Impfstoff aus China Chile will Schutz mit dritter Impfdosis erhöhen

Die Quote der Erstgeimpften in Chile liegt bereits bei 78 Prozent, trotzdem flacht die Infektionskurve nicht ab. Verabreicht wird dort vor allem der Stoff des chinesischen Herstellers Sinovac Biotech.
Corona-Schutzimpfung in einem Impfzentrum in Copiapo, Chile: Dort wird auch der Impfstoff CoronaVac verabreicht

Corona-Schutzimpfung in einem Impfzentrum in Copiapo, Chile: Dort wird auch der Impfstoff CoronaVac verabreicht

Foto: Israel Chavez / NurPhoto / Getty Images

Die meisten Impfstoffe, die vor einer Erkrankung mit Covid-19 schützen sollen, werden in zwei Dosen verabreicht. Die chilenische Regierung prüft nun allerdings, ob eine dritte Dosis die Impfwirkung verbessern und den Schutz erhöhen könnte. Konkret geht es um den Impfstoff CoronaVac, der in Chile hauptsächlich eingesetzt wird. Hersteller ist das chinesische Pharmaunternehmen Sinovac Biotech, das seinen Sitz in Peking hat.

Chiles Präsident Sebastián Piñera sagte am Dienstag, dass Gesundheitsexpertinnen und -experten derzeit »viele wissenschaftliche Studien« untersuchen, um festzustellen, ob eine dritte Dosis mit dem CoronaVac-Impfstoff notwendig sei.

Auch die Leiterin des öffentlichen Gesundheitswesens, Paula Daza, äußerte sich gegenüber dem chilenischen Nachrichtensender TVN zu den Untersuchungen und sagte, im nächsten Monat solle ein Bericht vorgelegt werden. »Wir denken, dass die Daten zeigen werden: Menschen, die im Februar geimpft wurden und ihre zweite Dosis im März erhalten haben, benötigen wahrscheinlich eine dritte Dosis bis September.«

Viele Menschen sind geimpft, doch möglicherweise ist die Wirksamkeit zu niedrig

Die Impfkampagne in Chile ist eine der schnellsten der Welt: Bislang wurden rund 16,8 Millionen Dosen von Sinovac verabreicht und etwa 3,9 Millionen Dosen des Herstellers Pfizer/Biontech. Außerdem wurden kleinere Mengen von AstraZeneca und CanSino Biologics, dem Impfstoff eines weiteren chinesischen Unternehmens, verimpft. Bislang haben 78 Prozent der Chileninnen und Chilenen, die geimpft werden sollen, mindestens eine Dosis erhalten, 61 Prozent sind vollständig geimpft.

Aber: Der Schutz ist offenbar nicht hoch genug. In einer Studie, die im April veröffentlicht wurde, lag die Wirksamkeit nach einer Dosis CoronaVac nur im einstelligen Prozentbereich. Eine zweite Impfung erhöhte die Wirksamkeit zur Verhinderung von symptomatischen Infektionen auf 67 Prozent. Der Impfstoff zeigte sich als zu 85 Prozent wirksam bei der Verhinderung von Krankenhausaufenthalten, zu 80 Prozent bei der Verhinderung von Todesfällen.

Nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO  verhindert der CoronaVac-Impfstoff bei 51 Prozent der Geimpften eine symptomatische Erkrankung, bei 100 Prozent eine schwere Erkrankung und einen Krankenhausaufenthalt.

Wie gut der CoronVac-Impfstoff von Sinovac gegen Varianten und Mutationen des Sars-Cov-2-Virus hilft, ist noch nicht klar. Gegen die Gamma-Variante , die als brasilianische Variante bekannt wurde, schützt der Impfstoff vermutlich. Fälle der ansteckenden Delta-Variante wurden in Chile bisher nicht festgestellt, wohl aber in den Nachbarländern Peru und Argentinien.

Es gibt Berichte von Infektionen – trotz Impfung

Erste Berichte weisen darauf hin, dass der Sinovac-Impfstoff möglicherweise nicht vollständig vor manchen Virusmutationen schützt. Anfang dieser Woche erkrankten in Indonesien mehr als 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen an Covid-19, obwohl sie mit CoronaVac geimpft worden waren. In jener Region breitet sich derzeit die Delta-Variante aus.

Anfang Juni hatte die WHO  dem Impfstoff von Sinovac die Notfallzulassung erteilt. Nach Einschätzung der WHO entspricht der Impfstoff also den internationalen Standards für Sicherheit, Wirksamkeit und Herstellung. Die WHO-Bewertung umfasste auch Vor-Ort-Inspektionen der Produktionsanlage.

CoronaVac ist ein inaktivierter Impfstoff, man sagt auch Totimpfstoff dazu. Er enthält inaktivierte Viruspartikel. Wenn der Körper mit diesen Partikeln in Kontakt kommt, bildet er Antikörper gegen den Erreger. Die Herstellung ist vergleichsweise einfach, außerdem lässt sich der Impfstoff von Sinovac bei Kühlschranktemperaturen lagern. Verabreicht wird er bisher in zwei Dosen mit einem Abstand von bis zu vier Wochen.

vki
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