Nobelpreis für Thomas Südhof "Der beste Wissenschaftler, den ich kenne"

Er gilt als akribisch, brillant und als Freund lässiger Sportpullover: Der deutsche Zellbiologe Thomas Südhof erfuhr im Auto, dass er mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet wird - er musste erst einmal rechts ran fahren.
Nobelpreis für Thomas Südhof: "Der beste Wissenschaftler, den ich kenne"

Nobelpreis für Thomas Südhof: "Der beste Wissenschaftler, den ich kenne"

Foto: DPA/ Standford UC

Der Mann ist so gut, dass es manchem Kollegen beinahe unheimlich wird. "Ich weiß nicht, wie er das macht", sagt etwa Robert Malenka, Professor für Psychiatrie und Verhaltenswissenschaften an der Stanford Universität. Er kenne "Tom" Südhof seit den frühen 1990er Jahren. "Er ist das wissenschaftliche Äquivalent einer Naturkraft. Er ist der produktivste Wissenschaftler, den ich je gesehen habe", sagt Malenka. Das Ausmaß seines Beitrags auf dem Gebiet der Neurowissenschaften sei irrsinnig. "Ohne ihn hätten wir erst in zehn Jahren den jetzigen Stand erreicht."

Auch andere Kollegen äußern sich geradezu euphorisch über den neuen deutschen Nobelpreisträger Südhof, den Professor der US-Eliteuniversität Stanford, der 1955 in Göttingen geboren wurde und dort auch studierte. Nach dem deutschen Wissenschaftler gefragt, fallen Begriffe wie "Integrität", "Intensität", "Intuition" oder "Verstand", er sei einfach der Beste. Auch die Liste seiner Auszeichnungen und Ehrungen ist lang - 2010 erst erhielt der Zellbiologe, Genforscher, Physiologe und Hirnforscher den norwegischen Kavli-Preis. (Worüber Südhof geforscht hat und wofür er nun den Nobelpreis erhielt, lesen Sie hier.)

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Medizin-Nobelpreis: In Vesikeln durch die Zelle

Foto: AFP/ Nobelprizemedicine

Bevor Südhoff an die University of Texas Southwestern Medical Center und 2008 an die Stanford Universität wechselte, leitete er das Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin in Göttingen. Erwin Neher, der dem Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie vorsteht, und Südhof waren sozusagen Nachbarn. "Tom ist wahrlich einer der besten Forscher auf seinem Gebiet", sagt Neher, der 1991 selbst den Nobelpreis für Medizin erhalten hat.

Angesichts der ganzen Superlative beruhigen doch auch manche Details, die über Südhof bekannt werden. An der Schule mochte er alle Unterrichtsfächer - bis auf Sport. Heute ist er allerdings dafür bekannt, auch an heißen Tagen in Sportpullovern durch die Forschungslabors zu laufen. So akribisch er in der Forschung sei, so lässig sei seine Kleidung.

"Ich dachte, ich hätte mich verfahren"

"Ist das Ihr Ernst?" fragte er denn auch den Anrufer, der im Auftrag des Nobel-Komitees am Montag Vormittag bei ihm anrief. "Oh mein Gott!" Es habe eine Menge Spekulationen gegeben, aber er hätte niemals damit gerechnet, den Nobelpreis zu bekommen.

Südhof, der mit dem Auto mitten in Spanien zu einer Konferenz in Baeza unterwegs war, musste erst einmal anhalten. "Ich dachte, es wäre mein Freund, der anruft. Ich habe mich nämlich ein bisschen verfahren. Es tut mir leid, das ist ein bisschen unerwartet."

Der Preis sei "von enormer Bedeutung" für ihn, die Auszeichnung sei aber nicht nur eine Anerkennung seiner eigenen Arbeit. "Das ist auch eine Würdigung der Arbeit vieler Leute, die mit mir zusammengearbeitet haben."

Reinhard Jahn, langjähriger Freund Südhofs und nebenbei Direktor des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie, war von der Auszeichnung nicht wirklich überrascht: "Ich habe nur noch nicht so bald damit gerechnet", sagt er. Verdient hätten Südhof und die beiden anderen Preisträger, James Rothman und Randy Schekman, den Nobelpreis auf jeden Fall.

In Fachkreisen galt Südhof schon länger als Aspirant für den wichtigsten Wissenschaftspreis weltweit. Südhof habe als erster erkannt, welche methodischen Ansätze nötig sind, um die Synapsen zu verstehen. In seinem Labor an der renommierten Stanford Universität in Kalifornien erforscht der gebürtige Niedersachse unter anderem die molekularen Grundlagen von Krankheiten wie Alzheimer oder Autismus.

nik/dpa/AFP/Reuters
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