Erstmals seit Bestehen der Bundesrepublik Mehr als eine Million Menschen in einem Jahr gestorben

2021 wurden in Deutschland mehr als eine Million Todesfälle registriert – ein Rekordwert, allein im Dezember waren es gut 100.000. Die offizielle Corona-Statistik erklärt den Anstieg nur zum Teil.
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Kerzen vor der Frauenkirche in Dresden erinnern am Samstag an die rund 1500 Todesopfer der Coronapandemie in der sächsischen Landeshauptstadt

Foto: Robert Michael / dpa

Erstmals seit dem Bestehen der Bundesrepublik hat es 2021 mehr als eine Million Sterbefälle innerhalb eines Jahres gegeben. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland insgesamt rund 1,02 Millionen Sterbefälle registriert, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden unter Berufung auf erste vorläufige Ergebnisse  mitteilte. Grund dafür dürften die Alterung der Bevölkerung und die Folgen der Coronapandemie sein.

Mehr als eine Million Sterbefälle binnen einem Jahr hatte es auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik in der Nachkriegszeit nur 1946 gegeben – damals wurden rund 1.001.600 Sterbefälle registriert. Während damals schwierige Lebensverhältnisse die hohen Sterbefallzahlen erklärten, sind die Zahlen laut Statistikamt heute hauptsächlich durch die größere Bevölkerung und den höheren Anteil älterer Menschen begründet.

Konkret starben im vergangenen Jahr 1.016.899 Menschen. Im Vergleich zum ersten Coronajahr 2020 stiegen die Sterbefallzahlen damit um 31.327 oder 3 Prozent. Die Alterung der Bevölkerung erklärt diesen weiteren Anstieg demnach nur zum Teil, denn die insgesamt steigende Lebenserwartung schwächt den Alterungseffekt ab. Vor der Pandemie stiegen die Sterbefallzahlen daher jährlich um durchschnittlich ein bis zwei Prozent. Dies änderte sich mit der Coronakrise. Bereits im Jahr 2020 stiegen die Sterbefallzahlen im Vergleich zum Jahr 2019 vor der Pandemie um fünf Prozent und 2021 im Vergleich zu 2019 sogar um acht Prozent.

Mehr als 100.000 Todesfälle im Dezember

Auch die offiziell gemeldeten Corona-Todesfälle können die neuen Zahlen nur zu einem geringen Teil erklären. Die Übersterblichkeit im Vergleich zu den vier Vorjahren – also das bereits von Corona geprägte Jahr 2020 eingerechnet – beziffern die Statistiker auf 69.702, einen Anstieg von sieben Prozent gegenüber dem Mittelwert der Vorjahre. Zum Jahresende stiegen die Zahlen in der vierten Infektionswelle besonders stark an, wenn auch im Dezember mit 100.291 Todesfällen nicht ganz so stark wie im Vergleichsmonat 2020.

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In Deutschland ebenso wie den Nachbarländern stellten die Statistiker nach den Standards des europäischen Netzwerks Euromomo  in den Dezemberwochen eine moderate bis hohe Übersterblichkeit fest, in den Niederlanden eine sehr hohe. Welche Effekte genau sie erklären, lässt sich laut den Statistikern noch nicht beziffern. Als mögliche Auswirkungen der Pandemie nannten sie neben der Dunkelziffer nicht erkannter Corona-Todesfälle auch die Folgen verschobener Operationen oder Todesfälle durch andere Infektionskrankheiten wie Grippe, die 2020 im Gegensatz zu den Vorjahren kaum vorkamen, nun aber als nachgeholte Sterblichkeit auftauchen könnten.

ak/AFP