Uno-Studie 745.000 Tote im Jahr durch Überarbeitung

Eine Überstunde hier, eine Wochenendschicht da: Zu lange Arbeitszeiten verursachen laut den Vereinten Nationen jährlich Hunderttausende Todesfälle – vor allem durch Herzinfarkte und Schlaganfälle.
Bürogebäude in Deutschland (Symbolbild)

Bürogebäude in Deutschland (Symbolbild)

Foto: Roland Holschneider/ picture alliance / dpa

In vielen Unternehmen gehört die Mehrarbeit zum guten Ton. Doch so harmlos die eine oder andere Überstunde wirken mag: In der Gesamtmenge stellen lange Arbeitszeiten einer Uno-Studie zufolge ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar – und kosten jährlich Hunderttausende Menschenleben.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Internationale Arbeitsorganisation gehen davon aus, dass im Jahr 2016 weltweit rund 398.000 Menschen an Schlaganfällen und etwa 347.000 an koronarer Herzerkrankung starben, weil sie 55 Wochenstunden oder mehr gearbeitet hatten. Die Genfer Uno-Behörden veröffentlichten am Montag erstmals globale Schätzungen zu diesem Problem.

Durch kein anderes Gesundheitsrisiko am Arbeitsplatz gehen demnach so viele gesunde Lebensjahre verloren wie durch Überarbeitung. Laut der Studie nahmen tödliche Herzerkrankungen und Schlaganfälle mit Arbeitsbezug zwischen 2000 und 2016 stark zu. Die Coronakrise könnte diese Entwicklung noch verstärken, warnte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus: Im Homeoffice verschwömmen Arbeit und Freizeit häufig. Stellenkürzungen erhöhten die Belastung für die verbleibenden Mitarbeiter.

Vielerorts gelten 35 bis 40 Wochenstunden als Norm, doch besonders in Asien, Afrika und Lateinamerika arbeiten relativ große Teile der Bevölkerung viel mehr. Laut der aktuellen Analyse steigt ab 55 Stunden das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen stark an.

Die WHO hatte 2019 zudem den Burn-out klar als Syndrom definiert, das im Zusammenhang mit Belastungen bei der Arbeit steht. Als Syndrom bezeichnet die Medizin eine Kombination mehrerer Krankheitszeichen, die wahrscheinlich auf die gleiche Ursache zurückzuführen sind.

Auch Burn-out steht mit dem Arbeitsplatz in Verbindung

Die WHO beschreibt Burn-out als Syndrom aufgrund von »chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet wird«. Das Syndrom hat laut ICD-11 drei Dimensionen:

  • ein Gefühl von Erschöpfung,

  • eine zunehmende geistige Distanz oder negative Haltung zum eigenen Job und

  • ein verringertes berufliches Leistungsvermögen.

Zudem weist die WHO darauf hin, dass der Begriff Burn-out ausschließlich im beruflichen Zusammenhang und nicht »für Erfahrungen in anderen Lebensbereichen« verwendet werden sollte.

jok/dpa