Affen-Experiment So ein Baby gab es noch nie

Wenn Jungen eine Chemotherapie benötigen, verlieren sie oft ihre Fruchtbarkeit. In einem Versuch mit Affen haben Forscher nun eine Methode entwickelt, wie Betroffene doch noch Vater werden könnten.

Aus Hodengewebe gezeugtes Affenbaby
PittHealthSciences/ UPMC

Aus Hodengewebe gezeugtes Affenbaby


Eine Chemotherapie bei Jungen kann die Hoden schädigen und eine spätere Vaterschaft unmöglich machen. Das Problem: Bis zur Pubertät haben sich noch keine Spermien gebildet, die vor der Behandlung entnommen und aufbewahrt werden könnten.

Bei dem Vorhaben, die Fruchtbarkeit von jungen Krebspatienten eines Tages möglicherweise doch zu erhalten, sind Forscher nun einen wichtigen Schritt weitergekommen. Dabei geholfen haben Affen: Erstmals haben Forscher jungen männlichen Primaten Hodengewebe entnommen, eingefroren und denselben Rhesusaffen nach der Pubertät wieder eingepflanzt. Danach entstanden in dem Gewebe Spermien, die zur Geburt eines gesunden Affenbabys führten.

"Grady kam am 16. April 2018 mit einem Gewicht von 471 Gramm zur Welt", schreibt das Team um Adetunji Fayomi von der Universitätsklinik Pittsburgh im Fachblatt "Science". Es hat allerdings einigen Aufwand betrieben, um das Tier zu zeugen:

  • Insgesamt haben die Forscher Hodengewebe von fünf jungen männlichen Primaten eingefroren.
  • In allen Affen entwickelten sich daraufhin Vorläuferzellen zu Spermien.
  • Mit diesen befruchteten die Wissenschaftler 138 Eizellen, 39 davon wuchsen mindestens bis ins Zwei-Zellen-Stadium.
  • Schließlich pflanzten die Forscher elf Embryonen in sechs weibliche Rhesusaffen ein.
  • Eine Schwangerschaft verlief erfolgreich.
Affen-Baby Grady im Alter von elf Monaten
Oregon Health and Science Univer

Affen-Baby Grady im Alter von elf Monaten

Die Studie sei ein Machbarkeitsnachweis, schreiben die Forscher. Als Grund für den Erfolg nennen sie vor allem den Umstand, dass sie deutlich größere Gewebestücke entnommen und wieder eingepflanzt haben als in früheren Versuchen. Die Stücke waren 9 bis 20 Kubikmillimeter statt 0,5 bis 1 Kubikmillimeter groß.

Anwendung beim Menschen wird noch Jahre dauern

Auch unabhängige Experten werten die Arbeit als Meilenstein, weisen aber darauf hin, dass es noch Jahre dauern kann, um zu prüfen, ob die Technik auch beim Menschen sicher funktioniert.

Das nun untersuchte Verfahren sei grundsätzlich auf den Menschen übertragbar, schreiben Stefan Schlatt und Nina Neuhaus vom Zentrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie der Uniklinik Münster in einem Kommentar zur Studie. Geklärt werden müsse aber noch, ob es auch für die Nachkommen sicher sei, ergänzt Artur Mayerhofer von der Universität München.

Auch unabhängig davon gibt es Hürden. Die Rhesusaffen im Versuch waren kastriert worden. Es müsse sich noch bestätigen, dass die Technik auch bei unkastrierten Primaten funktioniere, schreiben die Forscher. Außerdem komme das Verfahren nicht für alle Krebspatienten infrage. Bei Jungen mit Leukämie, Lymphom und Hodenkrebs bestehe die Gefahr, dass das entnommene Gewebe bösartige Zellen enthalte.

Ein Drittel der behandelten Jungen bleibt unfruchtbar

Krebsleiden und auch andere Erkrankungen wie Sichelzellanämie lassen sich oft nur mit Chemotherapie und Bestrahlung behandeln. Das kann bei männlichen Patienten Samenzellen oder deren Vorläufer so stark schädigen, dass die Betroffenen unfruchtbar werden.

Erwachsene können sich Spermien vor der Behandlung entnehmen lassen, einfrieren und damit später eine Eizelle künstlich befruchten lassen. Bei Jungen ist das nicht möglich: Vor der Pubertät, ehe der Körper verstärkt das Sexualhormon Testosteron ausschüttet, sind die Spermien noch nicht ausgereift. Allein wegen eines Krebsleidens bekommen in Deutschland pro Jahr etwa tausend Jungen eine potenziell fruchtbarkeitsschädigende Therapie.

Generell überlebten heutzutage mehr als 80 Prozent der Kinder eine Krebserkrankung, etwa ein Drittel von ihnen bleibe unfruchtbar, schreiben die Forscher um Fayomi.

jme/dpa

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.