Schweinegrippe Erste Ergebnisse machen Hoffnung auf einmalige Impfung

Die ersten Zwischenergebnisse von Scheinegrippe-Impfungen kommen aus Australien und den USA: Demnach könnte schon eine niedrig dosierte Einmal-Impfung bei vielen Menschen eine ausreichende Immunantwort erzeugen. Nur bei über 65-Jährigen ist der Schutz weniger überzeugend.

Impfung gegen Schweinegrippe: Möglicherweise nur eine Spritze notwendig
AFP

Impfung gegen Schweinegrippe: Möglicherweise nur eine Spritze notwendig


Die Tests laufen noch, doch Wissenschaftler wagen schon erste Aussagen zur Wirksamkeit von Impfstoffen gegen die Schweinegrippe. Demnach könnte eine einmalige Dosis von 15 Mikrogramm schon ausreichen, um bei Menschen zwischen 18 und 64 Jahren eine robuste Immunantwort zu erzeugen. Das berichten jetzt australische und US-amerikanische Forscher.

Bislang waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass eine wiederholte Immunisierung notwendig ist. Bei den an der Universität München koordinierten Testläufen erhalten die Probanden sogar drei Impf-Dosen.

Bei der Untersuchung in Australien testete ein Team um Michael Greenberg vom Vaccines Clinical Research and Development in Parkville die H1N1-Impfung von CSL Biotherapies an 240 Probanden. Die Hälfte der Studienteilnehmer bekam eine Dosis von 15 Mikrogramm, die andere Hälfte 30 Mikrogramm, wie die Wissenschaftler im "New England Journal of Medicine" berichten. Nach 21 Tagen zeigten 116 Probanden aus der Studiengruppe mit der niedrigen Dosierung eine ausreichende Immunantwort, in der zweiten Gruppe waren es 112 Teilnehmer. Es gab keine Todesfälle oder schweren Nebenwirkungen, knapp die Hälfte aller Teilnehmer berichtete über Kopfschmerzen oder Schmerzen an der Einstichstelle.

Weniger Erfolg bei älteren Patienten

Eine US-Studie kommt zeitgleich zu einem ähnlichen Ergebnis: Das National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) hat einen Impfstoff von Sanofi Pasteur und einen von CSL Limited getestet - ebenfalls in Dosierungen von 15 und 30 Mikrogramm. Der Sanofi-Pasteur-Impfstoff konnte demnach schon in niedriger Dosierung bei 96 Prozent der einmalig Geimpften zwischen 18 und 64 Jahren eine robuste Immunität erzeugen. Bei den über 65-Jährigen lag die Erfolgsquote allerdings nur bei 56 Prozent.

Der CSL-Limited-Impfstoff wirkte nur geringfügig schwächer: Die 18- bis 64-Jährigen waren zu 80 Prozent nach einmaliger Niedrigdosis immunkompetent, die über 65-Jährigen zu 60 Prozent. Dass die Impfungen bei älteren Menschen schlechtere Immunantworten auslösten, verwundert die Forscher indes nicht, da das auch bei der saisonalen Influenza der Fall sei.

Das besondere bei allen Untersuchungen: Den Impfstoffen waren keine sogenannten Adjuvantien zugesetzt, die das Immunsystem stimulieren und beispielsweise die Anzahl von spezifischen Antikörpern erhöhen können. Während Adjuvantien zwar die Menge der abgetöteten Virussubstanz verringern und damit die Anzahl von herstellbaren Impfdosen erhöhen können, gibt es auch wissenschaftliche Hinweise darauf, dass sie Autoimmunkrankheiten auslösen könnten.

Ob der Impfstoff, der in Deutschland für die Schweinegrippe empfohlen werden wird, adjuvantiert sein wird, ist noch offen. Für einige Patientengruppen könnte eine Spritze dann möglicherweise gefährlich werden, wissenschaftliche Veröffentlichungen hierzu fehlen aber noch. Die WHO schrieb Anfang Juni: "Die Wirkung bei sehr jungen Kindern und in der frühen Schwangerschaft muss noch studiert werden. Es gibt keine klinische Erfahrung, Risiko und Nutzen von adjuvantierten und nichtadjuvantierten H1N1-Impfstoffen abzuwägen."

hei



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