Thrombosegefahr durch Anti-Baby-Pille Bayer zahlt 107 Millionen Euro an Klägerinnen

Gerade erst musste Bayer in den USA die Warnhinweise in den Pillen-Packungen verschärfen, nun muss der Konzern Entschädigungen in Höhe von 107 Millionen Euro an amerikanische Frauen zahlen. Tausende Verfahren sind noch offen. In Deutschland gibt es aktuell eine Klage.
Pillen-Knick bei Bayer: Auf der Hauptversammlung ging es um Ärger mit der Anti-Baby-Pille

Pillen-Knick bei Bayer: Auf der Hauptversammlung ging es um Ärger mit der Anti-Baby-Pille

Foto: Oliver Berg/ dpa

Köln - Die Anti-Baby-Pillen Yasmin, Yasminelle und Yaz sind seit Jahren ein Verkaufsschlager für den Pharmakonzern Bayer: 2011 setzte das Unternehmen damit weltweit mehr als eine Milliarde Euro um. Doch jetzt machen die Hormonpräparate dem Konzern gleich doppelt Probleme. Gerade erst musste Bayer in den USA die Warnhinweise in den Packungen verschärfen, nachdem die US-Arzneimittelbehörde FDA im Dezember 2011 entschieden hatte, Bayer habe nicht ausreichend vor den Risiken seiner Hormonpräparate gewarnt.

Aus ähnlichem Grund wird es jetzt richtig teuer für Bayer. Mehr als 10.000 Nutzerinnen der Pillen haben in den USA Klage eingereicht - wegen der erhöhten Thrombosegefahr. In einigen Fällen soll sie auch tödlich gewirkt haben.

Mit Hunderten Klägerinnen hat Bayer nun Vergleiche geschlossen. Insgesamt werde der Konzern aus Leverkusen 651 betroffenen Frauen rund 142 Millionen Dollar (107 Millionen Euro) zahlen, sagte Konzernchef Marijn Dekkers am Freitag in Köln. Dies geschehe allerdings ohne Anerkennung einer Haftung, sagt Deckers.

Tausende weitere Klagen sind noch offen. Dekkers zufolge gingen in den USA bis Mitte April rund 11.900 Klagen ein, dahinter dahinter stünden etwa 14.000 Klägerinnen. "In Deutschland gibt es aktuell eine Klage", sagt Bayer-Sprecherin Frederike Lorenzen. Auf der Hauptversammlung am Freitag in Köln berichtete ein Rechtsanwalt allerdings von weiteren Schadensfällen.

Gerade erst hatte die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA Bayer verpflichtet, seine Produkthinweise zu verschärfen. Ausdrücklich weist der Leverkusener Konzern nun darauf hin, dass Präparate mit dem hormonellen Wirkstoff Drospirenon - wie Yasmin - das Thromboserisiko für Anwenderinnen erhöhen könnten. Die Warnung muss künftig bei allen Pillen mit diesem Wirkstoff kommuniziert werden, machte die FDA klar. In Deutschland enthalten beispielsweise auch die Pillen Petibelle und Aida Drospirenon.

Venenthrombosen werden durch Blutgerinnsel in den Gefäßen ausgelöst. Wandern sie in die Lunge oder in das Gehirn, kann es zu gefährlichen Embolien und Schlaganfällen kommen.

Die Europäische Arzneimittelbehörde Ema hatte schon im Mai 2011 entschieden, dass die Warnung verschärft wird - oder "angepasst", wie das die Bayer-Sprecherin formuliert. In Deutschland liest man also nicht "könnte das Risiko erhöhen" wie bei Yasmin in den USA, sondern "kann das Risiko erhöhen", samt dem Zusatz: "Von 100.000 Frauen, die eine Pille anwenden, wie z. B. Yasmin, kann binnen eines Jahres bei 30-40 Frauen ein Blutgerinnsel auftreten. Die genaue Anzahl ist unbekannt. Die Höhe des Risikos kann je nach Art der Pille variieren. Besprechen Sie verfügbare Optionen mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin."

Derweil betonte Dekkers, Bayer habe nur dort Vergleichen zugestimmt, wo Ansprüche wegen venöser Blutgerinnsel - tiefer Venenthrombosen oder Lungenembolien - erhoben worden seien. Die Gesamtzahl solcher Fälle könne derzeit nicht abgeschätzt werden. Allerdings werde in weniger als der Hälfte der bislang zugestellten Klagen eine solche Erkrankung behauptet.

mit Material von dpa/dapd