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12. April 2012, 09:08 Uhr

Gestörter Ruhezustand

Schlafmangel kann dick und zuckerkrank machen

Nachtschichtarbeiter und Vielflieger haben möglicherweise ein erhöhtes Diabetes-Risiko. Der Grund: Herrscht Schlafmangel, verbraucht der Körper im Ruhezustand weniger Kalorien als gewöhnlich. Auch die Bauchspeicheldrüse schaltet einen Gang zurück.

Washington - Es war ein strenges Regiment, das Orfeu Buxton und seine Kollegen ihren Probanden zumuteten. Die Forscher vom Brigham and Women's Hospital und der Harvard Medical School in Boston (US-Bundesstaat Massachusetts) hatten 21 Versuchsteilnehmer fast sechs Wochen lang im Krankenhaus untergebracht und ihre Schlaf- und Wachzeiten gezielt beeinflusst. Im Fachblatt "Science Translational Medicine" berichten sie von ihren Versuchen, die einen Zusammenhang zwischen Schlafmangel und Diabetes zeigen sollten. Und offenbar gibt es diese Verbindung tatsächlich.

Buxton und seine Kollegen legten fest, wie viel die Probanden schliefen und wann. Sie kontrollierten außerdem, was die Studienteilnehmer zu essen bekamen. So durften die Probanden in den ersten Tagen etwa zehn Stunden pro Nacht schlafen. Dann reduzierten die Forscher drei Wochen lang die Schlafzeiten auf 5,6 Stunden pro 24 Stunden, wobei die Teilnehmer mal nachts, mal tagsüber schlafen sollten.

Der Schlafmangel und die unregelmäßigen Ruhezeiten führten dazu, dass der Ruheumsatz des Stoffwechsels nachließ: Der Körper verbrauchte im Ruhezustand weniger Kalorien als gewöhnlich. Das begünstigt die Entstehung von Übergewicht. Den Forschern zufolge war die Stoffwechselleistung so stark reduziert, dass die Probanden auf ein Jahr gerechnet fast sechs Kilogramm zugenommen hätten.

Außerdem maßen die Wissenschaftler nach einer Mahlzeit einen höheren Glukosegehalt im Blut der Probanden. Das sei vermutlich darauf zurückzuführen, dass die Bauchspeicheldrüse weniger Insulin gebildet und sich so Zucker im Blut angesammelt habe. Das Problem: Ein erhöhter Zuckerspiegel kann Diabetes auslösen. Und bei einigen Probanden erreichte der Blutzucker in der Tat Werte, die als kennzeichnend für einen sogenannten Prädiabetes gelten, eine Vorstufe der Zuckerkrankheit.

Die Auffälligkeiten, die vom Schlafmangel und dem gestörten Schlafrhythmus hervorgerufen wurden, verschwanden wieder, nachdem die Probanden neun Tage regelmäßig und ausreichend geschlafen hatten, berichten die Forscher weiter. Ihre Untersuchung untermauere Ergebnisse früherer Studien, nach denen Nachtarbeiter ein höheres Risiko für Diabetes haben. "Es ist erwiesen, dass ausreichender Schlaf wichtig für die Gesundheit ist und dass die beste Zeit zum Schlafen nachts ist", so Buxton. Und schwedische Forscher hatten bereits vor einiger Zeit herausgefunden: Ausgeschlafene Menschen wirken einfach attraktiver.

chs/dpa

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