Verbreitung des Sars-CoV-2-Erregers Wie Luftfeuchtigkeit Aerosole beeinflusst

Aerosole spielen eine wichtige Rolle bei der Verbreitung des Coronavirus. Forscher haben nun herausgefunden, wie der Feuchteanteil der Luft über das Schweben der Teilchen beeinflusst.
Frau mit Mund-Nasen-Schutz und Luftbefeuchter

Frau mit Mund-Nasen-Schutz und Luftbefeuchter

Foto: Dmitry Marchenko / EyeEm / Getty Images

Sie können Stunden bis Tage in der Luft schweben – und spielen eine entscheidende Rolle bei der Übertragung von Sars-CoV-2. Winzige Aerosole transportieren den Erreger auch über längere Strecken. Inzwischen ist zudem klar, dass sie nicht nur Teile des Erreger-Erbguts so durch die Luft tragen können, sondern auch komplette Viren.

Effiziente Strategien gegen die infektiösen Partikel  werden gerade in den Monaten der Herbst und Winterzeit entscheidend im Kampf gegen Covid-19 sein. Forscher finden immer mehr heraus über die Voraussetzungen, unter denen sich Aerosole besonders lange in der Umgebung halten. Vor diesem Hintergrund ist auch die Forschungsarbeit interessant, die ein Team um Binbin Wang von der University of Missouri in Columbia gerade im Fachmagazin "Physics of Fluids"  veröffentlicht hat.

Demnach ist unter anderem die Luftfeuchtigkeit ein entscheidender Faktor für die Lebenszeit der Aerosole. Nach den Berechnungen der Forschenden können sich Partikel mittlerer Größe bis zu 23-mal so lange in feuchter Luft halten, wie es in trockener Luft der Fall wäre. Außerdem bestimmt der Feuchteanteil der Luft auch darüber, wie weit weg sich die kleinen Partikel von ihrer Quelle bewegen.

Von einem Erkrankten ausgestoßene Aerosolteilchen können neben Virusmaterial auch Wasser, Lipide, Proteine und Salz enthalten. Wenn die Luftfeuchtigkeit niedriger ist, verdunsten sie schneller. Die Forscher berichten, dass bei 100 Prozent Luftfeuchtigkeit größere Tröpfchen mit einem Durchmesser von 100 Mikrometern, das ist etwa so viel wie ein Sandkorn, im Schnitt 1,8 Meter von ihrer Quelle entfernt zu Boden fielen. Kleinere Partikel mit einem Durchmesser von 50 Mikrometern könnten dagegen in feuchter Luft bis zu 5 Meter überbrücken. Bei einer Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent sei dagegen keines der 50-Mikrometer-Tröpfchen weiter als 3,5 Meter gekommen.

Eine zu niedrige Luftfeuchte in einem Raum mag aus Aerosol-Gesichtspunkten vielleicht hilfreich sein, sie birgt aber andere Probleme. Dazu gehört, dass die Schleimhäute leichter austrocknen und damit anfälliger für andere Krankheitserreger werden. Eine Raumluftfeuchte von unter 40 Prozent gilt deswegen als problematisch.

Fenster dauerhaft gekippt zu halten - das reicht womöglich nicht aus

Im Kampf gegen die gefährlichen Aerosole gibt es kein Patentrezept. Die "Kommission Innenraumlufthygiene" am Umweltbundesamt empfiehlt  aber zum Beispiel in einer gerade veröffentlichten Stellungnahme, in Schulen in jeder Pause "intensiv bei weit geöffneten Fenstern" zu lüften, spätestens nach 45 Minuten Unterricht. Fenster dauerhaft gekippt zu halten, reiche dagegen in stark belegten Räumen nicht aus. Frischluft sei unabhängig von weiteren Schutzmaßnahmen wie Mindestabständen, Hygieneregeln oder Mund-Nase-Masken notwendig.

Das Robert Koch-Institut hat ebenfalls klargestellt, dass sich bei längerem Aufenthalt in kleinen, schlecht oder nicht belüfteten Räumen die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung durch Aerosole auch über eine größere Distanz als zwei Meter erhöhen kann.

Wie viel höher ist aber die Gefahr in Innenräumen als draußen? Darauf gibt es keine konkreten Antworten. Gerhard Scheuch, der frühere Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, der an der aktuellen Aerosol-Studie nicht beteiligt war, stellt aber klar: Von 318 in einer chinesischen Studie untersuchten Corona-Ausbrüchen mit drei oder mehr Infektionsfällen habe nur ein einziger an der frischen Luft stattgefunden.

chs/dpa
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