Coronazahlen des RKI Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland steigt erstmals über 300

Eine neue Höchstmarke in der Pandemie ist überschritten: Laut Robert Koch-Institut liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei mehr als 300. Zudem meldeten die Gesundheitsämter 43 weitere Coronatote.
Intensivstation in Deutschland (Symbolbild)

Intensivstation in Deutschland (Symbolbild)

Foto: Fabian Strauch / dpa

In Deutschland wird aktuell intensiv über das geplante Auslaufen der sogenannten epidemischen Lage diskutiert. Kritiker verweisen auf die steigenden Infektionszahlen im Herbst, die den für den 25. November anvisierten Schritt der künftigen Regierung zumindest zweifelhaft erscheinen lassen. Diese Kritiker dürften sich durch die jüngsten Fallzahlen bestätigt sehen.

Denn die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist erneut gestiegen. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Montagmorgen mit 303,0 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 289,0 gelegen, vor einer Woche bei 201,1 (Vormonat: 68,7). Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 23.607 Corona-Neuinfektionen.

Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards  von 3.52 Uhr wiedergeben. Am vergangenen Donnerstag hatte die Zahl der Neuinfektionen mit 50.196 einen Rekordwert seit Beginn der Pandemie erreicht. Vor genau einer Woche hatte der Wert bei 15.513 Ansteckungen gelegen. Die gemeldeten Neuinfektionszahlen sind an Montagen generell niedriger, was mit Meldeverzögerungen durch das Wochenende zu erklären ist.

Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 43 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 33 Todesfälle gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 5.045.076 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Coronapatienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen – den für eine mögliche Verschärfung der Corona-Beschränkungen wichtigsten Parameter – gab das RKI am Freitag mit 4,70 an (Donnerstag: 4,65). Der Wert wird am Wochenende nicht veröffentlicht.

Bei dem Indikator muss berücksichtigt werden, dass Krankenhausaufnahmen teils mit Verzug gemeldet werden. Ein bundesweiter Schwellenwert, ab wann die Lage kritisch zu sehen ist, ist für die Hospitalisierungsinzidenz unter anderem wegen großer regionaler Unterschiede nicht vorgesehen. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit bei rund 15,5.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 4.494.300 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 97.715.

Die vermutliche neue Bundesregierung aus SPD, FDP und Grünen bleibt bei ihrem Vorhaben, die epidemische Lage nationaler Tragweite auslaufen zu lassen. Dieser Rechtsstatus hatte weitgehende Kontaktbeschränkungen und andere harte Coronavorgaben möglich gemacht.

Allerdings planen die möglichen Koalitionspartner offenbar eine deutliche Verschärfung bei der geplanten Änderung des Infektionsschutzgesetzes. Dadurch sollen Kontaktbeschränkungen auch nach dem 25. November angeordnet werden können, wie aus einer Vereinbarung von Vertretern der drei Fraktionen hervorgeht, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Neue Regelung für Busse und Bahnen geplant

Dabei geht es um Ungeimpfte, wie Grünen-Chef Robert Habeck zuvor bereits in der ARD angedeutet hatte. Zudem sollen Ungeimpfte ohne negativen Test keine Busse und Bahnen mehr benutzen dürfen – unabhängig von der weiter geltenden Maskenpflicht.

Laut den Plänen sollen die Bundesländer auf Beschluss ihres jeweiligen Landtags bestimmte einzelne Maßnahmen beibehalten können, darunter beispielsweise: die Untersagung oder Beschränkung von Freizeit-, Kultur- und Sportveranstaltungen sowie von Versammlungen, Betretensverbote in Gesundheitseinrichtungen, Alkoholverbote und die Schließung etwa von Hochschulen.

Auch die Länder bekommen aber kein Recht mehr auf Ausgangs- oder Reisebeschränkungen sowie zur Untersagung oder Beschränkung von Gastronomie- oder Hotelleriebetrieben, von Handels- oder Gewerbebetrieben sowie der Sportausübung.

Die Maßnahmen sollen wie bisher schon vorgesehen bis zum 19. März 2022 gelten. Hinzu kommt eine einmalige Verlängerungsmöglichkeit. Die Änderung des Infektionsschutzgesetzes ist in den Bundestag bereits eingebracht. An diesem Montag steht die zum Gesetzgebungsverfahren gehörende Anhörung von Experten an. Am Donnerstag soll das Parlament abstimmen.

jok/dpa
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