Vogelgrippe Ein Virus geht um die Welt

China, Nigeria, Deutschland - in immer mehr Ländern gibt es Vogelgrippe. Auch in Südengland mussten jetzt Hühner getötet werden. Manche Viren können Menschen gefährlich werden.

Hühner: "Es gibt eine Menge Vogelgrippefälle, die nicht erkannt werden"
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Hühner: "Es gibt eine Menge Vogelgrippefälle, die nicht erkannt werden"


Hamburg - Auf einer Geflügelfarm im Süden Englands ist Vogelgrippe ausgebrochen. Die Hühner auf dem Hof in der Grafschaft Hampshire würden gekeult und eine Schutzzone sei eingerichtet, teilte das Landwirtschaftsministerium am Montagabend in London mit.

Es handelt sich demnach nicht um den unter Vögeln hochansteckenden Erreger H5N8, den Experten im Januar in Mecklenburg-Vorpommern nachgewiesen haben, sondern um den Subtypus H7, den das Ministerium als "weit weniger schwerwiegend" einstufte. Es gebe auch keinen Zusammenhang mit dem britischen Vogelgrippe-Fall vom November. Den zuständigen Behörden zufolge besteht nur ein sehr geringes Risiko für die Öffentlichkeit und gar kein Risiko für die Sicherheit von Lebensmitteln.

Vogelgrippe in China

Schlimm hingegen hat es China getroffen. Eine Welle von Vogelgrippefällen hat den Osten und Süden des Landes erfasst. Seit November sind nachweislich elf Menschen an den Folgen einer H7N9-Infektion gestorben. Mehr als 50 Erkrankungen sind berichtet.

Viele Fälle könnten unentdeckt bleiben. Wohl aus Angst vor Hysterie und Schaden für die Geflügelindustrie sind die Berichte in den zensierten Staatsmedien spärlich. Zwar ist die Diagnose einfach, doch bleiben viele Ansteckungen unerkannt, weil die Symptome wie Fieber, Husten und andere Atemwegsprobleme einer normalen Grippe ähneln.

"Es gibt eine Menge Vogelgrippefälle, die nicht erkannt werden", erläutert Cheng Jun, Vizepräsident des renommierten Pekinger Ditan-Krankenhauses. "Das ist häufig bei solchen Infektionen." Die meisten Fälle gebe es im Winter und Frühjahr. Das sei die Zeit, wo die Zugvögel unterwegs und die Menschen anfällig seien.

Das staatliche Gesundheitsamt rief zur Vorsicht auf und warnte vor einer Verbreitung des Virus. Vizedirektor Wang Guoqiang äußerte sich besonders besorgt über die bevorstehende Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest im Februar, wenn Hunderte Millionen Chinesen in überfüllten Zügen und Bussen unterwegs sind.

Infektionen mit dem H7N9-Virus wurden sowohl aus den Provinzen Guangdong und Fujian in Südchina als auch aus den ostchinesischen Provinzen Zhejiang, Jiangsu, Jiangxi, Shandong, der Hafenmetropole Shanghai und der Region Xinjiang im Nordwesten gemeldet. In Südchina und Hongkong wurden Zehntausende Tiere gekeult. Märkte wurden geschlossen, der Verkauf von frisch geschlachtetem Geflügel beschränkt. Die Menschen werden aufgefordert, gefrorenes Fleisch zu essen.

Ausbruch in Westafrika

Auch Westafrika ist betroffen: Nach einem Ausbruch der Vogelgrippe in Nigeria sind als Vorsichtsmaßnahme bereits mehr als 22.500 Tiere gekeult worden. Inzwischen seien sechs Bundesstaaten von der H5N1-Grippe betroffen, sagte Umweltminister Akinwunmi Adeshina am Donnerstag. Die betroffenen Betriebe und Geflügelmärkte würden desinfiziert.

Kontrolleure überprüften weitere Farmen in den betroffenen Gebieten. Die Bevölkerung sei aufgerufen, beim Kochen von Geflügelprodukten besondere Hygienemaßnahmen zu befolgen. H5N1 überträgt sich Experten zufolge weniger schnell auf den Menschen, wirkt im Falle einer Ansteckung aber oft lebensgefährlich.

Vogelgrippe in Norddeutschland

Auch in Norddeutschland war im Dezember und Januar Vogelgrippe aufgetreten. In Schwerin gab es Mitte Januar einen Vogelgrippe-Fall mit dem hoch ansteckenden Erreger H5N8. Das Virus wurde bei einem toten Haushuhn aus dem Bestand eines Hobbyhalters in Anklam nachgewiesen, sagte ein Amtstierarzt am Mittwoch. Ob H5N8 für Menschen gefährlich wird, ist nicht geklärt.

In Mecklenburg-Vorpommern gab es kurz darauf einen Vogelgrippe-Fall: Experten wiesen das Virus bei einer Hausente nach. Wie das Agrarministerium in Schwerin am Montag mitteilte, gehörte die Ente mit weiteren rund 35 Hühnern zu einer privaten Kleinsthaltung. Die Tiere seien alle getötet worden.

Anfang Januar war im Rostocker Zoo ein Weißstorch an der Vogelgrippe gestorben. Insgesamt verlor der Zoo 60 Vögel, darunter alle Ibisse, Störche sowie alle Nacht- und Seidenreiher. Bei den Flamingos seien Antikörper gegen das Virus festgestellt worden, sie hätten die Infektion schadlos überstanden.

Auch der erste Nachweis dieses Vogelgrippe-Erregers in Europa überhaupt stammt aus Mecklenburg-Vorpommern: Am 5. November 2014 wurde erin einem Putenbestand mit rund 31.000 Tieren im Kreis Vorpommern-Greifswald festgestellt. Danach tauchte das zuvor nur aus Asien bekannte Virus in mehreren Bundesländern sowie unter anderem in den Niederlanden und Großbritannien auf.

Unklar ist, ob das Virus über Wildvögel oder den Futter- und Geflügelhandel nach Europa gekommen ist. Zugvögel, die selbst offenbar nicht daran erkranken, könnten die Viren aus Korea über Russland nach Mitteleuropa gebracht und auf Nutztiere in Ställen übertragen haben.

boj/dpa

insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
andocken 03.02.2015
1. Wie blöd, dass Vögel fliegen können
Da hilft doch nur noch die weltweite Distanzierung von der Massentierhaltung.... gruselig das Alles
analyse 03.02.2015
2. Die nachgewiesenen Fälle in den Kleinstbetrieben müssen
ja wohl ein Irrtum sein ! In Kleinstbetrieben,wo sich doch die Hühner wohlfühlen,ein gesundes Immunsystem haben und dem Druck von Hühnermassen nicht ausgesetzt sind ! Da steckt wohl die Großindustrie hinter,die Grünen und Kleinbauern eins auswischen wollen !???
Baustellenliebhaber 03.02.2015
3. Wissenschaftliche Erkenntnis......
Vögel können fliegen.....
wladimir.andropowitsch 03.02.2015
4. Sowohl die immer größeren Kompressionsraten in der Geflügelwirtschaft,
aber eben auch in den sich immer extremer vergrößernden Megalopoli, in denen sich ja nicht nur in China und Indien immer mehr Menschen auf immer kleineren Flächen und in immer höheren Wohnsilos kompaktieren und konzentrieren lassen, damit der Wohlstand sie erlöst, bilden doch das Problem der sich gegenseitig auffressenden Ratten, bei denen deren kritische Kompressionsrate überschritten wird. Denken wir also positiv. Freuen wir uns darüber, dass Mutter Natur noch viele lustig Tricks und Schnippchen drauf hat, um sich vom Massenbefall des Homo sapiens selbst so weit zu befreien, dass sie wieder Luft zum Leben bekommt. Wenn es zu tödlich verlaufenden Massennfektionen kommen wird, dann wird man wie bei Ebola schon feststellen, dass 30% der Infektion zum Opfer fallen, während 70% dagegen immun werden.
EPetras 03.02.2015
5. Erst 10 große Stallbetriebe, erst dann wenige Wild- und Hausvögel
Die Tatsache, dass das Virus europaweit in mindestens 10 großen geschlossenen Stallbetrieben auftrat, die zu überregional oder sogar global agierenden Unternehmen gehören, die Tatsache, dass das Virus in Taiwan auf einen Schlag in vielen geschlossenen Ställen gleichzeitig auftrat, zeigt, dass die Wildvogelthese nicht stimmen kann! Erst nach Ausbruch in den Massenställen gab es einige wenige Fälle bei Wildvögeln, später war auch ein Zoo, ein Park und eine Hobbyhaltung mit Stockenten betroffen. In normalen Freilandhaltungen ohne Stockenten haben aber Wildvögel in der Regel keinen Kontakt zu den Tieren. Kommerzielle Freilandhaltungen waren auch gar nicht betroffen! Die Stallpflicht ist daher das falsche Signal. Sie ist unverhältnismäßig, da sie die Freilandtiere, die die Freiheit gewohnt sind, in Ställen krank macht. Fast jeder betroffene Halter kann Fotos von seinen nun zerpickten Tieren zeigen, die zuvor im Freiland gesund waren! Sie ist sinnlos, denn die es waren weitaus mehr (10!) Stallbetriebe betroffen als Freilandhaltungen (gar keine trotz häufiger Nichteinhaltung der unsinnigen Stallpflicht!). Bei enger Aufstallung großer Herden mutieren Viren leicht zu höher pathogenen Formen, weil sie leicht von einem Wirt zum anderen wechseln können und sich die Evolution beschleunigt. Die Geflügelindustrie, in deren Ställen H5N8 in Europa zuerst und mindestens 10mal auftauchte (jetzt ganz neu auch H7 in UK!), soltle sich endlich Gedanken übe die internen Verbreitungswege machen, die es mit Sicherheit gibt. Die wenigen Wildvögel können sich am Kot auf Feldern oder am Fischfutter, das Geflügelabfälle oder Geflügelkot enthält, angesteckt haben. Es sind aber so wenige, dass von einer Verbreitung unter Wildvögel oder gar von einer Gefahr für Freilandhalter keine Rede sein kann! Die meisten Freilandhalter halten keine Stockenten. Die Tiere soltlen daher weiterhin die Freiheit genießen dürfen - Hühner könnten als Sentinels gelten!
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