Sars-CoV-2-Erreger Brasilianische Virusvariante laut Regierung dreimal ansteckender

Neben der englischen und der südafrikanischen Variante macht die brasilianische Mutante P1 den Seuchenschützern Sorgen. Schätzungen zufolge ist sie deutlich ansteckender als die Ursprungsversion.
Ein 90-Jähriger wird in der Nähe der Amazonas-Metropole Manaus mit dem AstraZeneca-Präparat gegen Covid-19 geimpft

Ein 90-Jähriger wird in der Nähe der Amazonas-Metropole Manaus mit dem AstraZeneca-Präparat gegen Covid-19 geimpft

Foto: BRUNO KELLY / REUTERS

Brasiliens Gesundheitsminister Eduardo Pazuello steht unter Druck, sogar die Justiz seines Landes befasst sich gerade mit ihm. Er muss sich fragen lassen, ob er genug gegen den Corona-Ausbruch im Amazonasgebiet getan hat. In der Metropole Manaus war im Januar das Gesundheitssystem zusammengebrochen, in den Krankenhäusern fehlte der Sauerstoff für die Beatmung der Erkrankten. Im Amazonas hat sich in den vergangenen Wochen eine Corona-Variante massiv ausgebreitet , die Seuchenschützern große Sorgen macht: Die Mutante P.1 weist mehrere Veränderungen am sogenannten Spike-Protein des Sars-CoV-2-Erregers auf, mit dessen Hilfe sich das Virus Zutritt zu den Zellen in einem befallenen Organismus verschafft.

Bei einer Rede im Senat in Brasília am Donnerstag verteidigte Pazuello nun nicht nur sein Agieren in der Krise, er präsentierte auch neue Informationen zum Erreger. Nach Auskunft des Ministers ist die Mutante dreimal ansteckender als das ursprüngliche Virus. Impfstoffe seien jedoch auch bei dieser Variante des Erregers wirksam. Der Politiker blieb aber genauere Informationen zu den entsprechenden Studien schuldig. Auch zur Frage, auf welche Impfstoffe sich seine Aussage bezog, gibt es keine Details.

Impfstoffe mit Notfallzulassung

In Brasilien ist die Corona-Impfkampagne lange verschleppt worden, vor allem wegen Widerstand von Präsident Jair Bolsonaro . Auch unter einem Teil der indigenen Bevölkerung gibt es  Vorbehalte, oft angestachelt von evangelikalen Predigern. Inzwischen haben der Impfstoff von AstraZeneca  und das Präparat Coronavac des chinesischen Herstellers Sinovac eine Notfallzulassung. An der Entwicklung von Coronavac ist auch die Forschungseinrichtung Instituto Butantan in São Paulo beteiligt. Von dort hieß es am Montag, dass der Impfstoff gegen die Amazonas-Variante des Coronavirus getestet werden würde. Ergebnisse lagen zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht vor. Allerdings hatte Coronavac bei Studien – ohne gesonderte Berücksichtigung der P.1-Mutante – nur eine Wirksamkeit von gut 50 Prozent erreicht.

Die neue Coronavirus-Variante war im Januar zunächst bei vier aus Brasilien nach Japan eingereisten Menschen nachgewiesen worden. Sie kamen aus dem Amazonasgebiet. Jüngste Analysen der Forschungseinrichtung Fundação Oswaldo Cruz in Rio de Janeiro deuten darauf hin, dass die Variante schon für 90 Prozent der Corona-Fälle im Bundesstaat Amazonas verantwortlich ist. Sie wurde auch in anderen Teilen Brasiliens und anderen Ländern weltweit nachgewiesen – darunter auch Deutschland. Der erste betreffende Fall war Mitte Januar in Frankfurt am Main bei einem Flugreisenden aus Brasilien bekannt geworden.

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Die brasilianische Variante P.1 trägt – ebenso wie die südafrikanische Mutante B.1.351 – eine besonders problematische Variante im Erbgut. Diese Mutation E484K sorgt für eine Schwächung der menschlichen Immunabwehr, indem sie bereits gebildete Antikörper davon abhält, an den Erreger zu binden. Und zumindest bei der südafrikanischen Variante hat der AstraZeneca-Impfstoff offenbar große Probleme, milde und mittelschwere Krankheitsverläufe zu vermeiden. Südafrika hat den Einsatz des Präparats deswegen ausgesetzt.

chs/dpa
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