Übersterblichkeit in Deutschland Deutlich mehr Tote in der ersten Dezemberhälfte

Neue Daten zeigen, wie viel mehr Menschen Anfang Dezember 2020 gestorben sind als in den Vorjahren. Besonders hoch ist die Übersterblichkeit in Sachsen.

In der zweiten Phase der Corona-Pandemie sind in Deutschland deutlich mehr Menschen gestorben als normalerweise zu dieser Jahreszeit. Das geht aus vorläufigen Daten zur sogenannten Übersterblichkeit hervor, die das Statistische Bundesamt an diesem Freitag veröffentlicht hat.  Demnach lag die Zahl der bundesweiten Todesfälle in der Woche vom 30. November bis 6. Dezember um etwa 18 Prozent höher als in den Vorjahren, in der Woche vom 7. Dezember bis 13. Dezember sogar etwa um 23 Prozent.

Zur Berechnung der Übersterblichkeit stellt das Statistische Bundesamt die bei den Meldeämtern erfassten Todesfälle im Jahr 2020 dem Durchschnitt der vier vorangegangenen Jahre gegenüber. Aus den Daten geht nicht hervor, woran die Menschen gestorben sind. Es ist aber wahrscheinlich, dass die Corona-Pandemie die derzeitige Übersterblichkeit verursacht. Anfang Dezember verkündete das RKI mehrmals neue Rekorde an Corona-Toten. Diese gemeldeten Fälle gehen in die nun veröffentlichte Sterbefallstatistik ein – und lassen die Kurve von 2020 in dieser Grafik steigen. 

Vermutlich wird die Kurve durch zusätzliche Effekte, die mit Corona zusammenhängen, beeinflusst. Wie eine Studie des Statistischen Bundesamts  beschreibt, könnten unter den Sterbefällen Menschen sein, die an Corona gestorben sind, ohne je positiv getestet und registriert worden zu sein. Damit bildet die Übersterblichkeit womöglich auch eine Dunkelziffer an Corona-Toten ab. Zum anderen könnten Sterbefälle, die nur indirekt mit der Krise zu tun haben, zur Übersterblichkeit beitragen. Zum Beispiel Menschen, die aus Angst vor Ansteckung zu spät in die Notaufnahme gefahren sind.

Zugleich könnte es den umgekehrten Effekt geben, dass weniger Menschen an anderen Infektionskrankheiten gestorben sind. Wegen der Hygienemaßnahmen und Kontaktbeschränkungen gibt es 2020 etwa nachgewiesen weniger Influenzafälle.

In manchen Bundesländern ist der Einfluss des Coronavirus auf die Sterbefallstatistik wohl besonders groß. Vor allem in Sachsen und Brandenburg sind 2020 deutlich mehr Menschen gestorben als im Schnitt der Vorjahre – in beiden Ländern lag die Übersterblichkeit vom 1. Januar bis zum 13. Dezember bei etwa sieben Prozent. Dabei waren das auch die Länder, in denen die Zahl der Corona-Neuinfektionen neben Thüringen zuletzt bundesweit am höchsten war.

Zwischen dem 30. November und dem 13. Dezember zählte das Statistische Bundesamt in Brandenburg 1619 Tote, das sind rund 27,5 Prozent mehr als im Durchschnitt. In Sachsen waren es sogar 3869 Tote, was einem Anstieg der Sterblichkeit in diesen beiden Wochen um rund 60 Prozent entspricht. 

Die folgenden Grafiken zeigen beispielhaft im Jahresverlauf, wie viele Menschen in Sachsen, Brandenburg, Berlin, Hessen und Bayern jeweils in den vergangenen fünf Jahren gestorben sind. Im Dezember gab es in allen Bundesländern viel mehr Sterbefälle, als man mit Blick auf die Vorjahre erwartet hätte. In mindestens einer Woche im Dezember lag die Sterblichkeit über dem Durchschnitt der Vorjahre. Eine so hohe Übersterblichkeit sieht man sonst nur bei der schweren Grippewelle im Frühling 2018.

Obwohl im Jahresschnitt in allen Bundesländern die Sterblichkeit gestiegen ist, sind einige Länder wie Schleswig-Holstein oder auch Thüringen bisher vergleichsweise glimpflich durch die Krise gekommen. Die Grafik zeigt, dass es aber überall starke Schwankungen gab. Besonders drastisch war die Übersterblichkeit im Frühjahr und Dezember – während der beiden Corona-Wellen.

Ältere Menschen sind durch Corona generell besonders gefährdet. Anfang Dezember 2020 sind bei den über 65-Jährigen über 39.550 Menschen mehr gestorben als im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019. Das entspricht einer Übersterblichkeit von fast 24 Prozent. Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung im Jahresverlauf – und den deutlichen Anstieg zu den Höhepunkten der Coronawellen in Deutschland. Bei den unter 65-Jährigen ist hingegen im vergangenen Jahr keine Übersterblichkeit zu beobachten.

Obwohl die Effekte der Corona-Pandemie in verschiedenen Bundesländern und Altersgruppen unterschiedlich stark ausgeprägt sind, zeigt sich insgesamt: Die Krise hatte in der ersten Dezemberhälfte deutliche Auswirkungen auf die Zahl der Sterbefälle in Deutschland. Während in der Grippewelle 2018 ein Anstieg der Sterblichkeit im Frühjahr sichtbar wird, ist die aktuelle Entwicklung vor allem auffällig, weil die Übersterblichkeit in einigen Bundesländern dauerhaft vergleichsweise hoch ist – insbesondere zum Ende des Jahres 2020. Und bislang deutet die Kurve nicht auf eine Entspannung hin.

Korrektur: In einer früheren Version wurden Sterbezahlen aus Brandenburg und Sachsen für den Zeitraum vom 30. November bis 6. Dezember genannt. Diese Angaben beziehen sich jedoch auf den zweiwöchigen Zeitraum vom 30. November bis zum 13. Dezember.