Uno-Einsatz gefordert Forscher machen sich für Anti-Fett-Vertrag stark

Mehr als 1,5 Milliarden Erwachsene weltweit gelten als übergewichtig. Forscher warnen, Fettleibigkeit habe in den USA und Australien das Rauchen als Gesundheitsgefahr überholt. Nun fordern sie Zusatzsteuern auf ungesunde Ernährung - und am besten einen Uno-Vertrag.
Schüler in Kalifornien (2009): Übergewicht als weltweites Problem

Schüler in Kalifornien (2009): Übergewicht als weltweites Problem

Foto: JUSTIN SULLIVAN/ AFP

London - Die Zahlen sind dramatisch: Einer aktuellen Studie der University of Melbourne zufolge sind mittlerweile mehr als 1,5 Milliarden erwachsene Menschen auf der Welt übergewichtig. Dazu kommen 500 Millionen Fettleibige sowie 170 Millionen Kinder, die entweder übergewichtig oder fettleibig sind. Während in Japan und China beispielsweise nur eine von 20 erwachsenen Frauen fettsüchtig sei, fiele in den USA eine von dreien in diese Kategorie.

Forscher fordern deswegen nun, dass Regierungen weltweit der Ausbreitung von Übergewicht und Fettleibigkeit mit radikalen Schritten entgegentreten. In der Medizinzeitschrift "The Lancet"  rufen sie deswegen dazu auf, dass die Vereinten Nationen - ähnlich wie im Fall des Tabakkonsums - eine Rahmenkonvention zur Kontrolle von Fettleibigkeit verabschieden. Ohne die Führung von Regierungen sei die Epidemie des Übergewichts nicht mehr rückgängig zu machen, heißt es im Leitartikel des Magazins. Ohnehin scheint bereits jetzt klar, dass auch in den kommenden Jahren die Zahl der Dicken zum Beispiel in den USA weiter steigen wird.

In manchen Regionen wie etwa den USA oder dem Westen Australiens habe Fettleibigkeit mittlerweile das Rauchen als größte zu verhindernde Gesundheitsgefahr überholt. Mittlerweile seien auch Länder mit niedrigen oder mittleren Einkommen betroffen, warnen die Forscher. Als fettleibig gilt, wer als Ergebnis der Body-Mass-Index-Formel "Gewicht durch Körpergröße in Metern zum Quadrat" einen Wert von mehr als 30 erreicht. Allerdings ist die Aussagekraft des BMI durchaus umstritten.

Um der Ausbreitung von Fettleibigkeit Einhalt zu gebieten, müssten Regierungen unter anderem Zusatzsteuern auf ungesundes Essen und Trinken erheben, fordern Forscher der Harvard School of Public Health im US-amerikanischen Boston. frühere Experimente hatten gezeigt, dass eine Preissteigerung bei ungesunden Lebensmitteln positive Effekte bei der Ernährung haben kann.

Außerdem müsse ähnlich wie beim Rauchen die Werbung für ungesundes Essen kontrolliert werden, vor allem, um Kinder zu schützen, argumentieren die Wissenschaftler nun. Bei einem Treffen der Vereinten Nationen im September müsse das Thema dringend behandelt werden.

chs/dpa
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