US-Studie Forscher reanimieren Organe toter Schweine

Forscher haben Herzstillstände bei Schweinen ausgelöst – und eine Stunde später ihre Organe wieder zum Leben gebracht. Dieser Durchbruch könnte in der Transplantationsmedizin helfen, wirft aber auch ethische Fragen auf.
Eine Schweinenase in Nordrhein-Westfalen: Forscher haben Zellen in toten Schweinen wiederhergestellt

Eine Schweinenase in Nordrhein-Westfalen: Forscher haben Zellen in toten Schweinen wiederhergestellt

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Bernd Thissen / dpa

Ein Hauch von Zombie-Apokalypse weht über den Campus von Yale. Dort haben Forscher tote Schweine wieder zum Leben erweckt, zumindest auf zellulärer Ebene.

Wie die Forscher im Journal »Nature« veröffentlichten , deute der Versuch mit einer speziellen Maschine und einer im Labor hergestellten Flüssigkeit darauf hin, dass Zellen nicht so schnell absterben wie gedacht. Der Körper sei bei einem Herzstillstand »nicht so tot wie bisher angenommen«, sagte Zvonimir Vrselja, einer der Studienautoren.

Die Forscher erhoffen sich durch die sogenannte »OrganEx«-Technologie unter anderem Fortschritte bei der humanen Transplantationsmedizin. Die Lebensdauer von Organen könnte verlängert werden, dadurch würde die Verfügbarkeit von Spenderorganen erhöht.

Für das Experiment wurde bei Schweinen ein Herzstillstand herbeigeführt. Nach einer Stunde begann die Behandlung. Dafür wurden die Schweine an ein Perfusionsgerät angeschlossen, das einer Herz-Lungen-Maschine ähnelt. Damit wurde ihnen eine mit Sauerstoff angereichterte Flüssigkeit aus Schweineblut und anderen Komponenten zugeführt.

Der Mix fördere die Gesundheit der Zellen und unterdrücke Entzündungen, hieß es.

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Sechs Stunden nach der Behandlung stellten die Forscher fest, dass zelluläre Schlüsselfunktionen in vielen Bereichen des Schweinekörpers aktiv waren – unter anderem in Herz, Leber und Nieren. Die Forscher fanden sogar Anzeichen von Herzaktivitäten, auch, wenn es nicht vollständig wieder in Gang gekommen sei. Es sei nicht klar, was genau es in den Tieren bewirkt hat, sagte Studienautor David Andrijevic.

Auf der Ebene der Zellen und des Gewebes schienen die Organe der verstorbenen Schweine funktionsfähig, hieß es. Hirnaktivitäten habe es bei den Schweinen während des gesamten Experiments keine gegeben.

Schwer von einem gesunden Organ zu unterscheiden

Unter dem Mikroskop sei es schwierig, ein gesundes Organ von einem Organ zu unterscheiden, das mit der »OrganEx«-Technologie behandelt wurde, sagte Vrselja. Man könne jedoch nicht sagen, ob die Organe auch wirklich funktionieren, sagte der Co-Autor der Studie, Stephen Latham. »Was wir uns ansehen, ist die zelluläre und metabolische Ebene.«

Auf den Menschen projiziert, könnte »OrganEx« neben der Transplantationsmedizin bei der Behandlung von Organen oder Geweben helfen, die durch fehlende Durchblutung bei Herzinfarkten oder Schlaganfällen geschädigt wurden. »Es gibt zahlreiche potenzielle Anwendungen für diese aufregende neue Technologie«, sagte Latham. Sie sei jedoch noch »sehr weit von der Anwendung beim Menschen entfernt«, so Latham.

Bis dahin sind auch ethische Fragen zu klären: Die Studie unterstreiche, dass der Tod kein Moment, sondern ein Prozess sei, sagte Bioethiker Arthur Caplan von der New York University gegenüber »Nature«. Die juristische Definition des Todes passe sich dem medizinischen Fortschritt weiter an.

hba/Reuters
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