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12. Januar 2019, 11:21 Uhr

Medizin

Liebe Leserin, lieber Leser,

in der Grundschule meiner Kinder herrscht ein ziemlich strenges Süßigkeitenverbot, es gibt ein Schulobst-Programm, eine "bewegte Pause" und Sport-AGs. Nach der vierten Klasse folgt jede Menge Drogenprävention. Deutsche Schulen nehmen die Gesundheitserziehung ernst.

Doch ein anderes Thema bleibt völlig außen vor: wie wichtig erholsamer und ausreichender Schlaf für eine gesunde Entwicklung ist. Im Gegenteil: Fast selbstverständlich wird oft erwartet, dass die Kinder zur Not schon wie Erwachsene durchhalten können. Bis ein, zwei Uhr nachts. Bei der Lesenacht, der Turnhallenübernachtung, der Klassenfahrt, der Matheolympiade.

Ein echter Aufreger beim Elternabend war, dass ein Kind mal ein Kuchenteilchen als Pausenbrot mitgebracht hatte. Klar, Zucker ist wirklich sehr ungesund. Aber als nach der Klassenfahrt die Zehnjährigen vor Übermüdung wie Zombies aus dem Bus taumelten, beschwerte sich niemand.

Wie wichtig Schlaf für die Gesundheit insbesondere von Kindern und Jugendlichen ist, wird leider völlig unterschätzt.

Dabei leidet heute in Deutschland jedes fünfte bis sechste Schulkind an Schlafstörungen. Studien zeigen, dass Schlafmangel das Risiko für Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Schlaganfall und Depressionen erhöht, dass er die Immunabwehr schwächt und zu erhöhter Sterblichkeit führt. Bei Kindern kann zu wenig Schlaf auch ADHS-ähnliche Symptome und Schulprobleme auslösen. Zudem wachsen sich Schlafstörungen selten aus, sondern werden im Jugendalter meist noch schlimmer. Schlafmangel, das zeigte eine Untersuchung im "British Medical Journal Peadiatrics Open" (hier das PDF) beeinträchtigt die psychische Gesundheit von Heranwachsenden noch stärker als Mobbing.

In Großbritannien soll das Thema Schlaf nun Unterrichtsinhalt werden.

Was für eine großartige Idee!

Ich wünsche mir auch hierzulande Stuhlkreis-Diskussionen über die besten Einschlaftricks. Stationen-Arbeit über die Bedeutung von Schlaf für die Gesundheit. Sachunterricht über das Träumen.

Denn ich bin mir sicher: Maßnahmen wie Handy-Begrenzung und frische Luft helfen zwar auch gegen Schlafprobleme. Vor allem aber wird es Zeit, dass wir das Thema endlich ernst nehmen.

Herzlich

Ihre Veronika Hackenbroch

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Unser SPIEGEL-Wissenschaftskorrespondent Johann Grolle berichtet aus Harvard und beißt sich einmal in der Woche an einem erstaunlichen Fakt fest.

"Wie oft ist Richard Nixon für seinen naiven Glauben an einen Sieg über den Krebs verlacht worden. Trotzdem, erklärte der Krebs- und Stammzellforscher David Scadden bei einer Buchvorstellung, sei Nixons 'War on Cancer' weitsichtiger gewesen als Kennedys Apollo-Programm. Die Mondlandung war ein heroischer Kraftakt, doch für das Leben der Menschen ohne Belang. Nixons Krebsprogramm mündete in einen nervtötend langsamen Kampf, aber sein Nutzen war größer. Am Dienstag wurde Amerikas Krebsstatistik veröffentlicht. Sie weist nun schon seit 25 Jahren eine rückläufige Sterblichkeit aus."


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