Umfrage Fast jeder dritte Deutsche ist Allergiker

Fast jeder dritte Deutsche leidet an einer Allergie - das hat eine repräsentative Umfrage ergeben. Ärzte kritisieren, dass Gesundheitspolitiker das Leid der Betroffenen unterschätzen. Zugleich scheue zahlreiche Betroffene den Weg zum Arzt - und behandeln sich lieber selbst.
Allergietest: Viele Deutsche nehmen ihre Behandlung selbst in die Hand

Allergietest: Viele Deutsche nehmen ihre Behandlung selbst in die Hand

Foto: A3637 Jörg Carstensen/ dpa

Berlin - Allergien werden nach Meinung von Dermatologen oftmals unterschätzt. Zum einen von den Allergikern selbst, die sich vielfach selbst behandeln und gar nicht erst nicht zum Arzt gehen. Zum anderen von der Politik, die nach Einschätzung der Ärzte den Leidensdruck der Betroffenen nicht wirklich erkennt. Dabei würden Konsequenzen für die gesamte Gesellschaft übersehen, wenn zum Beispiel Menschen mit schweren Allergien häufig bei der Arbeit fehlen.

Laut einer am Freitag in Berlin vorgestellten repräsentativen Forsa-Umfrage für die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) sind 27 Prozent aller Männer und 39 Prozent aller Frauen in Deutschland Allergiker. Das entspricht rund 25 Millionen Menschen und damit fast einem Drittel der Gesamtbevölkerung. 43 Prozent der Betroffenen leidet laut der Umfrage an einer Pollenallergie, 23 Prozent sind gegen Hausstaubmilben, 20 Prozent gegen Lebensmittel allergisch.

Eine Allergie sei "die häufigste chronische Erkrankung" in Deutschland, sagte DDG-Präsident Rudolf Stadler - und der Leidensdruck der Betroffenen oft sehr hoch. 53 Prozent von ihnen empfinden ihre Allergie laut der Befragung als belastend. 48 Prozent gaben an, dass sie sich in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt fühlen, wenn ihre Allergie auftritt.

Trotzdem nimmt mehr als die Hälfte der Allergiker ihre Behandlung selbst in die Hand. 58 Prozent der Befragten gaben an, die Allergie etwa durch nicht verschreibungspflichtige Medikamente in den Griff zu bekommen oder dadurch, dass sie den Auslöser meiden. Viele von ihnen waren wegen ihrer Allergie schon einmal in Behandlung, 30 Prozent aber nicht. Selbst wer in Behandlung ist, wird nach Meinung der Dermatologen nicht immer optimal versorgt.

Neurodermitiker müssen für ihre Salben selber bezahlen

Das gelte vor allem für Neurodermitis-Patienten. Die Studie "Atopic Health"  des Hamburger Dermatologen Matthias Augustin, deren Ergebnisse ebenfalls am Freitag vorgestellt wurden, ergab, dass trotz Therapie 93 Prozent der Betroffenen weiter unter Juckreiz leiden, der sie auch oft nicht schlafen lässt. Augustin zufolge könnten viele von ihnen besser behandelt werden, wenn mehr Kosten - zum Beispiel für rückfettende Salben - von den Krankenkassen übernommen würden. Arme Menschen könnten sich solche Salben oft nicht leisten.

Ein weiteres Problem sehen die Dermatologen zukünftig bei der Diagnose. Die Novellierung des Arzneimittelgesetzes sehe vor, dass der sogenannte Epikutantest - eine Art Pflaster mit potentiellen Allergieauslösern - strengeren Regeln unterworfen werde, sagte der Dermatologe Axel Schnuch. Damit drohe das Aus für eine "seit 100 Jahren erfolgreich eingesetzte Allergie-Diagnostik".

mbe/dapd

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