US-Corona-Berater Anthony Fauci Er ist wieder da

Donald Trump hatte seinen Experten Anthony Fauci als »Panikmacher« kritisiert. Jetzt leitet der rehabilitierte Berater unter Joe Biden einen Kurswechsel ein. Schon heute nehmen die USA wieder an einer WHO-Sitzung teil.
Anthony Fauci am 19. November

Anthony Fauci am 19. November

Foto: Tasos Katopodis / Getty Images

Die Corona-Pläne der neuen US-Regierung werden konkreter. Dazu gehört auch, Verantwortung zu übernehmen für den Rest der Welt. Nach Angaben des medizinischen Chefberaters Anthony Fauci wollen sich die USA an dem Covax-Programm beteiligen, das einen weltweit gleichmäßigen und gerechten Zugang zu Corona-Impfstoffen garantieren soll. Knapp 200 Länder gehören Covax an, darunter Deutschland, die anderen EU-Länder und China.

Präsident Joe Biden werde noch im Laufe des Tages eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnen, teilte Fauci der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit. »Die Regierung Bidens plant, mit vollem Engagement die globale Gesundheit zu verbessern.« Er bekräftigte zugleich, dass die USA den Austritt aus der WHO stoppen würden. Biden hatte als eine seiner ersten Amtshandlungen am Mittwoch den von seinem Vorgänger Donald Trump veranlassten Rückzug der USA aus der UN-Behörde rückgängig gemacht.

Der Gesundheitsberater gegen Donald Trump

Anthony Fauci hatte ebenfalls Donald Trump während der Coronakrise beraten und dessen Entscheidungen auch öffentlich kritisiert. So sagte Fauci etwa, er sei »absolut nicht« überrascht gewesen, dass sich Donald Trump mit dem Coronavirus infiziert habe. In Bezug auf eine Veranstaltung im Rosengarten des Weißen Hauses sprach der Immunologe von einem »Superspreader-Event«.

Trump wiederum bezeichnete Fauci unter anderem als »Panikmacher« und warf ihm vor, während der Pandemie Fehler gemacht zu haben. »Jedes Mal, wenn er im Fernsehen auftritt, gibt es immer eine Bombe, aber es gibt eine größere Bombe, wenn man ihn feuert. Der Typ ist eine Katastrophe«, sagte Trump nach Angaben der »New York Times « im Oktober in einer Telefonschalte mit seinem Wahlkampfteam. »Die Leute haben es satt, Fauci und diese Idioten zu hören, all diese Idioten, die Fehler gemacht haben.«

Joe Biden ist bereits der siebte Präsident, den Fauci berät. »Einer der Gründe, warum es mir möglich war, sechs Präsidenten der Vereinigten Staaten seit Ronald Reagan effektiv und erfolgreich zu beraten, ist, dass ich völlig unpolitisch bin«, antwortete er im August in einem SPIEGEL-Gespräch  auf die Frage, ob er insgeheim auf einen Präsidenten Joe Biden hoffe. »Ich bin Wissenschaftler. Ich bin Mediziner. Ich bin ein Experte des öffentlichen Gesundheitswesens.«

Bidens Corona-Plan: Pandemie mit Kraftakt eindämmen

Bidens erklärtes Ziel ist es, mit einem Kraftakt zur Eindämmung der Pandemie so schnell wie möglich einen politischen Kurswechsel in der Krise einzuleiten. Mit Fauci als Delegationsleiter will die neue Regierung schon am Donnerstag wieder an einer WHO-Sitzung teilnehmen.

Trump hatte die WHO-Beiträge im April eingefroren. Die USA waren bislang mit mehr als 100 Millionen Dollar wichtigster Geldgeber der Organisation und sind seit dem 21. Juni 1948 Mitglied der WHO. Ein Rückzug ist mit einer zwölfmonatigen Kündigungsfrist verbunden.

Trumps Entscheidung, die Zusammenarbeit mit der WHO zu beenden, hatte weltweit Kritik ausgelöst. Der damalige US-Präsident machte der Organisation schwere Vorwürfe in Bezug auf ihren Umgang mit der Pandemie: Er beschuldigte sie, zu spät über die Gefahr des Coronavirus informiert und sich notwendigen Reformen verschlossen zu haben und damit mitverantwortlich für die hohe Opferzahl zu sein.

Außerdem hatte er der WHO vorgeworfen, unter der Kontrolle der chinesischen Regierung zu stehen. Peking hätte nach Ansicht Trumps die weltweite Verbreitung des Coronavirus verhindern müssen, habe stattdessen aber die Herkunft des Virus verschleiert.

Tatsächlich hatte die WHO bereits im Juli angekündigt, eine Expertengruppe nach China schicken zu wollen, die den Ursprung des Virus aufklärt. Das Team werde »in wenigen Wochen« eintreffen, hieß es damals. Doch offenbar verwehrten die Verantwortlichen in China über Monate den Zutritt. Im November startete die WHO einen erneuten Vorstoß. Der Ursprung des Virus ist ein Politikum, weil es dabei auch um die Frage geht, wer Schuld an der weltweiten Virusausbreitung hat.

Außerdem stieß der Ex-Präsident sich daran, dass die USA mehr Geld an die in Genf ansässige Weltgesundheitsorganisation zahlen als China. Die Höhe der Mitgliedsbeiträge hängt laut WHO von der Bevölkerungsgröße und dem Wohlstand des Landes ab.

irb/dpa
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