Steigende Infektionszahlen Israelische Studienleiterin zweifelt an Notwendigkeit von zweiter Boosterdosis für alle

In Israel laufen Tests mit einer vierten Impfdosis. Die Studienleiterin ordnet erste Zwischenergebnisse verhalten ein. Sie betont: Es könne nicht das Ziel sein, alle Menschen alle vier Monate zu boostern.
Eine Frau, die mit einem Spenderherz lebt, bekommt ihre vierte Impfdosis in Ramat Gan, Israel

Eine Frau, die mit einem Spenderherz lebt, bekommt ihre vierte Impfdosis in Ramat Gan, Israel

Foto: Amir Levy / Getty Images

Die Leiterin einer israelischen Studie zur Wirksamkeit einer vierten Coronaimpfung hat einen fünffachen Anstieg der Antikörper beobachtet. Sie hält das für »gut, aber nicht ausreichend«. Weiter sagte  Professorin Gili Regev der israelischen Nachrichtenseite »ynet« am Mittwoch über die vorläufigen Ergebnisse der Studie: »Wir sehen einen bestimmten Anstieg der Antikörper, aber der Anstieg ist nicht sehr beeindruckend.«

Man sei kurz nach der vierten Impfung wieder auf demselben Antikörperstand wie kurz nach der dritten, sagte Regev. Sie habe sich von einer zweiten Boosterimpfung mehr erhofft. Es könne nicht das Ziel sein, sich etwa alle vier Monate erneut gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Sie sei zwar froh, dass man gefährdeten Bevölkerungsgruppen wie Immungeschwächten und über 60-Jährigen in Israel bereits die vierte Dosis gebe, sagte Regev. »Aber ich bin mir wirklich nicht sicher, ob man sie nun allen geben sollte. Wir brauchen noch mehr Informationen.«

In Israel wird die vierte Coronaimpfung medizinischem Personal und Menschen ab 60 Jahren empfohlen. Dies ist eine Reaktion auf die Ausbreitung der Omikron-Variante.

Regev betonte zugleich, dass die erste Boosterimpfung enorm wichtig ist: »Wer die erste und zweite Dosis bekommen hat, muss dringend auch die dritte bekommen.« Wer noch keinen Booster erhalten habe, solle zur Impfstation »rennen«, riet die Ärztin.

Am Mittwoch begann im Schiba-Krankenhaus ein weiterer Versuch mit einer vierten Impfdosis gegen das Coronavirus. 150 Teilnehmer sollen nach drei Dosen des Präparats von Biontech/Pfizer eine vierte Impfung mit Moderna erhalten. »Es kann sein, dass eine Kombination von Impfstoffen besser ist«, sagte Regev. Es sei weltweit der erste Versuch mit einer vierten Impfung mit kombinierten Vakzinen.

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus hat in Israel einen Höchststand seit Beginn der Pandemie erreicht. Das israelische Gesundheitsministerium teilte am Mittwoch mit, binnen 24 Stunden seien 11.978 neue Fälle registriert worden. Die bisher höchste Zahl hatte am 2. September letzten Jahres bei 11.345 gelegen.

wbr/dpa