Schwieriges Verhalten Spezialdiät könnte ADHS-Kindern helfen

Allergieauslösende Lebensmittel weg vom Speiseplan - das könnte nach Ansicht von Forschern in manchen Fällen die Aufmerksamkeitsstörung ADHS lindern. Die Basis der Spezialdiät bilden Reis, Gemüse, Fleisch und Wasser.
Spielendes Kind: Angepasste Ernährung für schwierige Kinder

Spielendes Kind: Angepasste Ernährung für schwierige Kinder

Foto: Corbis

London - Sie fallen durch Unaufmerksamkeit auf, sind hyperaktiv und handeln oft impulsiv: Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, tritt - je nach Schätzung - in Deutschland bei zwei bis sechs Prozent der Kinder und Jugendlichen auf. Viele Forscher spekulieren über eine genetische Teilschuld für das Leiden. Bisher werden die Probleme meist mit Verhaltensübungen sowie mit Medikamenten behandelt. Für betroffene Eltern gibt es spezielle Verhaltenstrainings.

Außerdem wurde immer wieder diskutiert, ob auch allergieauslösende Stoffe in der Nahrung Einfluss auf die Symptome haben könnten. Dann könnte auch eine spezielle Diät Hilfe versprechen. Und genau dafür gibt es jetzt zumindest Indizien. In der Fachzeitschrift "The Lancet"  berichten Forscher um Jan Buitelaar von der Radboud Universität in Nijmegen von Beobachtungen bei vier bis acht Jahre alten ADHS-Kindern.

Die Wissenschaftler hatten 50 kleinen Probanden fünf Wochen lang nur Nahrungsmittel gegeben, die wenig Allergene enthielten. Dabei stellten sie fest, dass sich dies positiv auf die Aufmerksamkeit und das Verhalten der Kleinen auswirkte. Die Basis der sogenannten Eliminationsdiät bildeten Reis, Gemüse, Fleisch und Wasser. Diese Nahrungsmittel wurden dann individuell ergänzt, zum Beispiel mit Kartoffeln, Obst oder Weizenprodukten. Als Kontrollgruppe dienten 50 Gleichaltrige, die sich für denselben Zeitraum an einen Ernährungsplan mit allgemeinen Tipps zu gesundem Essen halten sollten.

Warnung vor Mangelernährung

Immunsystem

Im zweiten Teil der Studie untersuchten die Wissenschaftler, ob bestimmte Nahrungsmittel zu einer Rückkehr der Symptome führten. Dafür erhielten diejenigen, die auf die Diät positiv reagiert hatten, zusätzlich zur bisherigen Ernährung weitere Lebensmittel - und zwar solche, die in einem Vortest bei den Kindern eine messbare Veränderung des IgG-Spiegels im Blut verursacht hatten. IgGs sind Antikörper, die das bei Nahrungsmittelallergien verstärkt produziert.

Die Auswertung ergab, dass die Eliminationsdiät bei 32 der 41 Kinder, die die Diät durchgehalten hatten, zu einem signifikanten Rückgang der ADHS-Symptome führte. Die Konfrontation mit bestimmten Nahrungsmitteln in der zweiten Untersuchungsphase führte bei 19 der 30 getesteten und damit bei 63 Prozent zu einer Rückkehr der Symptome.

Ein direkter Zusammenhang zwischen den IgG-Spiegeln und der Reaktion auf die Nahrungsmittel ließ sich allerdings nicht feststellen - die IgG-Menge eigne sich also entgegen der allgemeinen Annahme nicht dazu, potentiell problematische Nahrungsmittel zu identifizieren, sagen die Forscher.

"Die Teilnehmer unserer Untersuchung sind repräsentativ für alle Kinder mit ADHS", gibt sich Studienleiter Buitelaar überzeugt. Das spreche dafür, dass eine spezielle Ernährung bei allen Kindern mit ADHS Teil des Behandlungsplans werden sollte.

Allerdings sollte eine solche Ernährung streng überwacht werden, damit die Kinder keinen Mangel an bestimmten Nährstoffen erleiden, schreibt Jaswinder Kaur Ghuman von der University of Arizona in Tucson in einem Kommentar zur Studie. "Die Eliminationsdiät sollte maximal zwei Wochen lang gegeben werden. Wenn sie einen Nutzen zeigt, können nach und nach einzelne Lebensmittel wieder hinzugefügt werden, um problematische Lebensmittel zu identifizieren und die Ernährung gleichzeitig wieder vielfältiger zu machen."

chs/dapd
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