Tückischer Darmerreger Ehec-Seuche fordert erstes Todesopfer im Ausland

Erstmals ist ein Mensch außerhalb der Bundesrepublik an den Folgen der Ehec-Infektion gestorben. In Schweden erlag eine Frau der Erkrankung - sie hatte sich offenbar bei einer Deutschlandreise angesteckt. Auch aus NRW wird ein weiterer Todesfall gemeldet.

Ehec-Erreger unter dem Mikroskop: Infektionsquelle noch immer nicht geklärt
AFP/ RKI

Ehec-Erreger unter dem Mikroskop: Infektionsquelle noch immer nicht geklärt


Münster - Angaben eines Krankenhauses im Südwesten Schwedens zufolge starb am Dienstag eine 50-jährige Frau an den schweren Komplikationen des Darminfekts. Sie habe sich offenbar in Deutschland mit dem aggressiven Erreger infiziert, teilte das behandelnde Krankenhaus mit.

Auch in Nordrhein-Westfalen hat der gefährliche Durchfallerreger ein weiteres Todesopfer gefordert: In einem Paderborner Krankenhaus sei eine 87 Jahre alte Frau in den Morgenstunden des Dienstags an der Darminfektion verstorben, teilte die Kreisverwaltung Paderborn mit. Die Frau war seit Montag vergangener Woche wegen schwerer Durchfälle und dann weiterer Komplikationen des Darms in der Klinik behandelt worden. Eine Erkrankung an Hus- dem gefährlichen hämolytisch-urämischen Syndrom - wurde bei der Frau allerdings nicht festgestellt.

Mit dem Todesfall aus Nordrhein-Westfalen erhöhte sich bundesweit die Zahl der an einer Ehec-Infektion gestorbenen Menschen auf 15 - 13 davon waren Frauen. Zuvor waren bereits zwei weitere Frauen in NRW an den Folgen der Ehec-Erkrankung gestorben - sie stammten aus den Kreisen Gütersloh und Paderborn. Im Kreis Paderborn gibt es derzeit besonders viele Fälle von Erkrankungen durch Ehec-Bakterien. So wurde die Erkrankung dort bei bislang 34 Menschen - 20 Frauen und 14 Männern - im Alter von 11 bis 91 Jahren festgestellt.

Trotz der Todesfälle steigt die Zahl der Ehec-Infektionen zumindest in Niedersachsen langsamer als in der vergangenen Woche. 264 Ehec-Infizierte und Verdachtsfälle seien gemeldet, teilte der Sprecher des Gesundheitsministeriums Thomas Spieker am Dienstag in Hannover mit. Am Montag waren landesweit noch 242 Menschen in Niedersachsen möglicherweise mit Ehec infiziert. Auch im besonders stark betroffenen Hamburg steigen die Infektionszahlen langsamer, wie Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) bereits am Vortag berichtet hatte.

Noch keinen Notstand in den Kliniken

In 191 Fällen sei die Infektion mit dem Darmbakterium in Niedersachsen derzeit bestätigt worden, sagte Spieker. An der schweren Komplikation, dem hämolytisch-urämischen Syndrom (Hus), seien 47 Menschen erkrankt. "Unsere Kliniken müssen aber noch keinen Notstand melden." Bundesweit gibt es inzwischen mehr als 1400 Ehec-Infektionen und Verdachtsfälle.

Während Ärzte in den deutschen Kliniken sich weiterhin um den Zustand ihrer Hus-Patienten sorgen müssen, werden am Dienstag weitere Details zum neu entwickelten Ehec-Schnelltest aus Münster erwartet. In einer Pressekonferenz wollen die Wissenschaftler Einzelheiten zu dem Test vorstellen. Dieser kann den gefährlichen Krankheitserreger nach Angaben der Entwickler auch auf Gemüse nachweisen. Das sagte ein Sprecher des Universitätsklinikums Münster am Dienstag.

Mit dem neuen Schnelltest können kleinste Mengen des Erregers binnen weniger Stunden auf die speziellen Eigenschaften des Ausbruchsstammes untersucht werden. "Dieses Testprotokoll steht natürlich auch den entsprechenden Stellen für Lebensmittelüberwachung zur Verfügung, so dass es auch dort eingesetzt werden kann." Nötig sei jedoch ein spezielles molekularbiologisches Labor. "Das ist jetzt nicht so ein Test, mit dem man über den Markt gehen kann und hier etwas dranhalten kann wie bei einem Schwangerschaftsstreifen." Am Montagabend hatte das Uniklinikum die Entwicklung des Tests gemeldet.

Spanien empört

Unterdessen sind die Augen weiterhin auf Spanien gerichtet, weil Gemüse-Produzenten im Land möglicherweise als Quelle für Erreger gelten. In Hamburg war der Erreger auf Gurken aus Südspanien gefunden worden. Allerdings ist unklar, wo das Gemüse kontaminiert wurde.

Jetzt verlangt Spanien Entschädigung, für alle europäischen Landwirte, die wegen der Ehec-Seuche Verluste haben. Das sagte die spanische Agrarministerin Rosa Aguilar am Dienstag bei einem Treffen mit EU-Kollegen im ungarischen Debrecen vor Journalisten. Spaniens Gemüse sei "sicher", sagte die Ministerin. Die Ursache der Infektionen solle man in Deutschland suchen, nicht in Spanien.

Unterstellungen, denen zufolge die Krankheit durch Gurken aus Spanien übertragen werde, richteten bei den dortigen Produzenten einen Schaden von wöchentlich 200 Millionen Euro an, sagte Aguilar weiter.

"Man soll aufhören, auf Spanien zu schauen", sagte die Ministerin. Deutschland müsse so schnell wie möglich die Ursache der Infektionen klären. "Wir sind enttäuscht von der Art, wie Deutschland mit dieser Krise umgegangen ist." Eine Senatorin aus Hamburg habe Spaniens Landwirten durch eine Äußerung über spanische Gurken großen Schaden zugefügt - "ohne einen einzigen Beweis".

Dass die Ursache nicht in Spanien liegen könne, werde auch dadurch deutlich, dass dort niemand an Ehec erkrankt sei. Es gebe lediglich zwei Ehec-infizierte Spanier, diese hätten sich die Infektion aber bei einer Reise in Deutschland zugezogen, sagte Aguilar. In Spanien sei der Ehec-Erreger nicht gefunden worden. Die Ministerin sagte bei einem informellen Treffen der EU-Agrarminister, dass die Lebensmittelsicherheitskontrollen in ihrem Land weit strenger seien als die EU-Normen.

cib/dpa/dapd

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RosaHasi 31.05.2011
1. .
was für beweise will die frau agrarministerin? noch mehr totse? 15 tote sprechen eine sprache für sich. da ist vorsicht das OBERSTE gebot. die landwirte in deutschland können ihre gurken vermutlich auch nicht verkaufen.
vol. 31.05.2011
2. Es war nur eine Frage der Zeit...
Mich wundert es ja echt, dass sich noch keiner die Frage gestellt hat, wie eine solche Epidedmie entstehen konnte. Schließlich war das Auftreten solcher Multiresetenzen Bakterien nur eine Frage der Zeit, wenn man bedenkt, dass über 90 Prozent der produzierten Antibotika in die Tierzcht gehen, wo sie profelaktisch verabreicht werden, egal ob die Tiere krank sind oder nicht. Über deren Ausscheidungen gelangt so ein groß Teil auf die Felder bzw. ins Grundwasser, wo Bakterien die Möglichkeit haben sich Anzupassen. Waraum wird eigentlich nicht mal darüber berrichtet? Ach ja; Wenn das in der breiten Öffentlichkeit die Runde macht, müsste die Politik ja handeln und die Phamakonzeren auf einen Teil ihrer Gewinne verzichten...
newliberal 31.05.2011
3. Hmmm
Man tappt also weiterhin im Dunkeln. Alles was man hat sind Gurken auf denen der Erreger festgestellt wurde. Kann es sein dass jemand im Umgang mit den Gurken in Deutschland sich nicht die Hände gewaschen hat ?
bauagent 31.05.2011
4. Es ist wirklich eine Seuche.................
die Tatsache, dass die Medien diesen Begriff für ein Krankheitsbild verwenden, dass in einer ähnlichen Anzahl jedes Jahr in MItteleuropa auftritt und Todesopfer fordert verringert das Informationsniveau auf die Erträglichkeitsgrenze. Da ist doch tatsächlich eine 91 jährige Frau gestorben, die neben Altererscheinungen und Vorerkrankungen auch noch den EHEC Erreger in sich trägt. Freilich ohne Hus - Nachweis. Eben Hauptsache Durchfall und Panik. Wer partizipiert an solchen Nachrichten eigentlich?
miruwa 31.05.2011
5. Resistenz
Zitat von vol.Mich wundert es ja echt, dass sich noch keiner die Frage gestellt hat, wie eine solche Epidedmie entstehen konnte. Schließlich war das Auftreten solcher Multiresetenzen Bakterien nur eine Frage der Zeit, wenn man bedenkt, dass über 90 Prozent der produzierten Antibotika in die Tierzcht gehen, wo sie profelaktisch verabreicht werden, egal ob die Tiere krank sind oder nicht. Über deren Ausscheidungen gelangt so ein groß Teil auf die Felder bzw. ins Grundwasser, wo Bakterien die Möglichkeit haben sich Anzupassen. Waraum wird eigentlich nicht mal darüber berrichtet? Ach ja; Wenn das in der breiten Öffentlichkeit die Runde macht, müsste die Politik ja handeln und die Phamakonzeren auf einen Teil ihrer Gewinne verzichten...
Wo nehmen sie denn ihre Informationen her? EHEC ist mitnichten multiresistent. EHEC ist ein E. Coli Stamm der über Phagen neue Eigenschaften gewonnen hat. Die gebildeten Toxine stammen von einer ganz andern Sorte, den Shigellen. Genaustausch über Phagen hat nichts mit Antibiotika zu tun, das ist ein ganz natürlicher Prozess. Dass die Behandlung mit Antibiotika in der Regel gemieden wird liegt an erhöhter Toxinausschüttung wenn das Bakterium angegriffen wird.
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