Stammzellforscher Strauer Uni Düsseldorf leitet Disziplinarverfahren ein

Die Uni Düsseldorf hat ein Disziplinarverfahren gegen den renommierten Herzspezialisten Bodo Eckehard Strauer eingeleitet, ohne Gründe zu nennen. Zweifel an den spektakulären Erfolgen des mittlerweile emeritierten Mediziners gab es schon länger.
Kardiologe Bodo-Eckehard Strauer an der Düsseldorfer Universitätsklinik (Archivbild von 2007): "537 Krankenakten gesichtet"

Kardiologe Bodo-Eckehard Strauer an der Düsseldorfer Universitätsklinik (Archivbild von 2007): "537 Krankenakten gesichtet"

Foto: A3730 Federico Gambarini/ dpa

Düsseldorf - Er wurde "Spezialist in Herzensdingen" genannt: Bodo-Eckehard Strauer. Der Kardiologe hatte mit dem Einsatz adulter Stammzellen bei Infarktpatienten weltweit Aufsehen erregt. Politiker und Theologen handelten seine Methode als eine Art "Geheimwaffe" gegen die seinerzeit stark umstrittene embryonale Stammzelltherapie. Strauer erhielt das Bundesverdienstkreuz, CDU-Politiker Hubert Hüppe forderte ein "massives Forschungsprogramm" für die Methode der adulten Zelltherapie. 

Schon länger steht der Mediziner allerdings unter dem Verdacht, wissenschaftlich unsauber gearbeitet zu haben. Nun hat die Universität Düsseldorf ein Disziplinarverfahren gegen den Herzspezialisten eingeleitet. Zwei Kommissionen hätten die Forschungsarbeit des inzwischen emeritierten Spezialisten und ehemaligen Klinikdirektors unter die Lupe genommen. Als Resultat sei das Verfahren eingeleitet worden, teilte eine Uni-Sprecherin am Montag mit, ohne Ergebnisse zu nennen. Strauer hatte Vorwürfe wissenschaftlichen Fehlverhaltens zurückgewiesen.

Uni Düsseldorf startete Untersuchung

Humane Stammzellen gelten als Alleskönner, mit ihrer Hilfe sollen sich Hirne regenerieren, zerstörte Knorpel erneuern und abgestorbene Gewebe reparieren lassen. Doch die Zellen sind so begehrt wie umstritten, insbesondere solche aus Embryonen. Strauers Methode kam ohne embryonale Stammzellen aus, auch deshalb faszinierte sie die Fachwelt. Als weitere Alternative gelten heute induzierte pluripotente Stammzellen, die sich aus gereiften Körperzellen gewinnen lassen.

Erst im Dezember 2012  hatte es allerdings Manipulationsvorwürfe gegenüber Strauer gegeben. Bereits im März vergangenen Jahres hatte das Uni-Klinikum auch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Die Behörde hatte die Unterlagen geprüft, aber mangels Anfangsverdacht kein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die nun nachgereichten Unterlagen werde man aber ebenfalls noch prüfen, sagte Staatsanwalt Uwe Kessel.

Bis 2009 war Strauer mehr als 20 Jahre Leiter der Kardiologie an der Uni-Klinik. Strauers Therapie hatte weltweit große Hoffnungen geweckt. 2001 hatte er weltweit zum ersten Mal einen Herzinfarktpatienten mit dessen eigenen Knochenmarkstammzellen behandelt. Dem Patienten waren die Stammzellen in das vom Absterben bedrohte Herzgewebe gespritzt worden. Doch 2009 beendete die Uni-Klinik nach dem Wechsel der Klinikleitung das Programm der Herzstammzelltransplantation.

Im vergangenen Sommer hatten britische Forscher eine lange Liste vermeintlicher Fehler und Ungereimtheiten in Strauers Publikationen vorgelegt und übten deutliche Kritik. Die Arbeit wurde im renommierten Fachmagazin "International Journal of Cardiology"  veröffentlicht. Strauer wollte sich damals auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht äußern und verwies auf seinen Medienanwalt. Der erklärt, der Hauptautor der Analyse im "International Journal of Cardiology" kritisiere seinen Mandanten aus persönlichen Gründen.

Die Uni-Klinik erklärte 2012, dass "Anhaltspunkte auf ein mögliches wissenschaftliches Fehlverhalten" vorlägen. Die Uni habe eine "interne Untersuchung" dazu eingeleitet und auch externe Experten hinzugezogen. Die Universität habe nicht gesagt, "was sie eigentlich untersucht", kritisierte Strauers Anwalt damals. 537 Krankenakten von Patienten seien gesichtet worden, hieß es am Montag von Seiten der Klinik.

Bodo-Eckehard Strauer mochte sich gegenüber SPIEGEL ONLINE nicht zu den jüngsten Ereignissen äußern.

nik/dpa