Rückruf Französische Behörden warnen vor Rissen in Brust-Implantaten

Skandal um Brustimplantate: In Frankreich ermitteln Behörden gegen eine Firma, die nicht zugelassenes Silikon verwendet haben soll. Bei den Implantaten bestehe die Gefahr von Rissen und Brüchen. Allein in Frankreich sind Zehntausende Frauen betroffen. Die Firma lieferte auch nach Deutschland.

Brustoperation: Französische Behörden ermitteln gegen Implantatehersteller
REUTERS

Brustoperation: Französische Behörden ermitteln gegen Implantatehersteller


Marseille/Bonn - Französische Behörden haben wegen Brustimplantaten aus Silikon Alarm geschlagen, bei denen es verstärkt zu Rissen kommen kann. Gegen die in Südfrankreich ansässige Herstellerfirma Poly Implant Prothèse (PIP) seien Ermittlungen aufgenommen worden, teilte die Staatsanwaltschaft von Marseille am Mittwoch mit. Ob oder in welchem Umfang die Implantate auch in Deutschland verwendet wurden, war zunächst unklar.

Am Dienstag hatte die Aufsichtsbehörde für Medizinprodukte (Afssaps) die Implantate aus dem Handel genommen und einen Rückruf veranlasst. Die Firma habe für die Füllung ein nicht zugelassenes Silikongel verwendet, hieß es. Dieses greife möglicherweise die Hülle der Implantate an und verursache so die Risse. Die Brustimplantate des Unternehmens seien seit 2001 bei 35.000 bis 45.000 Frauen in Frankreich eingesetzt worden. Diese sollten jetzt von einem Arzt überprüfen lassen, ob ihre Implantate Risse hätten. Bis zu tausend Französinnen bräuchten möglicherweise ein neues Implantat.

PIP hat nach eigenen Angaben seit 1992 mehr als 200.000 Brustimplantate verkauft. Angeblich soll das nicht zugelassene Silikon seit 2006 benutzt worden sein. Allein in Frankreich sind von rund 500.000 Frauen mit Brustimplantaten möglicherweise 30.000 betroffen. Zudem exportierte PIP rund 90 Prozent seiner Produktion. Unternehmensangaben zufolge werden die Implantate in mehr als 60 Ländern vertrieben.

Deutsche Behörden prüfen den Fall

Das in Bonn ansässige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) teilte mit, es sei am Dienstagabend von Frankreich über den Fall informiert worden. Auch die anderen europäischen Mitgliedstaaten seien benachrichtigt worden. Nun werde zunächst eine Stellungnahme vom Hersteller abgewartet. Die Behörde hat nach eigenen Angaben derzeit keine Informationen darüber, ob die Implantate auch in Deutschland verwendet wurden. Französische Zeitungen berichteten, dass PIP auf Nachfragen bisher nicht reagiert habe.

Die französischen Prüfer hatten die Produktionsstätte der Firma in La Seyne-sur-Mer in der Nähe von Toulon untersucht, nachdem aufgefallen war, dass es bei den Implantaten von PIP doppelt so häufig zu Rissen kam wie bei den Produkten anderer Hersteller. Ärzte waren auf das Problem gestoßen, weil ungewöhnlich viele Frauen mit PIP-Implantaten wegen gebrochener Silikonkissen nachoperiert werden mussten. Die affsaps rief betroffene Frauen auf, regelmäßig zur Mammografie zu gehen.

Nach einem Bruch "wird die Brust sich zum ästhetischen Nachteil verformen, was eine neue Operation erfordert. Es kann größere örtliche Entzündungen geben", sagte Afssaps-Mitarbeiter Jean-Claude Ghislain der Zeitung "Le Parisien". Normalerweise löse das Silikon keine Krankheiten aus. Die Behörde hege aber Zweifel in Bezug auf die Eigenschaften des von dieser Firma benutzten Silikongels. Möglicherweise gelange es aus der Kapsel in den Körper.

Einen solchen Vorfall habe es in Frankreich bislang nicht gegeben, erklärte die Afssaps. Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen Irreführung über die Eigenschaften des Produkts, Fälschung und Gefährdung des Lebens anderer. Für diese Vergehen sind Haftstrafen von bis zu vier Jahren vorgesehen.

mbe/AFP/dpa



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
M. Michaelis 01.04.2010
1. ...
Zitat von sysopSkandal um Brustimplantate: In Frankreich ermitteln Behörden gegen eine Firma, die nicht zugelassenes Silikon verwendet haben soll. Bei den Implantaten bestehe die Gefahr von Rissen und Brüchen. Allein in Frankreich sind Zehntausende Frauen betroffen. Die Firma lieferte auch nach Deutschland. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,686840,00.html
Es ist einfach idotisch ohne Not ein Fremdkörper dauerhaft in der Körper einzubringen. Im Grunde verstösst das in den meisten Fällen gegen den ärztlichen Berufsethos. Menschen ohne Not dem Risiko einer Operation auszusetzen, dazu noch das Risiko der Implantate selbst inkauf zunehmen hat mit Medizin und ärztlichem Handeln nichts zu tun. Der Arzt leistet hier Beihilfe zur Selbstverletzung und Selbstverstümmelung.
Foul Breitner 01.04.2010
2. kopfschüttel
Zitat von M. MichaelisEs ist einfach idotisch ohne Not ein Fremdkörper dauerhaft in der Körper einzubringen. Im Grunde verstösst das in den meisten Fällen gegen den ärztlichen Berufsethos. Menschen ohne Not dem Risiko einer Operation auszusetzen, dazu noch das Risiko der Implantate selbst inkauf zunehmen hat mit Medizin und ärztlichem Handeln nichts zu tun. Der Arzt leistet hier Beihilfe zur Selbstverletzung und Selbstverstümmelung.
Berufsethos hin oder her. Ich würde sagen, wer sich ohne Not mit irgendetwas gefüllte Plastiksäcke einoperieren läßt und glaubt, daß die lange halten, setzt sich dem Verdacht aus, nicht ganz bei Trost zu sein.
Mitti 01.04.2010
3. Krankenkassen
Mich interessiert ja nun, ob die Kosten für das Herausoperieren der schadhaften Implantate, die zur Brustaufpumpung (nicht -wiederherstellung) eingesetzt wurden, von den gesezlichen Krankenkassen übernommen werden.
BoonPflug 01.04.2010
4. aeh
sicher dass das kein aprilscherz is? ich mein: was is das schlimmste was man zurueckrufen kann? was implantiertes.
meinefresse 01.04.2010
5. Frauen, Männer, Mißverständnisse...
ich kenne kaum Männer, die auf "ach so tolle" große Oberweiten stehen - klein und handlich ist bei fast allen höher im Kurs. Warum müssen Frauen sich dann unbedingt unter das Messer legen? Man(n) lässt ja auch nicht so oft sein "bestes Stück" vergrößern (führt auch eher zu mehr Schmerzen als zu mehr Lust).
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