Drosten warnt nach Aussetzung der AstraZeneca-Vakzine Für die Jahrgänge ab 50 wird es »brenzlig«

Der Virologe Christian Drosten erwartet schon bald Corona-Infektionszahlen wie Ende des vergangenen Jahres. Wegen der Mutante werde sich die Situation noch »drastisch erschweren«.
Christian Drosten befürchtet hohe Infektionszahlen in naher Zukunft

Christian Drosten befürchtet hohe Infektionszahlen in naher Zukunft

Foto: Michael Kappeler / dpa

Der Virologe Christian Drosten bedauert angesichts der aktuellen Coronalage in Deutschland die Entwicklungen um AstraZeneca mit ausgesetzten Impfungen und knapperen Liefermengen. Im Moment solle man vor allem daran denken, »dass wir diese Impfung brauchen«, betonte der Charité-Wissenschaftler am Dienstag im Podcast »Coronavirus-Update« bei NDR Info.

Die epidemiologische Lage sei momentan nicht gut in Deutschland. Die ansteckendere Virusvariante B.1.1.7 nehme immer mehr Überhand, ihr Anteil betrage inzwischen drei Viertel.

»Wir werden kurz nach Ostern eine Situation haben wie um Weihnachten herum«, sagte Drosten, auch mit Blick auf düstere Prognosen des Robert Koch-Instituts von vor einigen Tagen zu einem befürchteten starken Anstieg der Neuinfektionszahlen. Die Situation werde sich dann im weiteren Verlauf »drastisch erschweren« wegen der Mutante, erwartet Drosten. Besonders »brenzlig« werde es für die weitestgehend noch ungeimpften Jahrgänge ab 50 Jahre. Diese Warnung hatte Drosten auch zuvor schon geäußert.

Über die Häufung der seltenen Thrombosen innerhalb kurzer Zeit sagte Drosten, das müsse man »natürlich ernst nehmen und anschauen«. Dazu gehöre unter anderem auch die Suche nach möglichen anderen Ursachen. Er wolle die Entscheidung nicht bewerten und habe auch keine Hintergrundinformationen, sagte Drosten.

In Deutschland hatte das für die Impfstoffsicherheit zuständige Paul-Ehrlich-Institut eine Aussetzung der Impfungen mit AstraZeneca empfohlen. Seit Montag wird die Vakzine hierzulande vorerst nicht mehr verimpft.  Kurz darauf setzten auch Frankreich, Italien und Spanien die Impfungen aus. Andere europäische Länder wie Norwegen oder Dänemark hatten den Impfstoff schon vor Deutschland nicht mehr verwendet.

Nach Angaben aus dem Gesundheitsministerium wurden in Deutschland bis Dienstagabend insgesamt acht Fälle mit Thrombosen in den Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang zur Impfung gemeldet. Die Zahl der Fälle ist demnach statistisch signifikant höher als in der Bevölkerung ohne Impfung.

Einige Experten hatten vor der Aussetzung des Impfstoffs gewarnt. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schrieb auf Twitter: »Auf der Grundlage der vorliegenden Daten halte ich das für einen Fehler. Die Prüfung ohne Aussetzung der Impfung wäre wegen der Seltenheit der Komplikation besser gewesen. In der jetzt Fahrt aufnehmenden dritten Welle wären die Erstimpfungen mit dem AstraZeneca Impfstoff Lebensretter.«

Vor einigen Tagen hatte AstraZeneca eine drastische Kürzung seiner Lieferungen in die Europäische Union angekündigt. Man beabsichtige, im ersten Halbjahr 100 Millionen Dosen in die EU-Staaten zu liefern, hieß es. Zuletzt war der Konzern noch von 220 Millionen Dosen bis zur Jahresmitte ausgegangen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels wurde Norwegen fälschlich als EU-Land bezeichnet. Wir haben die Passage angepasst.

svs/dpa
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