Thomas Südhof Nobelpreisträger kommt zurück nach Deutschland - in Teilzeit

Nicht alle guten Wissenschaftler verlassen Deutschland, manche kommen auch zurück - wie Thomas Südhof. Der Nobelpreisträger für Medizin betreibt ab Herbst an der Berliner Charité wieder neurologische Spitzenforschung.
Thomas Südhof ist der erste Fellow der Stiftung Charité in Berlin: "Ich möchte forschen so lang ich kann"

Thomas Südhof ist der erste Fellow der Stiftung Charité in Berlin: "Ich möchte forschen so lang ich kann"

Foto: Jorge Guerrero/ AFP

Berlin - Um das deutsche Wissenschaftssystem ist es nicht gut bestellt: Mit ihrem jüngsten Gutachten (hier als pdf ) schockierten die Experten der Kommission Forschung und Innovation (EFI) am Mittwoch die Wissenschaftsgemeinde. Die sechs Wirtschaftsprofessoren kamen zu keinem sonderlich guten Ergebnis. Besonders bedrohlich sei der anhaltende Brain Drain aus Deutschland. Das Land erziele ein "ernüchterndes Ergebnis" beim weltweiten Wettbewerb um die besten Köpfe.

Einen hochkarätigen Wissenschaftler können die Experten ab diesem Herbst aber als lobendes Gegenbeispiel nennen: Thomas Südhof, Neurologe und Nobelpreisträger für Medizin des vergangenen Jahres, kommt zurück nach Deutschland - zumindest in Teilzeit. Der Wissenschaftler wird erster "Visiting Fellow" einer medizinischen Forschungsinitiative, gegründet von der Stiftung Charité und dem Berliner Institut für Gesundheitsforschung.

"Ich kann den schlechten Ruf Deutschlands nicht bestätigen", sagt Südhof im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Viele seiner Kollegen würden gern zurück kommen - auch in den USA seien die Bedingungen längst nicht mehr so rosig wie viele glauben.

Angesiedelt im Exzellenzcluster Neurocure der Charité wird Südhof zusammen mit seinem Kollegen Christian Rosenmund an einem neurologischen Forschungsprojekt arbeiten. Angestellt in Berlin wird er aber nicht sein.

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Foto: AFP/ Nobelprizemedicine

Seine Professur an der Stanford University wird der 59-Jährige behalten. Dort leitet der Forscher ein Laboratorium an der Medical School. Gemeinsam mit James Rothman und Randy Schekman hatte er im vergangenen Oktober den Nobelpreis für Medizin erhalten.

Schon damals erklärte er im Interview, dass er auch gern wieder in Deutschland arbeiten würde, allerdings durch die strikten Altersgrenzen gar keine Möglichkeit mehr dazu hätte. "Ich möchte gern so lange weiter forschen, wie ich das kann. In den USA geht das."

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