Tropenkrankheit Forscher präsentieren potentielle Malaria-Mittel

Großfahndung im Labor: Wissenschaftler haben knapp 3000 für andere Anwendungen zugelassene Medikamente darauf getestet, ob sie auch dem Malaria-Erreger auf die Pelle rücken können. Jetzt präsentieren sie 32 Kandidaten, die künftig gegen die Tropenkrankheit helfen sollen.

Kind spielt hinter Moskitonetz: Schutz vor Malaria-übertragenden Mücken
DPA

Kind spielt hinter Moskitonetz: Schutz vor Malaria-übertragenden Mücken


Hamburg - Etwa eine Million Menschen sterben pro Jahr an Malaria. Jedes fünfte Kind, das in Afrika ums Leben kommt, erliegt der Tropenkrankheit. Vorsorgemaßnahmen sollen die Ausbreitung eindämmen - indem etwa die Anopheles-Mücken, welche den Erreger übertragen, mit Insektiziden vernichtet werden. Andere Projekte zielen darauf, die Mücken durch Moskitonetze abzuhalten oder in Fallen zu locken.

Eine weitere, wichtige Maßnahme sind Medikamente. Doch immer häufiger werden die Erreger des tödlichen leidens, die sogenannten Plasmodien, immun gegen Medikamente. Einen Vorsprung in diesem Rennen könnten jetzt Forscher um Jing Yuan National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) in Bethesda (US-Bundesstaat Maryland) erzielt haben.

Sie entdeckten 32 Substanzen, die jeweils gegen mindestens 46 von 61 untersuchten Erreger-Stämmen effektiv wirkten. Viele töteten auch Varianten des Erregers Plasmodium falciparum ab, die gegenüber Standardmedikamenten resistent waren.

Ein weiterer Vorteil der vorgestellten Wirkstoffe: Sie sind schon als Arzneimittel zugelassen und offiziell für den Einsatz am Menschen oder in der Veterinärmedizin freigegeben. Die Entwicklung zum marktreifen Medikament könne dadurch deutlich verkürzt werden, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Science".

Wirkstoff-Kombinationen greifen Parasiten von mehreren Seiten an

Für ihre Suche hatten die Forscher 2816 medizinische Wirkstoffe mit Hilfe von Testrobotern auf ihre Wirksamkeit gegenüber 61 unterschiedlichen Malariastämmen überprüft. Neu ist, dass die Forscher zusätzlich in DNA-Analysen mögliche Ansatzstellen der Chemikalien im Erbgut des Parasiten untersuchten.

So entdeckten sie Kombinationen von Wirkstoffen, welche den Parasiten auf unterschiedliche Weise angreifen - dadurch können die Erreger nicht so leicht neue Resistenzen entwickeln. Die jetzt identifizierten Substanzen böten daher eine Chance, neue Kombinationstherapien auch gegen hartnäckige Erregervarianten zu entwickeln, berichten Jing Yuan und Kollegen.

Um die tödliche Wirkung von Medikamenten zu überleben, nutzen Krankheitserreger verschiedene Strategien: Sie verändern die Andockstellen für die Wirkstoffe oder weichen auf einen nicht beeinträchtigten Stoffwechselweg aus. Andere entwickeln Pumpen, welche die Arzneimittel schnell wieder aus ihren Zellen hinausbefördern.

Welche Genmutationen für diese Anpassungen verantwortlich sind, war bei Plasmodium falciparum bisher nur in Teilen bekannt. Das erschwerte die Suche nach neuen, möglichst resistenzunempfindlichen Wirkstoffen.

Yuan und seine Kollegen haben nun festgestellt, dass nur drei Gene die Resistenzen des Erregers gegen verschiedene Anti-Malariamittel kontrollieren. Offenbar verfüge der Parasit damit nur über eine sehr begrenzte Anzahl von Abwehrstrategien, sagen die Forscher. Entwickle man Kombinationstherapien, die alle drei dieser Mechanismen umgehen, ließe sich der Krankheitserreger entwaffnen.

wbr/dapd



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