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Erreger und Überträger: Forscher finden Sindbisviren in deutschen Mücken

Foto: Bernhard-Nocht-Institut / A. Krüger

Sindbis-Fieber Virus aus Afrika erstmals in Deutschland entdeckt

Ein neuer Krankheitserreger macht sich in Deutschland breit: Forscher haben in drei Mückenarten erstmals Sindbisviren entdeckt. Fieber, Hautausschläge Rheuma-ähnliche Symptome können die Folge einer Infektion sein.

Hamburg - Eigentlich ist das Sindbisvirus in Afrika, Osteuropa und Asien weit verbreitet. Durch Stiche von Mücken der Gattung Culex kann man sich damit infizieren. Jetzt ist der Erreger zum ersten Mal in Deutschland aufgetaucht. Forscher vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) haben den Erreger in Baden-Württemberg gleich in drei verschiedenen Mückenarten nachgewiesen.

"Normalerweise befallen Sindbisviren Vögel", sagte der BNI-Virologe Jonas Schmidt-Chanasit. Nur in seltenen Fällen verursacht es eine fieberhafte Erkrankung mit Hautausschlägen und Gelenkbeschwerden - Symptome, die rheumatischen Erkrankungen ähneln. Mediziner sprechen von der sogenannten Ockelbo oder Pogosta. "Wir wissen jetzt, dass diese Viren in Deutschland zirkulieren", sagte Schmidt-Chanasit, der zusammen mit Kollegen einen Artikel im Fachblatt "Journal of Clinical Microbiology"  veröffentlicht hat.

Ursprünglich wurde das Virus in den fünfziger Jahren in Afrika entdeckt. Später tauchte es auch in Europa auf. Vor allem in Schweden und Finnland kommt es in Mücken vor. Doch nach Deutschland hatte es der Erreger bisher nicht geschafft. Möglicherweise könnten befallene Vögel das Virus hier eingeschleppt haben.

Im Sommer 2009 hatte das BNI in Zusammenarbeit mit der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) die deutschlandweit erste Untersuchung gestartet und im Südwesten Deutschlands rund 16.000 Mücken gefangen, die auf Viren untersucht wurden.

Die gute Nachricht: In der Regel kann das menschliche Immunsystem die Viren gut in Schach halten: Eine Infektion mit Sindbisviren heilt auch ohne eine spezifische Therapie aus. Eine Impfung gibt es bisher nicht.

cib/dpa/AFP
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