Trunkenheit am Steuer Interpol fahndet nach Brustimplantat-Manager

Hunderttausende Frauen leben mit Implantaten der Firma PIP in der Brust, womöglich sind alle fehlerhaft. Unabhängig davon sucht die internationale Polizeibehörde Interpol den Gründer des Unternehmens - wegen Trunkenheit am Steuer.


Lyon - Er soll für das Leid Tausender Frauen verantwortlich sein, nun fahndet Interpol nach dem Gründer der französischen Firma PIP. Deren fehlerhafte Brustimplantate wurden weltweit Hunderttausenden Frauen eingesetzt. Einen Zusamenhang zwischen dem Medizinskandal und der Fahndung gebe es aber nicht, stellte Interpol am Samstagnachmittag klar.

Auf Antrag Costa Ricas hatte die internationale Polizeibehörde eine "Red Notice" - einen Steckbrief mit Fotos des 72-Jährigen Jean-Claude M. - auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Als Delikt werden Vergehen in der Kategorie "Leben und Gesundheit" genannt. Mehrere Nachrichtenagenturen hatten deshalb berichtet, M. werde wegen des Medizinskandals international gesucht. Auch SPIEGEL ONLINE hat die Meldung unter Berufung auf die Nachrichtenagenturen aufgegriffen. Tatsächlich wird M. aber nur wegen einer mutmaßlichen Trunkenheitsfahrt gesucht.

Die von M. gegründete Firma PIP (Poly Implant Prothese) soll Silikon, das eigentlich in Matratzen eingesetzt wird, zur Herstellung von Brustimplantaten verwendet haben. Nun drohen die Implantate zu reißen. PIP war 2010 pleitegegangen. Schon zuvor waren der Firma die Vermarktung, der Vertrieb und die weitere Verwendung der Implantate untersagt worden.

Teilweise 100.000 Implantate

Am Freitag hatte das französische Gesundheitsministerium in einer beispiellosen Aktion 30.000 Frauen eine vorsorgliche Entfernung der Billig-Implantate empfohlen. In Frankreich waren acht Krebsfälle nach gerissenen Implantaten bekannt geworden. In Deutschland riet das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) betroffenen Frauen, "zur individuellen Risikoabwägung" mit ihrem Arzt zu sprechen.

PIP hat in seinen besten Zeiten pro Jahr etwa 100.000 Implantate produziert. Zeitweise war die Firma weltweit drittgrößter Hersteller der weichen Geltaschen. Sie wurden in mehr als 65 Länder geliefert, vor allem in Lateinamerika, aber auch in Europa.

Interpol hat seinen Sitz im französischen Lyon. Nach dem Fahndungsaufruf sind alle Mitgliedsländer der Behörde aufgefordert, nach dem Ex-Manager M. zu fahnden. Interpol stellte ein Polizeifoto aus dem Juni 2010 ins Internet, auf dem der PIP-Gründer mit einem grauen Bart und Brille zu sehen ist.

In einer ersten Version des Artikels hieß es, Interpol fahnde nach M. wegen des Medizinskandals. Dies hatten mehrere Nachrichtenagenturen gemeldet. Tatsächlich wird M. aber wegen einer mutmaßlichen Trunkenheitsfahrt gesucht. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen. - Anm. der Redaktion

wal/AFP/dpa

insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
Haltron 24.12.2011
1. Schuldfrage
Zitat von sysopHunderttausende Frauen leben mit Implantaten der Firma PIP in der Brust - womöglich sind alle fehlerhaft. Nun schaltet sich die internationale Polizeibehörde Interpol ein: Weltweit fahndet sie nach dem Gründer des Unternehmens. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,805683,00.html
In Zukunft verlange ich als Mann darüber aufgeklärt zu werden, wie stark ich drücken darf. Nicht das ich noch Schuld bin, wie einige Foristinnen behaupten, weil ich ein Mann bin und sie es nur für mich tun. Ein Prüfplakette, an entsprechender Stelle wäre da vielleicht hilfreich.
DeCielo 24.12.2011
2. PIP implantate
Zitat von sysopHunderttausende Frauen leben mit Implantaten der Firma PIP in der Brust - womöglich sind alle fehlerhaft. Nun schaltet sich die internationale Polizeibehörde Interpol ein: Weltweit fahndet sie nach dem Gründer des Unternehmens. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,805683,00.html
Ob das Silicon auch fuer Matratzen eingesetzt wurde ist relativ belanglos. Entscheidend ist wie das Rohmaterial weiterverarbeitet wurde. Es muss gereinigt und vor allem im Produkionsprozess korrekt vernetzt und sterilisiert werden. Jeder Kunststoff reisst oder loest sich auf , wenn der Polymerisationsprozess fehlerhaft gesteuert wird oder die Rezeptur der Katalysatoren nicht stimmt.
skade 24.12.2011
3.
Zitat von HaltronIn Zukunft verlange ich als Mann darüber aufgeklärt zu werden, wie stark ich drücken darf. Nicht das ich noch Schuld bin, wie einige Foristinnen behaupten, weil ich ein Mann bin und sie es nur für mich tun. Ein Prüfplakette, an entsprechender Stelle wäre da vielleicht hilfreich.
komisch, in diversen Interwies und Dokus sagen die Frauen immer das sie es nur für sich selber getan haben, und das Männer da überhaupt nichts mit zu tun haben. Ich glaube diesen Frauen auch, denn ich kenne keinen einzigen Mann der Brust-OPs schön findet. Die übliche Reaktion ist die, das eine Frau zig virtuelle Attraktivitätspunkte verliert, wenn sie sagt das sie gemachte Brüste hat.
redwed11 24.12.2011
4. Wieder typisch
Zitat von sysopHunderttausende Frauen leben mit Implantaten der Firma PIP in der Brust - womöglich sind alle fehlerhaft. Nun schaltet sich die internationale Polizeibehörde Interpol ein: Weltweit fahndet sie nach dem Gründer des Unternehmens. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,805683,00.html
Wieder ein typisches Beispiel wie die Gier auch vor der Schädigung der Gesundheit nicht halt macht. Wenn man viel verdienen kann, sind die Menschen völlig egal, ob nun Viehfutter mit Giftstoffen verstzt wird, ob Olivenöl gepanscht wird oder wie hier Brustimplatate mit billigen Silikon gefüllt werden. Es ist die Gier die die Leute antreibt. Die Gier nach immer größeren Gewinnen wie das von den Banken vorgemacht wird. Schlechte Beispiele verdrängen immer mehr den Anstand.
Rumdriever 24.12.2011
5. Kunststoffproblem
Zitat von DeCieloOb das Silicon auch fuer Matratzen eingesetzt wurde ist relativ belanglos. Entscheidend ist wie das Rohmaterial weiterverarbeitet wurde. Es muss gereinigt und vor allem im Produkionsprozess korrekt vernetzt und sterilisiert werden. Jeder Kunststoff reisst oder loest sich auf , wenn der Polymerisationsprozess fehlerhaft gesteuert wird oder die Rezeptur der Katalysatoren nicht stimmt.
Jeder Kunststoff löst sich auf , wenn man lange genug wartet. Das ist ja das Problem, alle Kunststoffe emittieren Bestandteile, ständig und zunehmend, bis sie anfangen, zu zerfallen. Das globale Experiment, Biomasse mit Kunstoffen zu kombinieren, läuft schon seit fünfzig Jahren. Und es gibt kein Zurück.
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