Uno-Organisationen warnen vor Corona-Folgen 117 Millionen Kindern droht Ansteckung mit Masern

Wegen der Covid-19-Pandemie mussten viele Länder ihre Impfkampagnen unterbrechen. Dadurch fehlt Millionen Kindern nun der Schutz vor Masern.
Philippinisches Kind mit Masern: Wegen Covid-19 mussten Impfkampagnen unterbrochen werden

Philippinisches Kind mit Masern: Wegen Covid-19 mussten Impfkampagnen unterbrochen werden

Foto: Alejandro Ernesto/ DPA

Weil viele Länder im Kampf gegen das Coronavirus ihre Impfprogramme einschränken, könnten weltweit rund 117 Millionen Kinder an Masern erkranken. Das teilten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das UN-Kinderhilfswerk Unicef am Dienstag mit. Gegenwärtig hätten 24 Länder ihre groß angelegten Impfkampagnen ausgesetzt, 13 weitere hätten ihre Impfprogramme unterbrechen müssen.

Es sei jedoch von entscheidender Bedeutung, dass die Impfkapazitäten während und nach der Pandemie beibehalten würden, erklärte die von WHO und Unicef mitgetragene Masern- und Röteln-Initiative (M&RI). Zwar sei es zum Schutz vor einer Ansteckung notwendig, dass Massenkampagnen unterbrochen würden. Allerdings dürften die "Kinder dabei nicht dauerhaft zu kurz kommen".

Der bei Unicef für Impfungen zuständige Experte Robin Nandy riet eindringlich allen Ländern, schon jetzt Aufholimpfungen für die Zeit zu planen, wenn die Beschränkungen im Kampf gegen das Coronavirus wieder aufgehoben werden.

Seit Jahren nehmen Masernfälle wieder zu

Jedes Jahr stecken sich weltweit rund 20 Millionen Menschen, darunter vor allem Kleinkinder, mit Masern an. Obwohl genügend Impfstoff zur Verfügung steht, breitet sich die hoch ansteckende Krankheit seit einigen Jahren wieder aus, nicht zuletzt auch wegen vieler Impfgegner in den westlichen Staaten. Viele der 140.000 Masern-Toten im Jahr 2018 kamen aus Ländern mit Impfprogrammen.

Auch mehrere der rund zwei Dutzend Länder, die ihre Impfprogramme nun im Namen der Coronakrise offiziell ausgesetzt haben, hatten in den vergangenen Jahren einen besorgniserregenden Anstieg der Masernfälle verzeichnet. Dazu zählen Bangladesch, Brasilien, die Demokratische Republik Kongo, der Südsudan, Nigeria, die Ukraine und Kasachstan.

Experten warnen bereits seit Beginn der Pandemie, dass Programme gegen andere Infektionskrankheiten wie etwa Polio und Tuberkulose leiden könnten, weil medizinisches Personal für den Kampf gegen Covid-19 abgezogen werde. Von diesen Krankheiten sind vor allem Babys und Kinder betroffen.

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Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.

In Deutschland wurden im Jahr 2018 nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 528 Masernfälle gezählt. Die Zahl schwankt in Deutschland von Jahr zu Jahr stark. Laut RKI gab es in den zehn Jahren bis 2018 zwischen 165 und 2465 Fälle pro Jahr.

hei/AFP/dpa