöchsten Stand seit Beginn der Pandemie. Der bisherige Höchstwert von 487 Todesfällen war am Mittwoch verzeichnet worden.

Der sogenannte Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Mittwoch bei 0,89. Das heißt, dass 100 Infizierte rechnerisch 89 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab.

irb/dpa