Koalitionsgespräche Patienten sollen schneller Facharzttermin bekommen

Gesetzlich Versicherte sollen in Zukunft binnen vier Wochen einen Termin beim Facharzt bekommen - das jedenfalls würde eine Große Koalition garantieren. Servicestellen sollen die Koordination übernehmen. Sind alle Praxen belegt, kann sich der Patient an ein Krankenhaus wenden.

Bald vorbei? Servicestellen sollen die Terminvergabe für gesetzlich Versicherte neu regeln
DPA

Bald vorbei? Servicestellen sollen die Terminvergabe für gesetzlich Versicherte neu regeln


Berlin - Monatelanges Warten auf einen Termin beim Facharzt könnte bald ein Ende haben. Union und SPD wollen gesetzlich Versicherten einen Termin garantieren: Innerhalb von vier Wochen soll der Besuch möglich werden. Dies beschlossen die Mitglieder der AG Gesundheit während der Koalitionsverhandlungen am Donnerstag in Berlin.

Damit die Terminvergabe gelingt, sollen eigens Servicestellen eingerichtet werden, die die Organisation übernehmen. Wenn innerhalb der vier Wochen kein niedergelassener Facharzt gefunden ist, könne der Versicherte einen Mediziner in einer Klinik aufsuchen, sagte Karl Lauterbach, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD, SPIEGEL ONLINE. Eingerichtet werden sollen die Stellen durch die Kassenärztlichen Vereinigungen in den Ländern, gemeinsam mit den Krankenkassen. Auch die Finanzierung soll durch diese beiden Parteien erfolgen.

"Gesetzlich Versicherte zahlen bis zu 350 Euro Beitrag im Monat. Wir finden, dafür muss auch eine zeitnahe Terminvermittlung möglich sein", erklärte CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn. "Da, wo es objektiv zu wenig Ärzte gibt, sollen dann Krankenhäuser einspringen können."

Der Beschluss hilft vor allem den Patienten, die oft viele Wochen auf einen Termin beim Psychotherapeuten, Orthopäden oder Gynäkologen warten müssen. Er ist ein Erfolg für die SPD, doch die hat eigentlich noch viel weitergehende Wünsche. Die Sozialdemokraten würden gerne das derzeit geltende System der privaten und gesetzlichen Krankenkassen durch eine gemeinsame Versicherung für alle Deutschen, die Bürgerversicherung, ersetzen. Ob die nun vom Tisch ist und die Facharzt-Termingarantie ein Trostpflaster darstellt, wollte Lauterbach nicht kommentieren.

Er verwies lieber auf einen weiteren Punkt, den die Gesundheitspolitiker von SPD und CDU am Donnerstag entschieden haben: Um die Qualität der Gesundheitsversorgung in Zukunft besser kontrollieren zu können, soll ein neues Institut eingerichtet werden. Ähnlich dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) soll es ein unabhängiges Haus sein.

Während das IQWiG den Nutzen und neuerdings auch die Kosten von Arzneimitteln im Blick hat, was ihm den Spitznamen "Arzneimittel-Tüv" einbrachte, soll das neue Institut die Daten aller Krankenhäuser und Krankenkassen zusammenführen und auswerten. Mit diesen Analysen soll zum Beispiel schneller klar werden, wo ein Krankenhaus in Deutschland schlechter arbeitet, wo unnötig viele Operationen durchgeführt werden oder wo in einer Region eine bestimmte medizinische Leistung fehlt.



insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
Herbert Deichselmann 07.11.2013
1. und was ist mit Oma?
Klingt theoretisch mal wieder ganz toll, was die SPD sich da ausgedacht hat. nur wie soll meine Oma denn ins Krankenhaus kommen... mit dem Bus? - klar Fachärzte sind nicht alle direkt um die Ecke, aber eine Vermittlung von Patienten als wenn alle gleichermaßen flexibel und mobil wären ist doch blanker Unfug! finds aber herrlich wie es die Sozis der FDP gleich machen und sich selbst ins Aus schießen, weil nichts vom geplanten klappen kann.
Herbert Deichselmann 07.11.2013
2. und was ist mit Oma?
Klingt theoretisch mal wieder ganz toll, was die SPD sich da ausgedacht hat. nur wie soll meine Oma denn ins Krankenhaus kommen... mit dem Bus? - klar Fachärzte sind nicht alle direkt um die Ecke, aber eine Vermittlung von Patienten als wenn alle gleichermaßen flexibel und mobil wären ist doch blanker Unfug! finds aber herrlich wie es die Sozis der FDP gleich machen und sich selbst ins Aus schießen, weil nichts vom geplanten klappen kann.
Logo1717 07.11.2013
3. Gibt es gar Gründe für die unterschiedlichen Wartezeiten????
Da hat wohl wie immer im Gesundheitswesen die Intuition über den Verstand gesiegt. Man könnte sich ja auch mal überlegen, warum bei dem einen Facharzt lange Wartezeiten bestehen und zu dem anderen niemand hin will. Dieses Qualitätsproblem wird jetzt gelöst, indem die Regierung auch diesen Ärzten zu einem guten Auskommen verhilft.... Lobbyismus mal anders???
logabjörk 07.11.2013
4. und die Erde ist eine Scheibe.....
solange es die Privatversicherung gibt, bleibt alles wie`s ist!! Ist doch logo. Was ist mit der Bürgerversicherung? Schon lange nix mehr von gehört?
laubfrosch69 07.11.2013
5. Typisch Deutsch - wir erlassen eine Verordnung, gründen eine Behörde und schon gehts
Dies beiden Herren haben immer noch nicht begriffen, daß die Anzahl der verfügbaren Ärzte im freien Fall begriffen ist. Und die, die noch da sind, können halt auch nur arbeiten. Und im Schnitt arbeiten Kassenärzte schon 55-60 Stunden in der Woche. Nun werden sie also unter Androhung von Strafe dazu gezwungen noch massiver gegen die EU-Arbeitszeitrichtlinien zu verstoßen und gegen das deutsche Arbeitszeitgesetz. - Und dann noch der Witz, daß die Leute ins Krankenhaus gehen können !!! - da sind doch genauso lange Wartezeiten. Heute Mitteilung der KV RLP: "In Rheinland-Pfalz werden bis zum Jahr 2020 etwa 3.400 Ärzte und Psychotherapeuten ihre Praxen aus Altersgründen abgeben. Die Zahl der Absolventen medizinischer Studiengänge reiche schon heute nicht aus, um diese wegfallenden Stellen zu ersetzen, so das Fazit der KV Rheinland-Pfalz (KV RLP) im Rahmen der ersten landesweiten Demographiewoche vom 28. Oktober bis 4. November 2013." - In RLP gibt es übrigens 7480 niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten. Und wir reden von einem Zeitraum von 7 (!!) Jahren.
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