Transplantationen Zahl der Organspenden in Deutschland sinkt

Die Zahl der Organspenden in Deutschland ist im vergangenen Jahr um gut sieben Prozent gesunken. Die zuständige Stiftung glaubt, dass daran eine steigende Zahl von Patientenverfügungen schuld ist. Wer Intensivmedizin ablehnt, kommt als Spender kaum in Frage.
Entnahme einer gespendeten Niere: Zahl der Organspenden rückläufig

Entnahme einer gespendeten Niere: Zahl der Organspenden rückläufig

Foto: Z1009 Jan-Peter Kasper/ dpa

Frankfurt am Main - Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Rund 12.000 kranke Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan, wie Statistiken der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) besagen. Doch nachdem die Zahl der Organspenden 2010 einen neuen Rekordwert erreicht hatte, ist sie im vergangenen Jahr wieder deutlich zurückgegangen.

Nach Angaben der Stiftung spendeten 2011 rund 1200 Menschen nach ihrem Tod Organe - 7,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Nur in der Region Ost, also in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, sei die Spendenbereitschaft gestiegen, berichtet die DSO. Dort erhöhte sich die Zahl der Spender von 155 auf 166, die Zahl der Organe von 468 auf 488. Bundesweit habe man 4054 Menschen mit einer Transplantation helfen können, erklärt die Stiftung. Im Jahr zuvor seien es 4326 gewesen.

Ein möglicher Grund für den Rückgang sei die wachsende Zahl der Patientenverfügungen. "Immer häufiger scheinen Patientenverfügungen eine Organspende auszuschließen, weil der Patient sich nicht explizit dazu geäußert hat und gleichzeitig intensivmedizinische Maßnahmen ablehnt", sagte Günter Kirste, Medizinischer Vorstand der DSO. Dieser Trend zeichne sich in einem Zwischenbericht des Projekts "Inhousekoordination" ab. Dabei werden Faktoren in den Kliniken analysiert, die zu einer nachhaltigen Steigerung der Organspende beitragen können.

"Wir nehmen den Rückgang der Organspende sehr ernst und arbeiten mit den Kolleginnen und Kollegen in den Kliniken unermüdlich an Möglichkeiten und Wegen, um mehr Menschen mit einer Transplantation zu helfen", sagte Kiste. Als zuständige Koordinierungsstelle sei man darauf angewiesen, dass die Krankenhäuser potentielle Spender meldeten.

Als Spender kommen nur Patienten in Frage, deren Körperfunktionen nach dem Hirntod aufrechterhalten und die weiter beatmet, also intensivmedizinisch behandelt werden. Derzeit können nach dem Tod Niere, Herz, Leber, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm gespendet werden.

Die Stiftung hofft, dass eine Gesetzesänderung für höhere Spenderzahlen sorgen kann. Laut EU-Vorgabe muss der Bundestag bis Mitte des Jahres ein neues Transplantationsgesetz verabschieden. Nach einer Einigung der Fraktionen soll nun künftig die Bereitschaft der Bürger zu einer Organspende regelmäßig abgefragt werden. Bisher muss ein Spender von sich aus sein Einverständnis geben. Nach Schätzung der DSO hat jeder fünfte Bundesbürger einen Organspendeausweis.

chs/dpa
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