Anthony Fauci Trumps Virusexperte warnt vor übereilter Zulassung für Impfstoff

Der US-Präsident will möglichst schnell Impfungen gegen das Coronavirus - auch um die eigenen Wahlchancen zu steigern. Sein wichtigster Berater Anthony Fauci hingegen äußert massive Bedenken.
Anthony Fauci (im Juni 2020): Klare Warnung vor unbedachten Schritten

Anthony Fauci (im Juni 2020): Klare Warnung vor unbedachten Schritten

Foto: POOL/ REUTERS

Weltweit läuft das Rennen um eine möglichst rasche Entwicklung eines effektiven und sicheren Impfstoffs  gegen das Coronavirus, auch vorangetrieben durch den US-Präsidenten. Der führende US-Experte für Infektionskrankheiten und Berater von Donald Trump, Anthony Fauci , warnt nun jedoch vor einer übereilten Zulassung eines Impfstoffkandidaten.

"Das Einzige, das Sie bei einem Impfstoff nicht sehen möchten, ist eine EUA ("Emergency Use Authorization"/Notfallzulassung), bevor Sie Belege für die Wirksamkeit haben", sagte Fauci der Nachrichtenagentur Reuters in einem Telefoninterview am Montag.

"Eine der potenziellen Gefahren, wenn Sie einen Impfstoff übereilt auf den Markt bringen, besteht darin, dass es für die anderen Impfstoffkandidaten schwierig - wenn nicht unmöglich wird -, Testpersonen für ihre Studie zu gewinnen", erklärte der Leiter des NIAID-Instituts für Allergien und ansteckende Krankheiten weiter.

In den vergangenen Wochen sind mehrere Impfstoffkandidaten in großangelegte klinische Studien eingetreten. Zehntausende nehmen an freiwilligen Testreihen der Impfstoffkandidaten von Moderna, Pfizer und AstraZeneca teil. Johnson & Johnson kündigte an, rund 60.000 Probanden in seine Phase-III-Impfstoffstudie aufzunehmen.

Bedenken hinsichtlich einer möglichen Politisierung des behördlichen Genehmigungsverfahrens weckte die Ankündigung des US-Präsidenten am Wochenende: Er gab eine Notfallgenehmigung für eine Plasma-basierte Behandlungsmethode bekannt, bevor deren Nutzen in Zufalls-kontrollierten, Placebo-kontrollierten klinischen Studien belegt wurde.

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