RKI-Präsident Wieler Maßnahmen in Deutschland zeigen deutliche Wirkung

Deutschland steht noch immer am Anfang der Epidemie, warnt RKI-Chef Lothar Wieler. Werden die Maßnahmen irgendwann gelockert, dann wahrscheinlich Schritt für Schritt. Auch zu Masken äußerte er sich.
Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts

Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts

Foto: ANNEGRET HILSE/ REUTERS

Der Präsident des Robert Koch-Instituts Lothar Wieler hat die deutsche Bevölkerung dazu aufgerufen, weiter durchzuhalten. "Wir stehen am Anfang dieser Epidemie, und wir dürfen mit den Regeln nicht nachlassen", sagte er.

Können die Regelungen irgendwann wieder gelockert werden, rechnet der RKI-Präsident mit einem schrittweisen Vorgehen. "Ich gehe nicht davon aus, dass alles auf einmal wieder eröffnet wird." Finale Pläne gebe es aber noch nicht.

Die Maßnahmen zeigen in Deutschland bereits eine deutliche Wirkung. Seit ein paar Tagen steckt jeder Infizierte laut den verfügbaren Daten nur noch einen anderen Menschen an. Diese Zahl müsse jedoch unter eins sinken, so Wieler. Nur dann kann der Ausbruch eingedämmt werden. Wahrscheinlich sei bis Ostern der weitere Trend erkennbar, so der RKI-Chef.

Der Abstand zu anderen Menschen bleibt laut Wieler weiterhin die wichtigste Maßnahme, um eine Verbreitung des Coronavirus in Deutschland aufzuhalten. Wer möchte, könne zum Schutz anderer jedoch auch eine Stoffmaske tragen, erklärte der Präsident des Robert Koch-Instituts.

Masken: "Das Schlimmste wäre eine falsche Sicherheit"

"Stoffmasken können Tröpfchen beim Husten oder Sprechen zurückhalten", so Wieler. "Das könnte möglicherweise helfen, andere Menschen vor einer Infektion zu schützen." Noch gebe es zwar keine wissenschaftlichen Studien, die diesen Zusammenhang belegten. Er sei aber plausibel.

Den Träger selbst könne eine Maske nicht vor einer Ansteckung schützen, wie Wieler auch betonte. Die Tröpfchen, die ein Infizierter etwa beim Husten, Niesen oder Sprechen ausscheidet, sind so klein, dass sie die Maschen einfacher Masken durchdringen können.

Aus diesem Grund ruft Wieler dazu auf, auch beim Tragen einer Maske genug Abstand zu anderen Menschen zu halten. "Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass man sich durch eine Maske in falscher Sicherheit wiegt", so Wieler.

Damit die Masken andere schützen, müssen sie eng anliegen und Mund und Nase bedecken. Sobald sie durchfeuchtet sind, steht ein Wechsel an. Wichtig sei außerdem, sie während des Tragens nicht zurechtzurücken, so Wieler. "Sonst fasst man sich ins Gesicht. Und das ist ja genau das, was man nicht machen sollte."

Neue Daten sprechen dafür, dass viele Infizierte das Virus weitergeben, bevor sie erste Beschwerden spüren. Aus diesem Grund können auch Menschen, die sich eigentlich gesund fühlen, ansteckend sein. Fühle sich jemand bereits krank, solle er auf jeden Fall zu Hause bleiben, so Wieler.

Abgesehen davon forderte der RKI-Präsident mehr Platz in öffentlichen Verkehrsmitteln. "Es ist sehr wichtig, dass die Menschen auch da Abstand halten können", erklärte er. Taktungen sollten falls möglich erhöht und zusätzliche Waggons an Züge und S-Bahnen gehängt werden. Manche Verkehrsbetriebe hatten aufgrund der Ausgangsbeschränkungen ihre Fahrpläne zusammengekürzt.

Deutschland: knapp 80.000 gemeldete Infektionen

Bis Freitag wurden dem Robert Koch-Institut knapp 80.000 Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet, mehr als 1000 Betroffene sind den Daten zufolge gestorben. Im Vergleich zum Vortag ist die Zahl der gemeldeten Fälle um mehr als 6000 gestiegen, die Zahl der Toten um 145.

Die meisten Infektionen im Verhältnis zur Einwohnerzahl sind in Bayern bekannt. Dort wurde bei 155 von 100.000 Einwohnern das Virus diagnostiziert. Im Vergleich zum Vortag wurden dort 1741 neue Infektionen dokumentiert. Die wenigsten diagnostizierten Fälle gibt es bislang in Mecklenburg-Vorpommern. Dort wurde bei 29 von 100.000 Einwohnern eine Infektion nachgewiesen, am Donnerstag wurden dort 30 neue Infektionen gemeldet.

irb
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