Unicef-Bericht Zwei Millionen Teenager mit Aids-Erreger infiziert

Fünf Millionen junge Menschen sind HIV-positiv, darunter zwei Millionen Teenager, jeden Tag gibt es mehr als 2400 Neuinfektionen: Die Vereinten Nationen haben erstmals weltweit erfasst, wie stark Kinder und Jugendliche von der Seuche betroffen sind. Der Trend ist beunruhigend.

Junge Prostituierte in Bukarest: Frauen sind weltweit besonders stark von HIV betroffen
UNICEF

Junge Prostituierte in Bukarest: Frauen sind weltweit besonders stark von HIV betroffen

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An ambitionierten Zielen herrscht bei den Vereinten Nationen kein Mangel. Bis 2010 sollte die Zahl der Jugendlichen, die mit dem HI-Virus infiziert sind, um 25 Prozent gegenüber dem Jahr 2001 gesenkt sein. Doch in einem neuen Bericht räumt das Uno-Kinderhilfswerk Unicef ein, dass man von dieser Marke weit entfernt ist: Rund fünf Millionen 15- bis 24-Jährige trugen 2009 den Aids-Erreger - das sind nur rund zwölf Prozent weniger als 2001. Das 25-Prozent-Ziel für 2010 sei deshalb kaum erreichbar, heißt es in dem 68 Seiten starken Report mit dem Titel "Opportunity in Crisis" ("Chance in der Krise").

Für Elhadj As Sy, Unicef-Regionaldirektor für das südliche und östliche Afrika, ist das die größte Überraschung in dem Bericht. "Die Fortschritte", sagte As im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE, "sind leider nicht besonders beeindruckend." Zudem ist die HIV-Verbreitung unter Kindern und Jugendlichen in manchen Regionen sogar gestiegen - auch wenn sie global gesunken ist.

Besonders stark betroffen sind nicht immer nur die ärmsten Länder: Auch in reicheren Staaten gibt es teils gefährliche Entwicklungen. In Osteuropa und Lateinamerika sieht As eine "Banalisierung der Seuche": Anders als in den achtziger und neunziger Jahren gebe es kaum noch Programme zu Prävention und Aufklärung. Moderne Medikamente ließen Aids mitunter wie einen "chronischen Zustand" erscheinen. Die Folge: Die Infektionsrate bleibt auf hohem Niveau, wie auch in Deutschland, oder sie steigt sogar. "Ein sehr bedenklicher Trend", sagt As.

Die wichtigsten Ergebnisse des neuen Unicef-Berichts:

  • 4,3 bis 5,9 Millionen 15- bis 24-Jährige waren 2009 weltweit HIV-positiv, darunter 1,8 bis 2,4 Millionen 10- bis 19-Jährige. Letztere Zahl sei erstmals überhaupt erhoben worden.
  • 890.000 junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren haben sich 2009 neu infiziert - das macht mehr als 2400 Infektionen pro Tag. Auf diese Altersgruppe entfallen damit 41 Prozent aller Neuinfektionen bei Menschen ab 15 Jahren.
  • In Deutschland waren 2009 von den knapp 8,4 Millionen Kindern von 10 bis 19 Jahren weniger als 500 Mädchen mit HIV infiziert. Hier sind Jungen deutlich stärker betroffen: Unicef schätzt ihre Zahl auf etwa 1200. Noch größer ist dieser Unterschied in der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen: Hier geht der Bericht von 1300 weiblichen und 4300 männlichen Infizierten aus.
  • Global gesehen sind Frauen von 15 bis 24 Jahren wesentlich stärker von HIV bedroht als Männer: 60 Prozent aller infizierten Jugendlichen sind weiblich, in Afrika südlich der Sahara liegt der Anteil sogar bei 72 Prozent.

Die Tragödie besteht in vielen Regionen darin, dass den Experten die Hauptgefahren bekannt sind - ebenso wie die geeigneten Gegenmaßnahmen. Allzu oft aber scheitert es an der Umsetzung, weil es an Geld, Medikamenten oder Aufklärungsprogrammen mangelt und kulturelle Probleme hinzukommen. So rechnet Unicef vor, dass die 15- bis 24-Jährigen rund 40 Prozent aller Arbeitslosen weltweit stellen. Die Folgen seien oft Armut, soziale Isolation, Prostitution und Drogensucht.

Der Bericht enthält deshalb auch Empfehlungen zur Prävention. So sollten Aufklärungsprogramme in Schulen, Gesundheitsstationen und religiösen Einrichtungen ausgebaut werden, auch mit Hilfe neuer Technologien. Jugendliche in Uganda etwa hätten Freiminuten für ihr Handy bekommen, wenn sie per SMS Fragen zu HIV und Aids richtig beantworteten.

Der wichtigste Faktor für einen effektiveren Kampf gegen die HIV-Seuche ist allerdings das unmittelbare soziale Umfeld der Jugendlichen, wie die Experten betonen. "Für viele junge Menschen ist eine HIV-Infektion Folge von Vernachlässigung, Ausschluss und Gewalt", sagt Unicef-Exekutivdirektor Anthony Lake. "Zu oft haben ihre Familie oder Gemeinde die Augen davor verschlossen."

HIV-positive Jugendliche zwischen 10-19 Jahren, nach Regionen, 2009

Region
Mädchen
Jungen
Gesamt
geschätzt niedrigste / höchste Schätzung geschätzt niedrigste / höchste Schätzung geschätzt niedrigste / höchste Schätzung
Ost und Südafrika 760.000 670.000- 910.000 430.000 370.000 - 510.000 1.200.000 1.000.000- 1.400.000
West- und Zentral-Afrika 330.000 270.000- 440.000 190.000 140.000- 240.000 520.000 390.000- 680.000
Naher Osten, Nordafrika 22.000 17.000- 30.000 9.700 7.800- 12.000 32.000 25.000- 40.000
Südasien 50.000 44.000- 57.000 54.000 47.000- 66.000 100.000 90.000- 130.000
Ostasien und Pazifik 27.000 15.000- 30.000 23.000 14.000- 34.000 50.000 29.000- 73.000
Latein-Amerika und Karibik 44.000 34.000- 55.000 44.000 31.000- 82.000 88.000 62.000- 160.000
GUS, Mittel- und Osteuropa 9.000 7.700- 10.000 3.900 3.400 - 4.500 13.000 11.000- 15.000
Gesamt 1.300.000 1.100.000- 1.500.000 780.000 670.000- 900.000 2.000.000 1.800.000- 2.400.000

Quelle: Report "Opportunity in crisis:
Preventing HIV from early adolescene to early adulthood", UNICEF 2011



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Seite 1
juergw. 01.06.2011
1. Wieso beunruhigend ??
Zitat von sysopFünf Millionen junge Menschen sind HIV-positiv, darunter zwei Millionen Teenager, jeden Tag gibt es mehr als 2400 Neuinfektionen: Die Vereinten Nationen haben erstmals weltweit erfasst, wie stark Kinder und Jugendliche von der Seuche betroffen sind. Der Trend ist beunruhigend. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,766121,00.html
In fünzig Jahren haben wir noch 1 Milliarde Menschen auf diesem Planeten-die Menschheit wird also nicht aussterben. Das natürlich überall Gefahren lauern,die das Leben verkürzen können-damit muß man Leben.No Risk no Fun lautet bei einigen die Devise.
Nonvaio01 01.06.2011
2. richtig
Zitat von juergw.In fünzig Jahren haben wir noch 1 Milliarde Menschen auf diesem Planeten-die Menschheit wird also nicht aussterben. Das natürlich überall Gefahren lauern,die das Leben verkürzen können-damit muß man Leben.No Risk no Fun lautet bei einigen die Devise.
Unsere Gesellschaft ist eh nicht darauf vorbereitet fuer die Aelteren zu sorgen in ca 20 Jahren. Also ist es nicht so schlimm wenn ein paar weniger die Rentenkasse belasten. Es ist schliesslich jedem selbt ueberlassen sich zu schuetzen.
rst2010 01.06.2011
3. statistisches wunder
'Die Vereinten Nationen haben erstmals weltweit erfasst, wie stark Kinder und Jugendliche von der Seuche betroffen sind. Der Trend ist beunruhigend.' Wie kann man einen Trend berechnen/feststellen, wenn die Daten zum ersten mal überhaupt erhoben wurden. Das ist schlichtweg unmöglich.
kästchen 01.06.2011
4. ...
Warum lässt Spon so einen fahrlässig bis tödlichen Beitrag überhaupt durch? Das HIV-Virus ist schon längst isoliert worden. Was Sie als seriös bezeichnen, ist wohl vom Kopp-Verlag...
tz88ww 01.06.2011
5. Hirnwäsche 2011
Es ist wie in der Kirche: Wichtig ist nicht wie etwas ist, sondern was die Leute glauben. Solange 90% der Leute des Schwachsinn glauben, ist für die Pharmies die Welt in Ordnung. Das schönste ist, der Virenmythos ist bis zum Exzess abwandelbar: Vogelgrippe und Schweinegrippe nur mal Beispiel genannt: http://forum.spiegel.de/showpost.php?p=5286063&postcount=103 http://forum.spiegel.de/showpost.php?p=5319636&postcount=105 http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/mahlzeit/1322797/ Hochrechnungen: In einer „Wissenschafts“postille stand tatsächlich mal der Satz, dass „Wissenschaftler“ aus Stichproben und Hochrechnungen multipliziert mit „Umrechnungsfaktoren“ die „tatsächliche Zahl“ der „Infizierten“ errechnet hätten. Na denn man tau. Einen schönen Tag noch.
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