Bericht der "New York Times" US-Programm zur Pandemieforschung soll wiederbelebt werden

Wer eine Chance haben will gegen die nächste Pandemie, muss Erreger im Blick haben, die vom Tier auf den Menschen überspringen. Ein großes US-Forschungsprogramm dazu war eingestellt worden. Jetzt soll es wieder starten.
Ein Forscher in Thailand hält eine Fledermaus in der Hand

Ein Forscher in Thailand hält eine Fledermaus in der Hand

Foto: Sakchai Lalit / AP

Selbst wenn es gelingt, Corona einzudämmen - die nächste Pandemie könnte schon vor der Tür stehen. Immer wieder haben Forschende davor gewarnt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis wieder ein Erreger vom Tier auf den Menschen überspringt und sich anschließend ausbreitet - mit potenziell dramatischen Konsequenzen.

Zoonosen, so lautet der Fachbegriff für diese Infektionen, die eigentlich aus dem Tierreich stammen. Und wer eine Chance haben will im Kampf gegen Pandemien, der muss diese Erkrankungen im Blick behalten. Doch die wichtigsten Hinweise findet man nicht im Labor, man muss an eher abgelegenen Orten der Welt fahnden. Forscher spüren dazu Fledermäuse in ihren Höhlen auf, sie untersuchen tote Gorillas im Regenwald oder schauen sich auf Wildtiermärkten um.

Genau das haben Wissenschaftler seit zehn Jahren unter anderem im Rahmen eines US-Regierungsprogramms namens "Predict" getan. In dieser Zeit, so rechnet die "New York Times" vor, haben daran 5000 Forscher in 30 Ländern Afrikas und Asiens teilgenommen. Insgesamt 60 Virenlabore seien gegründet oder technisch aufgerüstet worden. Bei der Suche in 140.000 gesammelten Gewebeproben habe man 1000 neue Krankheitserreger gefunden, unter anderem einen neuen Stamm des Ebolavirus. Die Gesamtkosten für das Programm hätten bei 207 Millionen Dollar gelegen.

Zunächst gab es nur eine Gnadenfrist

Doch dann entschied sich die Administration von Präsident Donald Trump, das Programm unter der Leitung der Entwicklungshilfeorganisation USAID auslaufen zu lassen . Nach Kritik aus der Wissenschaft lenkte man in der Corona-Pandemie teilweise ein und gab dem Programm noch eine Gnadenfrist von einigen Monaten. Nun, so schreibt die "New York Times" , wird "Predict" wohl doch regulär verlängert, wenn auch unter einem anderen Namen. Die Zoonosenforschung soll jetzt unter dem Namen "Stop Spillover" unterstützt werden, berichtet die Zeitung.

Allerdings wird in dem Artikel auch Dennis Carroll zitiert, der Gründer von "Predict". Er hatte nach dem verkündeten Ende des Programms seine Stelle im öffentlichen Dienst aufgegeben und war an die Universität Texas A&M in College Station gewechselt. Carroll erklärte, er habe "Stop Spillover" bereits seit Jahren vorbereitet. Es sei als Ergänzung von "Predict" gedacht gewesen. Wenn USAID es nun als Fortsetzung des bisherigen Programms verkaufe, dann versuche die Organisation, sich möglichst gut darzustellen.

Globales Projekt will Virenerbgut untersuchen

Das Programm ist nicht das einzige Projekt für die Suche nach Zoonosen. In den USA fördert zum Beispiel auch das National Institute of Allergy and Infectious Diseases unter Leitung des Immunologen Anthony Fauci die Gründung internationaler Partnerlabore mit insgesamt 82 Millionen Dollar. Hier soll es aber vor allem um die Arbeit an Medikamenten und Impfstoffen gehen, weniger um Feldforschung. (Lesen Sie hier  ein Interview mit Fauci zur Corona-Pandemie.)

International diskutieren Forscher über ein Global Virome Project , mit dem das Erbgut von bis zu 800.000 potenziell gefährlichen Erregern untersucht werden soll. Allerdings wäre das ein Multi-Milliarden-Dollar-Vorhaben, das zwar wissenschaftlich vielversprechend ist, dem aber noch weitestgehend die Finanzierung fehlt. In Deutschland gibt es eine Nationale Forschungsplattform für Zoonosen, über die einzelne Forschungsvorhaben  gefördert werden. Dazu gehört zum Beispiel ein Projekt namens "Epipredict"  unter der Leitung der Universität Münster. Dabei wird eine spezielle Software weiterentwickelt, mit der Forschende Ausbreitungsszenarien von Erregern simulieren können.

chs
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.