Seuchenbekämpfung Obama erklärt Schweinegrippe zu nationalem Notfall

Der Kampf gegen die Schweinegrippe hat in den USA die nächste Eskalationsstufe erreicht. Präsident Barack Obama erklärte die Seuche zum nationalen Notfall. Bei der Lieferung der Impfstoffe gibt es massive Engpässe - Tausende warten vergeblich auf eine Immunisierung.

AP

Washington - Die Situationen können unterschiedlicher kaum sein: In Deutschland scheint die Bevölkerung kaum Interesse an der am Montag beginnenden Schweinegrippe-Impfkampagne zu haben. In den USA aber stehen Tausende vor Krankenhäusern Schlange, um sich gegen das H1N1-Virus impfen zu lassen. Zugleich gibt es massive Engpässe bei der Impfstofflieferung.

US-Präsident Barack Obama drückt im Kampf gegen die grassierende Seuche nun erneut aufs Tempo: Er hat die Krankheit am Samstag zum nationalen Notfall erklärt. Dies erlaubt es Mitarbeitern der Gesundheitsbehörden, sich über bestimmte Regierungsrichtlinien hinwegzusetzen, wenn sie dies im Interesse der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung für nötig halten. Damit ist es beispielsweise möglich, die Impfung auch außerhalb von Krankenhäusern durchzuführen. Regierungsbeamte sprachen von einer Vorsorgemaßnahme wie etwa bei einem herannahenden Hurrikan.

In den USA sind mittlerweile mehr als tausend Menschen an den Folgen einer Infektion mit dem H1N1-Virus gestorben, darunter auch knapp hundert Kinder. In 46 der 50 US-Bundesstaaten wurde die Seuche bereits registriert. 20.000 Menschen mussten wegen einer Schweinegrippe-Erkrankung ins Krankenhaus. Nach einer Schätzung von Thomas Frieden, dem Direktor des US-Seuchenzentrums CDC, haben sich bereits "viele Millionen" Amerikaner mit dem H1N1-Virus infiziert.

"Auf allen Ebenen vorbereitet sein"

Obama unterschrieb eine entsprechende Verordnung in der Nacht zum Samstag. "Grundlage unserer nationalen Antwort auf die H1N1-Grippe ist, auf allen Ebenen vorbereitet zu sein - persönlich, in Unternehmen und in der Regierung", hieß es aus dem Weißen Haus. "Diese Erklärung hilft, unsere Anstrengungen voranzubringen."

Die Auslieferung des Impfstoffs läuft in den USA bisher äußerst schleppend: 250 Millionen Dosen hat die US-Regierung bestellt. 120 Millionen sollten gegen Ende Oktober bereits zur Verfügung stehen. Wie die "New York Times" berichtet, wurden bisher aber nur etwa 16 Millionen Dosen ausgeliefert. Manche US-Bundesstaaten hätten nur ein Zehntel der angeforderten Impfstoffmenge erhalten. Eine Besserung der Lage ist offenbar kaum zu erwarten. Nach neuesten Prognosen der Behörden werden bis Anfang November wahrscheinlich nur maximal 40 Millionen Impfdosen ausgeliefert sein.

Engpässe bei Impfstofflieferung

An vielen Orten in den USA mussten geplante Massenimpfungen in Schulen, Krankenhäusern, Kirchen und auch Supermärkten verschoben werden. Dort, wo sie vorgenommen werden, bilden sich oft lange Schlangen. Zahlreiche Menschen mussten ohne Impfung nach Hause gehen, weil nicht genügend Impfdosen vorhanden waren. Arztzentren wie beispielsweise in New York berichten über eine Flut von Anrufen besorgter Bürger. "Wir erwarten, dass die Krankheit in Wellen auftritt, wir können aber nicht voraussagen, wann diese Wellen auftreten", sagte der Chef der US-Seuchenbehörde CDC, Thomas Frieden.

Am 26. April hatte die US-Regierung wegen der Schweinegrippe nationalen Gesundheitsalarm ausgelöst, um die Verteilung von Impfstoffen zu beschleunigen. Nun hat Präsident Obama die Gegenmaßnahmen erneut beschleunigt. "Wir müssen auf allen Regierungsebenen, als Individuen und als Gemeinschaften vorbereitet sein und nie dagewesene Maßnahmen gegen diese entstehende Pandemie ergreifen", hieß es in Obamas Erklärung am Samstag. Greife die Seuche weiterhin so schnell wie derzeit um sich, bestehe die Gefahr einer Überlastung des Gesundheitssystems.

Auch in Deutschland verläuft die geplante Massenimpfung der Bevölkerung alles andere als problemlos: Ärzte drohen mit Boykott, bei der Impfstoffherstellung gibt es Engpässe. Und wie viele Menschen sich überhaupt impfen lassen wollen, weiß niemand - denn die Verunsicherung erscheint groß.

mbe/dpa/AP

insgesamt 2572 Beiträge
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Genta Micin 24.10.2009
1.
Zitat von sysopBundesweite Impfaktionen, heftige Diskussionen um Impfstoffe und die Möglichkeit einer Pandemie beschäftigen seit Monaten Politik, Medien und Öffentlichkeit in Sachen Schweinegrippe. Wie real ist die Bedrohung durch die Krankheit wirklich?
Momentan ist sie sicher gering, aber ob und wann sich das ändern wird, weiß niemand.
Orthogräfin, 24.10.2009
2.
Zitat von sysopBundesweite Impfaktionen, heftige Diskussionen um Impfstoffe und die Möglichkeit einer Pandemie beschäftigen seit Monaten Politik, Medien und Öffentlichkeit in Sachen Schweinegrippe. Wie real ist die Bedrohung durch die Krankheit wirklich?
Warum dieser neue Thread? Reichen mehr als 1000 Antworten (http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=8487) im Forum "Gesellschaft" nicht für die Page Impressions? Wozu das alles nochmal durchkauen?
Maschinchen, 24.10.2009
3.
Zitat von sysopBundesweite Impfaktionen, heftige Diskussionen um Impfstoffe und die Möglichkeit einer Pandemie beschäftigen seit Monaten Politik, Medien und Öffentlichkeit in Sachen Schweinegrippe. Wie real ist die Bedrohung durch die Krankheit wirklich?
Wie real die Bedrohung ist, kann noch nicht einmal von Expertenseite bemessen werden. Bislang verlaufen die Fälle - zum Glück - glimpflich. Das muss aber nicht zwangsläufig so bleiben. Um gemäß des Vorsorgeprinzips den pandemischen worst case zu verhindern, ist es daher unbedingt notwendig, flächendeckend zu impfen. Wer sich einer Impfung gegen die neue Grippe aus welchen Gründen auch immer entzieht, gefährdet seine und die Gesundheit seiner Mitmenschen.
saul7 24.10.2009
4. Wenn
Zitat von sysopBundesweite Impfaktionen, heftige Diskussionen um Impfstoffe und die Möglichkeit einer Pandemie beschäftigen seit Monaten Politik, Medien und Öffentlichkeit in Sachen Schweinegrippe. Wie real ist die Bedrohung durch die Krankheit wirklich?
man die mediale Geschäftigkeit um das Thema zugrunde legt, drängt sich einem der Eindruck auf, dass bereits eine reale Bedrohung vorliegen könnte. Das ist aber mitnichten so. Die Zahlen der weltweit Erkrankten und an der Infektion Verstorbenen sprechen eine andere Sprache. Es gibt derzeit keinen Anlass zur Panik oder Hysterie.
isnogud75 24.10.2009
5. nein
Zitat von sysopBundesweite Impfaktionen, heftige Diskussionen um Impfstoffe und die Möglichkeit einer Pandemie beschäftigen seit Monaten Politik, Medien und Öffentlichkeit in Sachen Schweinegrippe. Wie real ist die Bedrohung durch die Krankheit wirklich?
Die Bedrohung durch die Schweinegrippe existiert zur Zeit zum Glück nur in den Köpfen der Politiker und Pharmalobbyisten. Von einer Pandemie dagegen kann man nur sprechen, wenn man weltweit mit Millionen von Toten rechnen muß. Solange aber durch die sogenannte Schweinegrippe nur genauso wenige Leute sterben wie durch die "klassische" Grippe, haben wir es hier nur mit Panikmache und Hysterie zu tun.
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