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05. April 2012, 18:17 Uhr

Lese-Rechtschreib-Schwäche

Test weckt Hoffnung auf frühe Legasthenie-Erkennung

Ob ein Kind eine Lese-Rechtschreib-Schwäche hat, lässt sich offenbar schon im Kindergarten-Alter mit einem einfachen Test erkennen. In einem Experiment stellte sich heraus, dass betroffene Kinder Schwierigkeiten mit Aufgaben haben, die hohe visuelle Aufmerksamkeit erfordern.

Legasthenie ist unter Kindern weit verbreitet: Rund zehn Prozent sind betroffen, schätzen Experten. Oft wird die Lese-Rechtschreib-Schwäche erst nach der Einschulung erkannt. Eine neue Studie aber weckt jetzt die Hoffnung, dass die Störung schon wesentlich früher erkannt werden könnte.

Ein Team um Andrea Facoetti von der Universität im italienischen Padua hatte die Entwicklung von 96 Vorschulkindern bis zur zweiten Klasse verfolgt. Jedes Jahr absolvierten die Kinder dabei mehrere Tests zum Gedächtnis und dem Sprachverständnis, um ihren Entwicklungsstand zu überprüfen. Mit Übungen zur Fähigkeit, Laute bestimmten Wörtern zuzuordnen, und zwei Aufgaben zur visuellen Aufmerksamkeit suchten die Wissenschaftler gezielt nach Vorzeichen für die Legasthenie.

Im ersten Test erhielten die Kinder ein Blatt mit mehreren Reihen von Symbolen. Darin sollten sie alle Symbole eines Typs - beispielsweise Herzen - durchstreichen. "Die Kinder, die später Probleme mit dem Lesen hatten, machten bereits im Vorschulalter doppelt so viele Fehler wie die Kinder ohne Leseschwäche", schreiben Facoetti und seine Kollegen im Fachmagazin "Current Biology".

In der zweiten Übung zeigten die Forscher den Kindern jeweils für sehr kurze Zeit verschiedene Tafeln, auf nur einer davon war eine schräg nach rechts oder links geneigte Ellipse zu sehen. Anschließend sahen die Kinder eine Tafel mit vier verschiedenen, in unterschiedliche Richtungen geneigten Ellipsen, aus der sie die zuvor gesehenen heraussuchen sollten. Auch in diesem Test schnitten die 14 Vorschulkinder schlechter ab, die später in der Schule Probleme mit dem Lesen bekamen.

"Radikale Wende"

Diese Ergebnisse zeigten, dass die Fähigkeit zur visuellen Aufmerksamkeit bereits im Vorhinein anzeige, ob ein Kind später Schwierigkeiten beim Lesen lernen haben werde oder nicht, schreiben die Forscher.

Bisher hätte man vor allem Schwierigkeiten im Hören und Verstehen von Sprache als Hauptproblem bei der Legasthenie angesehen. Überraschenderweise seien die Defizite in der visuellen Aufmerksamkeit aber ebenfalls deutliche Vorzeichen für eine Lese-Rechtschreib-Schwäche. "Das ist eine radikale Wende gegenüber dem bisher Bekannten", sagt Studienleiter Facoetti. Denn es zeige, dass die Legasthenie auf Störungen in mehreren Bereichen der Wahrnehmung und Verarbeitung von Signalen beruhe.

Nach Ansicht der Forscher könnte die neue Erkenntnis die Behandlung von Kindern mit Legasthenie verbessern helfen. "Jüngste Studien haben gezeigt, dass spezielle Förderprogramme vor dem Lesenlernen die späteren Leseprobleme der Kinder mildern können", sagt Facoetti. Durch eine frühe Diagnose könnten Übungen zur visuellen Aufmerksamkeit bereits im Vorschulalter begonnen werden, um Legasthenikern gezielt zu helfen. Bemerkenswert sei, dass auch bestimmte Action-Computerspiele die visuelle Aufmerksamkeit von Kindern trainieren.

mbe/dapd

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