Ursprung von Sars-CoV-2 Forscher findet gelöschte Coronavirus-Sequenzen in der Cloud

In einem digitalen Ordner ist ein US-Virologe einem Medienbericht zufolge auf Gensequenzen früher Coronavirusfälle gestoßen. Die Daten waren gelöscht worden. Der Fund wirft neue Fragen auf.
In einer Klinik in Wuhan werden Patienten auf Sars-CoV-2 getestet. In der chinesischen Provinz Hubei trat das Virus erstmals auf.

In einer Klinik in Wuhan werden Patienten auf Sars-CoV-2 getestet. In der chinesischen Provinz Hubei trat das Virus erstmals auf.

Foto: Barcroft Media / Getty Images

Die Daten von mehr als 200 Virusproben von frühen Covid-19-Fällen aus der chinesischen Stadt Wuhan verschwanden vor etwa einem Jahr aus einer wissenschaftlichen Datenbank. Bislang ist unklar, warum.

Einen kleinen Teil dieser Daten hat Jesse Bloom, ein US-amerikanischer Wissenschaftler und Virologe, nach eigenen Aussagen nun wiedergefunden, wie die »New York Times«  berichtete. Demnach stieß der Mann aus Seattle in Dateien, die in der Google Cloud gespeichert waren, auf 13 dieser ursprünglichen Sequenzen.

Über die neuen Daten schrieb der Wissenschaftler : »Die phylogenetische Analyse dieser Sequenzen (…) legt nahe, dass die Sequenzen vom Huanan Seafood Market, die im Mittelpunkt des gemeinsamen Berichts von WHO und China stehen, nicht vollständig repräsentativ für die Viren in Wuhan zu Beginn der Epidemie sind.« Sein Paper wurde noch nicht wissenschaftlich überprüft.

Im besten Fall könnten diese Sequenzen neue und bislang unbekannte Informationen darüber beinhalten, wann und wie das Virus Sars-CoV-2 von einer Fledermaus  oder einem anderen Tier auf den Menschen übergesprungen sein könnte.

Gibt es einen Zusammenhang mit der Laborleck-Theorie?

Die These, dass Sars-CoV-2-Viren aus einem Hochsicherheitslabor in Wuhan entwichen  sein könnten, stützen diese neuen Erkenntnisse nicht, heißt es in dem Zeitungsbericht – sie würden die Theorie allerdings auch nicht widerlegen. Eine Antwort auf die Frage, warum die frühen Virussequenzen aus der Datenbank überhaupt gelöscht worden sind, bleibe jedoch noch aus.

Jesse Bloom hatte dem Bericht nach prüfen wollen, welche genetischen Daten Forschungsgruppen veröffentlicht hatten. Dabei sei er auf eine Studie vom März 2020 gestoßen. Teil dieser Studie sei eine Kalkulationstabelle  mit Informationen über 241 genetische Sequenzen gewesen, die von Wissenschaftlern der Universität Wuhan gesammelt worden waren. Die Tabelle habe gezeigt, dass die Sequenzen in eine Onlinedatenbank namens Sequence Read Archive  hochgeladen worden waren. Diese Datenbank wird von der National Library of Medicine der US-Regierung verwaltet. Als Bloom in der Datenbank nach den Wuhan-Sequenzen gesucht habe, sei allerdings kein einziges Ergebnis auffindbar gewesen.

Nach weitergehender Recherche habe er einige der Sequenzen in Ordnern in der Google Cloud finden können. Um eindeutige Schlüsse aus den neuen Daten zu ziehen, seien weitere Untersuchungen nötig.

vki
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