Hinrichtungen per Giftspritze Deutscher Hersteller beschränkt Narkosemittel-Export in die USA

Henker in den USA wollen das Narkosemittel Propofol für ihre Todesspritzen nutzen - hergestellt wird es durch Fresenius Kabi aus Hessen. Nach Protesten von Menschenrechtsaktivisten beschränkt Fresenius nun den Export - die EU Kommission prüft die Aufnahme des Mittels in die Anti-Folter-Verordnung.
Narkosemittel Propofol: "Wir beliefern keine Gefängnisse oder Strafvollzugsbehörden"

Narkosemittel Propofol: "Wir beliefern keine Gefängnisse oder Strafvollzugsbehörden"

Foto: Frederick M. Brown/ Getty Images

Hamburg - Das Narkosemittel Propofol, das einige amerikanische Strafvollzugsbehörden für die Giftcocktails bei Hinrichtungen einsetzen wollen, werden die Beamten in US-Gefängnissen wohl nicht nutzen können. Der Hersteller Fresenius Kabi aus Hessen hat den Export seines Narkosemittels Propofol in die USA eingeschränkt.

Aufgrund von Lieferschwierigkeiten anderer Hersteller ist Fresenius Kabi momentan der einzige Anbieter von Propofol in den USA. Die FDA hat das Medikament auf die Liste der von Lieferengpässen bedrohten Arzneimittel ("drug shortages") gesetzt. In den nächsten Wochen will allerdings der amerikanische Wettbewerber Hospira seine Propofol-Produktion in den USA, die wegen technischer Probleme unterbrochen war, wieder aufnehmen.

"Wir werden die Zahl unserer Großhändler in den USA reduzieren", bestätigt Fresenius-Sprecher Joachim Weith SPIEGEL ONLINE. Aktuell waren dies über 30 - schließlich gelte es, Propofol schnell für über 15.000 Krankenhäuser und andere medizinische Einrichtungen in den USA bereit halten zu können - es ist eines der am häufigsten eingesetzen Narkosemittel weltweit.

Fresenius arbeite ab sofort nur noch mit 13 Händlern zusammen, diesen werde vertraglich untersagt, Propofol an Gefängnisse oder Strafvollzugsbehörden weiterzugeben. Bei Vertragsverletzung drohten harte Strafen, sagt Weith - der Händler verliere umgehend das Recht, Propofol zu vertreiben. Das klinge vielleicht nicht nach einer besonders harten Maßnahme, so der Konzernsprecher, tatsächlich lägen die Umsatzeinbussen für den betroffenen Händler dann im siebenstelligen Bereich. "Wir wollen sicherstellen, dass Propofol nicht auf legalen Wegen in Gefängnisse gelangen könne", sagt Weith. Illegale Wege könne man niemals verhindern.

EU überarbeitet Anti-Folter-Verordnung

Noch im Juni hatte Fresenius Kabi, eine Tochter des gleichnamigen DAX-Konzerns, auf Anfrage erklärt, den Export in die USA nicht einschränken zu wollen. Allein in den USA komme der weltweit eingesetzte Wirkstoff in mehr als 15.000 Krankenhäusern, Arztpraxen, Zahnarztpraxen und anderen medizinischen Einrichtungen rund 50 Millionen Mal pro Jahr zum Einsatz. Es sei "faktisch nicht machbar", die Lieferung in die USA so zu steuern, dass verhindert werden kann, dass das Narkosemittel auch für Todesspritzen missbraucht wird.

Die Maßnahmen von Fresenius sind auf Initiative von Menschenrechtsorganisationen wie der britischen Initiative "Reprieve" und Amnesty International zustande gekommen. Die EU-Kommission überarbeitet aktuell ihre Anti-Folter-Verordnung. "Wir hoffen auf eine Neufassung im nächsten Jahr. Aber noch kann ich nicht sagen, ob es gerechtfertigt sein wird, Propofol auf die Liste zu setzen oder nicht. Man muss erst sehen, ob es tatsächlich für Hinrichtungen benutzt wird ", erklärte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton.

nik/dpa
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