Corona-Modellrechnung Zehntausende Infektionen sollen auf Trumps Wahlkampfveranstaltungen zurückgehen

Mindestens 30.000 Menschen könnten sich wegen der großen Wahlkampfauftritte von Donald Trump mit dem Coronavirus infiziert haben, rechnet ein Team von US-Ökonomen vor.
Am 2. November trat Donald Trump in Opa-locka, Florida, auf

Am 2. November trat Donald Trump in Opa-locka, Florida, auf

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BRENDAN SMIALOWSKI / AFP

Im Präsidentschaftswahlkampf in den USA hat Joe Biden, der Kandidat der Demokraten, Donald Trump wegen seiner großen Wahlkampfveranstaltungen scharf angegriffen. Diese seien "Superspreader-Events", bei denen Trump nicht nur Viren, sondern auch Zwietracht im Land verteile, so Biden.

Laut einer Modellrechnung von Ökonomen der US-Universität Stanford scheinen Trumps Veranstaltungen tatsächlich für viele Coronavirus-Infektionen verantwortlich zu sein. Die Gruppe rechnet in einer vorveröffentlichten Studie  vor, dass 18 Großevents, die zwischen Juni und September stattfanden, mindestens 30.000 bestätigte Coronavirus-Infektionen nach sich gezogen haben könnten. Mit Blick auf die Sterblichkeit durch das Coronavirus in den USA würden demnach mehr als 700 Menschen wegen der Versammlungen gestorben sein.

Das Team, bestehend aus Douglas Bernheim, Nina Buchmann, Zach Freitas-Groff und Sebastián Otero, hatte die Infektionszahlen in den Bezirken vor und nach den Wahlkampfveranstaltungen analysiert und mit Zahlen aus Bezirken verglichen, in denen sich die Infektionen vor den Versammlungen in ähnlicher Weise entwickelt hatten.

Das Tragen einer Maske war nicht vorgeschrieben

Zwar fanden die meisten Veranstaltungen im Freien statt, aber oft standen die Teilnehmenden dicht gedrängt. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes war nicht vorgeschrieben.

Es sei nicht weit hergeholt zu sagen, dass sich das Virus auf großen Versammlungen, bei denen keine Masken getragen werden, wahrscheinlich verbreitet, kommentiert der Infektiologe Amesh Adalja die Arbeit, an der er nicht beteiligt war. Die Studie lege nahe, dass dies passiert sei. Sie sei aber kein klarer Beweis, weil sie nicht auf tatsächlichen Fällen beruht.

Dabei hätte es vermutlich gereicht, eines dieser Events mit einer ausgeklügelten Studie zu begleiten, um genauer zu ermitteln, wie stark diese Veranstaltungen zur Verbreitung des Coronavirus beitrugen.

"Das Problem ist: Wir haben nichts getan, um richtige Zahlen zu bekommen", sagt der Genetiker Eric Topol vom Scripps Research Translational Institute in La Jolla, Kalifornien, obwohl das möglich gewesen wäre. Stattdessen gebe es Hochrechnungen und mathematische Modelle.

Laut den Daten der Johns-Hopkins-Universität gib es in den USA seit Beginn der Coronavirus-Pandemie rund 9,2 Millionen bestätigte Infektionen – mehr als in jedem anderen Land der Welt. 231.000 Menschen sind im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion gestorben.

wbr/rtr
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