Kondom-Alternative Verhütungsgel für Männer besteht Test an Affen

Keine einzige Schwangerschaft und kaum Nebenwirkungen: Über zwei Jahre hinweg haben Forscher ein neues Verhütungsgel für Männer an Affen getestet. Ob es auch beim Menschen funktioniert, ist noch unklar.
Spermien

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Foto: imago/Science Photo Library

Wollen Männer sichergehen, dass aus Spaß nicht Ernst wird, haben sie zwei Möglichkeiten: Ein Kondom benutzen oder sich den Samenleiter durchtrennen lassen. Ersteres muss bei jedem Geschlechtsverkehr passieren, letzteres lässt sich nicht rückgängig machen. Auch deshalb ist seit Erfindung der Antibabypille Verhütung bei vielen Paaren Frauensache - noch.

Die Parsemus Foundation, die sich aus Spenden und Drittmitteln finanziert, arbeitet derzeit an einer neuen Verhütungsmethode für den Mann. Zuletzt spritzten die Forscher 16 ausgewachsenen Makaken das Verhütungsgel "Vasalgel" in die Samenleiter. Das Polymer lässt den Großteil der Samenflüssigkeit durch - nur die Samen selbst eben nicht. Eine Ejakulation bleibt demnach möglich.

Keine Schwangerschaft, kaum Nebenwirkungen

Anschließend durften sich die Affen eine Paarungssaison lang mit drei bis neun fruchtbaren Weibchen in einem Außengehege vergnügen. Sieben Affen lebten sogar zwei Jahre fast ununterbrochen mit Weibchen zusammen. Und es passierte: nichts.

Makaken-Nachwuchs in einem Nationalpark in Myanmar

Makaken-Nachwuchs in einem Nationalpark in Myanmar

Foto: YE AUNG THU/ AFP

Keine der Affendamen erwartet Nachwuchs, berichten Catherine VandeVoort von der University of California und Kollegen im Fachmagazin "Basic and Clinical Andrology" . Zudem habe es kaum Nebenwirkungen gegeben. Bei einem Affen ist es zunächst nicht gelungen, das Gel richtig im Samenleiter zu platzieren.

Ein anderer entwickelte ein sogenanntes Spermagranulom, das sich aber in den meisten Fällen von allein zurückbildet. Dabei dringen Spermien in umliegendes Gewebe ein. Das ist auch eine vergleichsweise häufige Nebenwirkung nach einer Sterilisation beim Mann (Vasektomie). Der Studie zufolge reagierte auch das Immunsystem der Affen nicht negativ auf die fremde Substanz.

Gel weg, Fruchtbarkeit zurück

Bereits zuvor hatten die Forscher in einem Versuch  mit zwölf Kaninchen gezeigt, dass die Methode funktioniert. Nach Angaben der Wissenschaftler ließe sich der empfängnisverhütende Effekt zudem zuverlässig zurückdrehen. Entfernten die Forscher das Gel mit einem Lösungsmittel, konnten die Tiere wieder Nachwuchs bekommen. Publiziert ist diese Arbeit bislang aber nicht.

Auch ist unklar, wie lange die Wirkung von "Vasalgel" anhält und damit auch, wie häufig nachgespritzt werden muss.

VERHÜTUNGS-QUIZ

Obwohl noch einige Fragen offen sind und die Methode bislang nicht am Menschen erprobt ist, weckt sie in Fachkreisen neue Hoffnung. Nur wenige Initiativen forschen an Verhütungsmitteln für Männer. Die Entwicklung ist teuer und große Unternehmen haben kein Interesse daran. Sie verdienen an bewährten Varianten für die Frau.

Bislang war die Forschung in dem Gebiet zudem wenig erfolgreich. 2016 berichteten Wissenschaftler, dass sie eine Studie mit einem Hormonpräparat für Männer wegen Nebenwirkungen abbrechen mussten. Daraufhin entbrannte eine Diskussion, inwiefern Frauen bei der Verhütung höhere Risiken zugemutet werden als Männern. Auch die Pille für die Frau kann eine ganze Reihe von Nebenwirkungen haben.

Klinische Tests in Indien

Grund zu Hoffnung gibt es auch, weil ein dem "Vasalgel" sehr ähnliches Produkt bereits in Indien am Menschen erprobt wird. "Risug" (Reversible inhibition of sperm under guidance) legt sich auf die Wände des Samenleiters und beschädigt vorbeifließende Samenzellen, sodass eine Befruchtung unmöglich wird. Es könnte sich also schon bald zeigen, ob die Form der Verhütung eine Zukunft im Menschen hat. Patentiert ist die Methode bislang in Indien, China, Bangladesch und den USA.

Im Gegensatz zu ihren Kollegen in Indien wagen sich die "Vasalgel"-Forscher aber noch nicht an Versuche im Menschen. Stattdessen wollen sie als Nächstes prüfen, ob sich die Empfängnisverhütung bei den Affen wieder rückgängig machen lässt. Außerdem wollen sie untersuchen, ob langfristig Nebenwirkungen auftreten.

Sollte sich das Konzept entgegen aller Hoffnungen nicht für den Menschen eignen, haben sie schon einen Plan B: Geburtenkontrollen im Zoo. Da eine Vasektomie bei Affen deutlich komplizierter ist als beim Menschen, sei das Mittel dort möglicherweise eine geeignete Variante, die Populationsgröße einzudämmen.