RKI-Wochenbericht Bisher vier Omikron-Fälle in Deutschland bestätigt

Die neue Variante des Coronavirus bereitet Experten Sorgen. Bundesweit sind laut Robert Koch-Institut vier Erkrankungen offiziell nachgewiesen. Die Dunkelziffer dürfte aber hoch sein.
Rückreisende am Flughafen von Kapstadt

Rückreisende am Flughafen von Kapstadt

Foto: - / dpa

Bislang sind in Deutschland nach RKI-Angaben vier Fälle der Omikron-Variante durch Genomsequenzierung bestätigt. Das schreibt das Robert Koch-Institut (RKI) in seinem Wochenbericht von Donnerstagabend.

Bei diesen vier Fällen handele es sich um Reiserückkehrer aus Südafrika. Das Land hatte Mitte vergangener Woche über die Variante informiert. Die vier Personen seien allesamt geimpft, keiner von ihnen musste bislang zur Behandlung ins Krankenhaus, wie das RKI mitteilte. Alle zeigten nur milde Symptome. Die Angaben beziehen sich laut RKI auf Vorabinformationen, die bis Mittwoch (1. Dezember) übermittelt wurden.

Bei acht weiteren Fällen in Deutschland bestehe ein Verdacht auf Omikron, diese würden aktuell durch Genomsequenzierung – also dem Auslesen des Virenerbguts – überprüft. Experten gehen jedoch von einem bereits darüber hinausgehenden Vorkommen aus. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC sieht Anzeichen dafür, dass die Omikron-Variante schon in wenigen Monaten der dominierende Typ in Europa sein könnte.

Aufgrund der angespannten Situation in den Coronalaboren empfiehlt das RKI außerdem einen zurückhaltenden Einsatz von PCR-Tests. »In einigen Regionen befinden sich Labore an den Grenzen ihrer Auslastung. Daher ist eine Priorisierung des Einsatzes von PCR-Tests gemäß der Nationalen Teststrategie aktuell geboten«, schreibt das RKI.

So sollten PCR-Testungen »unter dem Aspekt der regional verfügbaren PCR-Kapazitäten entsprechend kritisch geprüft werden«.

Es gibt die Befürchtung, dass überlastete Labore Infektionen nicht zeitnah melden können und dadurch die offizielle Statistik verzerrt wird. Zudem gehen Fachleute davon aus, dass einige Gesundheitsämter wegen der vielen Coronafälle derzeit nicht mit dem Melden von Nachweisen nachkommen.

PCR-Tests, die für einen sicheren Nachweis einer Infektion notwendig sind, sollten beispielsweise nur noch begrenzt dafür eingesetzt werden, die Quarantäne- und Isolationszeit bei Kontaktpersonen und Infizierten zu verkürzen. »Für depriorisierte Anlässe (gemäß Teststrategie) sollten bei gebotener Indikation hochwertige Antigenschnelltests eingesetzt werden.« Solche Schnelltests können vor Ort ausgewertet werden und brauchen kein Labor.

Aktuelle Zahlen schwer einzuordnen

Dem RKI fällt wegen der Testsituation die Beurteilung der zuletzt gesunkenen Coronazahlen schwer. »Der starke Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz in den letzten Wochen hat sich in der vergangenen Woche nicht fortgesetzt«, heißt es im Wochenbericht. Dies könne »einerseits ein erster Hinweis auf eine sich leicht abschwächende Dynamik im Transmissionsgeschehen aufgrund der deutlich intensivierten Maßnahmen zur Kontaktreduzierung sein«.

Allerdings könnte die Entwicklung »regional auch auf die zunehmend überlasteten Kapazitäten im Öffentlichen Gesundheitsdienst und die erschöpften Laborkapazitäten zurückzuführen sein«.

Die Sieben-Tage-Inzidenz gibt an, wie viele Infektionen pro 100.000 Einwohner und Woche gemeldet werden. Sie war zuletzt an drei aufeinanderfolgenden Tagen gesunken, von 452,4 am Montag auf 439,2 am Donnerstag. Insbesondere bei Menschen ab 80 Jahren ist die Zahl der Klinikeinweisungen zuletzt rasant angestiegen, von acht Fällen pro 100.000 Einwohner und Woche Ende September auf 43 Fälle Mitte November.

Im Kampf gegen die vierte Coronawelle haben Bund und Länder am Donnerstag eine Reihe von Maßnahmen mit Folgen für Millionen Bürger beschlossen. Ungeimpften wird im Weihnachtsgeschäft der Zutritt zu den meisten Läden verwehrt. Auch Apotheken und Pflegefachkräfte sollen Impfungen übernehmen können.

jok/dpa